© effzeh.com

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Anthony Modeste, Philipp Hosiner, Dominique Heintz, Milos Jojic, Frederik Sørensen und vor kurzem Leonardo Bittencourt. Der effzeh scheint bei seinen Transfertätigkeiten in diesem Sommer die Hausaufgaben gemacht zu haben. Hinter den Kulissen bringen Jörg Schmadtke und Jörg Jakobs Transfers voran, die vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen wären. Und das Beste: In Bittencourts Fall hat sogar niemand davon gewusst.

Erleben wir also nun einen neuen 1. FC Köln? Macht man sich auf in völlig neue Gewässer hin zum seriösesten Club der Welt? Ist der Europapokal nur noch die logische Konsequenz? Oder sollte man mal auf die Euphoriebremse drücken? Ein schwieriges Thema – auch innerhalb unserer Redaktion. Grund genug unsere Diskussionen mal zusammen zu fassen. Die allseits beliebte effzeh.com-Rudelbildung ist wieder da. Viel Spaß!

Lukas: „Für mich sind gerade die Transfers von Modeste, Bittencourt und Jojic die Früchte der Arbeit nach dem Abstieg 2012. Damals haben sich Werner Spinner, Tünn und der Herr aller Karnevalisten  aufgemacht, um den effzeh wieder gerade zu rücken. Was ihnen gelungen ist, ist den effzeh nicht nur wieder in die Spur zurück zu bringen, sondern ihn wieder attraktiv zu machen. Sonst bekommt man keine jungen aufstrebenden Talente. Gut, man kann jetzt sagen, dass die Stadt Köln mit Unmengen an Studentinnen der Geisteswissenschaften durchaus Reiz auf junge Fußballer ausübt, aber das wird nur ein – und nicht DER – Grund dieser Wechsel gewesen sein. Die Frage, die sich aus all dem für mich ergibt, ist: Wer wird auf der Strecke bleiben vorne im offensiven Mittelfeld? Gut, Slawomir Peszko wird nun wirklich sehr wenige Minuten sehen, aber wir haben da jetzt Kazuki Nagasawa, Marcel Risse, Jojic, Bittencourt, Yuya Osako (wenn man mit nur einer Spitze spielen würde als Kandidat im offensiven Mittelfeld) und bestimmt noch jemand, den ich vergessen habe. Also deutlich zu viele Leute für die paar Positionen. Außerdem setze ich fest drauf, dass Stögers Pitter lieber ein 4-3-3 spielen lassen wird. Modeste als Mittelstürmer, Osako und Hosiner als Außenstürmer, dahinter Gerhardt und Vogt als Sechser…bleibt nur ein Platz für die oben genannten…..das gibt mächtig Konkurrenzkampf.“

Thorsten: „Ich mach mir gar keinen Kopp, wer ran darf. Das entscheidet der Trainer, egal wie der heißt. Der Kader insgesamt ist so gut besetzt, dass wir endlich richtige Konkurrenzsituationen haben, von denen ich hoffe, dass sie beflügeln und nicht lähmen. Mit den Problemen in der Abwehr wurden wir jetzt etwas überrascht. Da bin ich in der Tat gespannt, was passiert, ob wir das kompensieren können. Am Ende müssen wir halt einfach ein Tor mehr schießen, als wir hinten kassieren (pling!). Achja, wir haben ja noch Timo Horn. Alles gut!“

Martin: „Ich muss da erstmal kurz Lukas zustimmen. Unabhängig davon, ob die Jungs jetzt einschlagen oder nicht: Wenn man sich zwei deutsche (!) U21-Nationalspieler angelt, dazu einen dänischen U21-Nationalspieler und einen Serben, der auch noch bei der EM für die U21 gespielt hat, dann hat man hinsichtlich seines Standings einiges richtig gemacht. Dass solche Jungs auch zum effzeh wollen, ist ein richtig, richtig gutes Zeichen. Dabei geht es nämlich nicht (nur) um Geld, sondern um Perspektiven, die aufgezeigt werden. Auch wenn ich Stögers Entscheidungen nicht immer geil finde, ist er anscheinend wirklich ein Trainer, der die Spieler nach vorne bringt. Ich vertraue also darauf, dass er die Situation wieder so gut moderiert wie letztes Jahr, denn während wir gerade nur zwei spielfähige Innenverteidiger haben, sind wir vorne mittlerweile ja überbesetzt. Mir gefallen eigentlich alle Transfers, weil sie Sinn ergeben und mächtig Potenzial bieten. Wie da die Anfangself am ersten Spieltag aussehen wird, finde ich extrem spannend. Außer Matze Lehmann, der Geschwindigkeitsdefizite hin oder her, wird als einziger Spieler über 30 und Quasi-Kapitän zunächst gesetzt sein. Daneben kommt es dem effzeh wohl einfach zugute, dass er jetzt sehr variabel aufgestellt ist. Ich muss jedenfalls sagen: Starke Arbeit bis hierher. Alles weitere muss man dann natürlich auf dem Feld sehen.“

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Rolf: „Ich sehe die Entwicklung etwas kritischer, denn durch die Transfers kommt Unruhe in das Gefüge. Sicher ist, wie bereits geschrieben, dass der Konkurrenzkampf härter wird. Aber darüber könnte die mannschaftliche Geschlossen- und Verschworenheit der letzten beiden Spielzeiten leiden. Ausserdem steigt der Frustfaktor bei einer Reihe von Spielern. Dies bedeutet, dass der Boulevard schon wie die Geier auf die ein oder andere Story giert. Für mich unverständlich ist der Bittencourt-Transfer, der hätte aufgrund des Überangebots nicht sein müssen. Hätte lieber noch einen gestandenen 6er gesehen, da Lehmann in die Jahre kommt und Vogt noch zu wechselhaft agiert. Jetzt zeigt sich, ob Yannick Gerhardt einer ist oder nicht. Auf jeden Fall spannende Zeiten auf dem Hennesgrün.“

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Rüdiger: „Rolf! … soll das heissen: bloß keine neuen Spieler, weil Konkurrenz bringt Unruhe? Ähem!“

Rolf: „Nein Rüdi. Ich habe nur auf mögliche Entwicklungen hingewiesen, denn das haben wir alles schon mal beim effzeh gehabt. Sechs Neue sind quasi schon ein Umbruch und Stöger wird diese Saison zeigen, dass er ein richtig Guter ist.“

Thorsten: „Ich sehe gerade auf der 6 den Vorteil, dass Gerhardt jetzt zeigen muss, was er kann. Im Sturm haben wir in der Tat ein Überangebot, das find ich aber gut. Meine Sorgenfalten beschränken sich auf die Abwehr, die könnte Knackpunkt sein. Offense wins games, defense wins championships.“

Tim: „Die Transferpolitik des effzeh ist durch die entsprechenden Personalien als „ausgezeichnet“ zu bewerten. Wenn ich sehe, Heintz und Bittencourt beide DEUTSCHE U21-Nationalspieler, Sörensen U21-Nationalspieler Dänemarks, Modeste ein gestandener und aus meiner Sicht technisch besserer Stürmer als Ujah, dazu als Back-Up Hosiner (Torinstinkt) und zu guter Letzt Jojic U21-Nationalspieler Serbiens und ein ausgezeichneter Techniker für den offensiven Bereich. Da kann ich mich nur wiederholen: Schmadtke und Co. haben einen fantastischen Job gemacht. Konkurrenzkampf belebt das Geschäft. Zusätzlich zu unseren Jugendnationalspielern hat unser effzeh eine wahre Goldgrube an jungen, teilweise bereits gestandenen Bundesligaspielern eingekauft. Wir können DIE positive Überraschung der Saison 2015/2016 werden!“

Martin: „Mit DIE Überraschung und sowas wäre ich erstmal was vorsichtig. Auf dem Papier waren das starke Transfers, aber auf den zweiten Blick sind das alles tolle und talentierte Spieler, die allesamt ein wenig in der Entwicklung stagniert sind. Es ist ja nicht auszuschließen, dass das so bleibt. Ich bin also lieber erstmal vorsichtig, wobei ich auch Rolfs Ängste nicht so sehr teile. Wenn Peter Stöger eine große Stärke hat, dann ist das meines Erachtens die Mannschaftsführung. Und so wie ich das sehe, habe wir uns da auch charakterlich gute Jungs geholt. Die mannschaftliche Geschlossenheit wird bleiben und im Normalfall sollten wir dank dieser Transfers noch ein bisschen weniger mit dem Abstieg zu tun haben als letzte Saison. Man muss ja auch sagen, dass man direkten Konkurrenten in der Liga da einfach die Spieler weggeschnappt hat. Vielleicht sind wir ja der FC Bayern der unteren Tabellenhälfte. Heißt dann Platz zehn, nehme ich!“

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Thomas: „Ich bin tatsächlich etwas zwiegespalten. Unsere Transferperiode kann man einfach nur als sehr gelungen bezeichnen. Wir holen zwei umworbene deutsche U21-Nationalspieler, weitere aus Dänemark und Serbien, wir locken einen gestandenen Bundesligastürmer nach Köln und schießen uns preiswert einen top-motivierten Angreifer. Da kann ich Jörg Schmadtke zu seiner Arbeit nur gratulieren, offensichtlich ist vom Golfplatz einiges möglich. Diese seriöse Arbeit – das ist einfach nicht mein FC, wie ich ihn gewohnt bin. Dennoch keimt in mir Sorge. Woran das liegt? Nun ja, wir sind eben immer noch der 1. FC Köln. Und der hat es in der Vergangenheit zu oft geschafft, jegliche Hoffnung mit einem gesalzenen Tritt in die Nüsse zu beenden. Und angesichts des derzeitigen Höhenflugs im Umfeld befürchte ich, dass die Geduld, die in den letzten Jahren Einzug gehalten hat, flöten gehen könnte. Zuviel Freude am Verein macht mir Sorgen – ist das nicht schizophren?“

Lukas: „Aber Thomas: ist das wirklich noch unser effzeh? Dementsprechend brauchst du nicht wirklich Sorgen zu haben.“

Patrick: „Ich halte es wie jedes Jahr: Transfers überzeugen auf dem Platz, nicht auf dem Papier. Und erst mit Blick nach vorne und nicht nach hinten. Will heißen: abwarten. Wobei ich zugeben muss, dass ich bereits letztes Jahr entspannter war als sonst. Und dieses Jahr bin ich noch entspannter. Und trotzdem kann ich das erste (Heim-)spiel kaum mehr abwarten.“

Rüdiger: „Ich finde ja, der effzeh hat sich sinnvoll verstärkt. Allerdings bin ich nicht so auf der Euphoriewelle wie einige andere FC-Fans. Sind wir doch mal ehrlich: Modeste saß in Hoffenheim oft auf der Bank, das wird einen Grund gehabt haben. Was ich in der Vorbereitung bis jetzt sah, lässt mich aber ein Stück weit entspannen, dass er treffsicherer ist als ein Ujah. Hosiner ist eine Granate. Leider wissen wir aber nicht, ob er jemals die 100 Prozent wieder erreichen wird. Bittencourt hat sein Talent noch nicht über längere Phasen einer Saison gezeigt, ebenso wenig wie Jojic. Sörensen kann ich wenig zu sagen. Heintz hat in der 2. Liga eine ordentliche Saison gespielt. Um jetzt total aus dem Häuschen zu sein, fehlt mir Phantasie. Viel mehr hab ich tierische Angst, da gerade die Viererkette auseinanderbrach und ich weiß nicht, ob Stöger es hinbekommt, den Neuen die Sicherheit zu vermitteln, die es braucht. Ich hoffe das sehr. Angesichts des schweren Startprogramms bin ich eher weniger in Ekstase und hab wie jedes Jahr ein wenig Bammel.“

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Thorsten: „Was viel wichtiger ist als die Platzierung – ich gehe mal davon aus, dass wir gegen den Abstieg aber etwas entspannter als letzte Saison spielen – ist, dass junge talentierte Spieler zum effzeh wollen, um sich zu entwickeln. Fünf U21-EM-Teilnehmer! Klar werden die nicht alle spielen, der ein oder andere rutscht durch. Aber wenn nur 2-3 eine Entwicklung nehmen bei uns, werden wir sie mit schönem Gewinn weiterschicken und Platz haben für die nächsten Talente. Nur so und natürlich erst in ein paar Jahren oder Jahrzehnten werden wir den Voprsprung auf die Spitze aufholen können.“

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Rolf: „Das ist mal wieder zu viel Hype. Lasst uns ersmal sehen, wie die ersten Spiele laufen. Sind wir doch mal ehrlich, der effzeh dreht sich um 180 Grad, waren es früher abgehalfterte sogenannte Stars, sind es nun aufstrebende Youngsters. Bin echt mal gespannt, ob das funktioniert.““

Luka: „Ich bin sehr, sehr zufrieden mit unseren Transfers. Selten habe ich so eine klare Linie hinter der Einkaufsstrategie erkannt wie dieses Mal. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir eine letzte, effzeh-typische Sache hinter uns lassen, nachdem nun schon keine abgehalfterten Exstars mehr kommen und die Presse von den Neuverpflichtungen über die offzielle FC-Seite (oder über uns) erfährt: Dass verheißungsvolle Spieler bei uns unter aller Sau spielen. Aber diese Gefahr sehe ich einfach momentan auch nicht, denn nicht nur Schmadtke verfolgte offenbar einen klaren Plan bei seinen Neuverpflichtungen. Auch Stöger hat einen und wird an den richtigen Schrauben drehen, um die Spieler optimal einzusetzen und sie besser zu machen. Wenn ich mir anschaue, wie sich andere Vereine aktuell einen abbrechen, um Wunschspieler zu bekommen und wie wenig weit diese sind, und dann auf der anderen Seite sehe, dass wir schon fertig sind und nun einen Kader mit echten Sahnestücken haben, muss ich sagen: Ich bin stolz auf das, was die Herren dort geleistet haben. Dabei ist ja dann nicht nur Schmadtke zu nennen, sondern auch Jakobs.“

Gero: „Ich habe nun wirklich lange geschwiegen. Ihr fragt Euch, warum? Ganz einfach: Zunächst musste ich mächtig auf die Euphoriebremse treten, damit ich hier nicht überschwenglichst Erwartungshaltungen wecke, die mein Europapokal-Grundgefühl noch übertrifft. Leute, ich bin begeistert! Wer sich ernsthaft bemüht. das Salz in der Suppe zu suchen, ist meines Erachtens beim effzeh aktuell falsch aufgehoben. Die Neuzugänge zeugen sämtlich von Konzept, Struktur und Zielorientierung – das gefällt mir außerordentlich. Der Name „Bittencourt“ wurde nirgends in der Presse auch nur ein einziges Mal spekulativ genannt – es wurde einfach nur seitens des Vereins die Verpflichtung eines U21-Nationalspielers mitgeteilt. Zu sämtlichen Transfers wurde Stillschweigen vereinbart, was auf mich eine unglaubliche Professionalität ausstrahlt. Wenn man sich den Kader für die neue Saison ansieht und dabei den Blick auf das Alter, den bisherigen Werdegang und das jeweilige Potenzial der einzelnen Spieler richtet, dann kann man wirklich wagen von einem neuen Zeitalter beim 1. FC Köln zu sprechen.
Während quasi die gesamte Bundesliga darum kämpft, die verschiedensten Löcher im Kader zu stopfen, ist die Geißbock-Truppe bereits vollständig. Ach, Jungs, wenn es nach mir geht, dann könnte es gerne einfach jetzt direkt mit der neuen Saison losgehen!“

Das war die Rudelbildung zur Transferperiode Sommer 2015 (Stand 19.07.2015). Wie ist eure Meinung? Diskutiert unter diesem Artikel oder schickt uns Nachrichten per Mail, Twitter und facebook. Wir freuen uns über jede Beteiligung an der Diskussion.

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