Der 1. FC Köln steht vor einem ersten Schicksalsspiel und greift gegen Eintracht Frankfurt nach einem Strohhalm. Dabei sind gleich mehrere Tugenden notwendig. Das Vorspiel vor Frankfurt.

Mittwoch, 18:30 Uhr. Wer denkt da nicht an einen ganz gewöhnlichen Bundesliga-Spieltermin? Dank der einmal mehr enorm zuschauerfreundlichen Ansetzung seitens der Liga dürfen zehntausende Fans des effzeh durch den Gerüchten nach leicht stauanfälligen Kölner Berufsverkehr pilgern (den Frankfurter, die sich noch viel früher über die A3 quälen dürfen, geht es sicher nicht besser), damit sie … Ja, damit sie was eigentlich? Damit sie wohl einen Geschmack vergessen geglaubter Zeit bekommen.

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Gegen die Frankfurter Eintracht steht ein erstes Schicksalspiel für die Elf von Peter Stöger an. Mit Niederlagen in London und Dortmund hatten die meisten, wenn auch vielleicht nicht in der Höhe, fest geplant. Das Heimspiel gegen Frankfurt ist dagegen ein Duell, das der Tabellenfünfte der letzten Saison gewinnen will. Und so langsam auch gewinnen muss. Punktlos und mit einem verheerenden Torverhältnis von 1:12 steht der 1. FC Köln am Tabellenende. Selbst ein Sieg würde die „Geißböcke“ lediglich auf den Relegationsplatz katapultieren.

Stöger appelliert an Mentalität

Eine Niederlage gegen die ebenfalls schwächelnde Eintracht wäre dagegen ein herber Nackenschlag angesichts der kommenden Duelle gegen den formstarken Aufsteiger aus Hannover und die gestern wieder sympathisch auftretenden Rasenballsportler. Dementsprechend offensiv formulierte Stöger vor dem richtungsweisenden Match auch: „Wir gehen davon aus, dass wir das erste Mal anschreiben in dieser Saison.“

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Um anschreiben zu können, sind aber gänzlich andere Tugenden gefragt als jene, die der effzeh in seinen ersten Saisonspielen so zeigte. Erwartet wird ein enorm umkämpftes, hitziges Spiel, bei dem für beide Seiten bereits einiges auf dem Spiel steht. „Es geht eher darum, wer die Aufgabe annimmt, wer psychisch und mental so aufgestellt ist, dass er die schwierige Situation auch meistern kann“, betonte Stöger, der wohl erstmals in seiner Amtszeit beim besten Verein der Welt in einer handfesten Krise steckt.

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Damit sind wir bei den vergessen geglaubten Zeiten angelangt. Wenn das ständige Zittern um den Wiederabstieg nicht bei jedem effzeh-Fan, der jünger als 30 ist, von Kindesbeinen an anerzogen wäre, könnte man beinahe vergessen haben, wie sich das so anfühlt. Abstiegskampf, Rücken zur Wand, Krise – mit derartigen Situationen war die junge Stöger-Truppe zuletzt seltenst konfrontiert. Nun ist sie auf der verzweifelten Suche nach dem Strohhalm, der ihr zumindest mal wieder einen kleinen Schluck aus dem Wasser des Haifischbeckens Bundesliga gönnt.

1. FC Köln im frühen Herbst 2017: Probleme vorne wie hinten

Ein bisschen eng formuliert ist Stögers Appell an die Mentalität vor diesem Hintergrund dann schon. Zwar geht es am Spätnachmittag vor allem darum, das erwartete Kampfspiel anzunehmen, doch der effzeh ist in dieser Saison vor allem auch fußballerisch noch vieles schuldig geblieben.

Selbst bei noch so stimmiger Mentalität braucht es bekanntlich noch immer Tore, um ein Fußballspiel zu gewinnen – diese zu erzielen scheint weiterhin ein extremes Problem zu sein. Chancen werden kaum herausgespielt, die wenigen dafür zumeist vergeben – dazu zeigt auch die Defensive nicht mehr die Stabilität vergangener Saisons. Das alles kann nicht nur ein Mentalitätsproblem sein.

„Wir wollen nach vier Spieltagen nicht zu kritisch sein, aber nicht zu entspannt. In Köln muss es uns wieder gelingen, dem Gegner früh den Zahn zu ziehen und in Führung zu gehen.“

Gerade das Toreschießen dürfte auch gegen die Eintracht nicht leicht werden, immerhin haben die Hessen gerade einmal drei Gegentore kassiert. Weniger haben nur die derzeitigen Spitzenteams aus Dortmund und Hannover auf dem Konto. Anders als in der Domstadt steht in der Mainmetropole also zumindest die Defensive. Auch generell sind Frankfurts Auftritte bei weitem nicht so besorgniserregend. Immerhin gelang es dem Kovac-Team, drei Punkte aus Mönchengladbach zu entführen und im letzten Spiel gab es eine knappe 1:2-Niederlage gegen den FC Augsburg – ein Team, gegen das der effzeh bekanntlich mit 0:3 unterging.

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Kovac hofft auf frühen Treffer

Dementsprechend formulierte Eintracht-Coach Kovac auch: „Wir wollen nach vier Spieltagen nicht zu kritisch sein, aber nicht zu entspannt. In Köln muss es uns wieder gelingen, dem Gegner früh den Zahn zu ziehen und in Führung zu gehen.“ Dieses Vorhaben scheint gegen den effzeh momentan durchaus erfolgsversprechend. Gegen Hamburg und Augsburg lag „Rut un Wiess“ bereits nach nicht einmal einer halben Stunde zurück, in Dortmund musste Timo Horn bereits nach zwei Minuten hinter sich greifen.

Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Keeper Horn war es auch, der nach dem Debakel in Dortmund bereits an die Fans appellierte, dass die Mannschaft sie nun brauche. Auch das sind Phrasen, die seit längerer Zeit nicht mehr rund ums Geißbockheim ausgesprochen wurden.

Stellt Stöger um?

Ein Sieg erscheint überlebenswichtig. Mentale Stärke, ein deutlich verbessertes Defensivverhalten und irgendwelche Lösungen in der Offensive sind gefragt. Dass Stöger dabei viele Umstellungen gegenüber dem 0:5 im Westfalenstadion vornimmt, erscheint eher unrealistisch. Möglich ist dennoch, dass Konstantin Rausch anstelle des überforderten Jannes Horn erhält und Simon Zoller angesichts der Formschwäche von Risse und Bittencourt noch einmal eine Chance bekommt. Eventuell denkt der Österreicher angesichts der offensiven Harmlosigkeit auch über eine Doppelspitze mit Guirassy und Cordoba nach.

Das Licht am Ende des Tunnels scheint angesichts der letzten Auftritte weit entfernt, doch ein Erfolg, ganz egal wie er zustande kommt, kann gerade zu Beginn einer Saison viel ändern im Team, im Umfeld, in Köln.

Mehr zum Spiel zwischen dem effzeh und der Eintracht gibt es im BuLi-Special von meinsportradio.de:

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