Mit einem 2:2 im Duell gegen den Konzernverein aus Leverkusen wahrt der effzeh seine Chance auf eine Teilnahme an der Europa-League. Der Traum lebt noch, weil Kießling und co. massenweise Gelegenheiten vergaben und teilweise an einem überragenden Timo Horn scheiterten. Unser Nachspiel.

Schon nach der ersten Halbzeit waren viele effzeh-Fans fassungslos. Wie um alles in der Welt konnte die Mannschaft hier eigentlich ohne Gegentor bleiben? Hatte das Team des Autobahnkreuzes nicht die beste Hälfte seit Wochen hingelegt? War der effzeh nicht hoffnungslos unterlegen und in der Defensive meist überfordert? Die Antwort auf alle Fragen lautet: ja. Und trotzdem führte der effzeh mit 1:0 durch einen Treffer von Milos Jojic in der 14. Minute. Dass der Schuss auch noch abgefälscht war, passte ins Bild.

Wie bereits in der Vorwoche gegen Werder Bremen war die Defensive des effzeh enorm anfällig. Im Mittelfeld konnte Bayer sich oft nach Herzenslust durchkombinieren und zu vielen Topchancen gelangen. Die Mannschaft bekam kaum Zugriff auf Julian Brandt, Charles Aranguiz und Kai Havertz, die Stefan Kießling und Javier Hernandez brillante Situationen erspielten. Es zeigte sich erneut, dass der effzeh in der Abwehr mit schnellen Gegenspielern oft vor enorme Probleme gestellt wird. Besonders gravierend sind die Schnelligkeitsdefizite von Neven Subotic.

Horn als Held

Dass es zur Pause 0:1 und nicht 5:1 stand, lag am Unvermögen der Leverkusener Angreifer und an einem überragenden Keeper zwischen den Kölner Pfosten: Timo Horn bewies erneut, warum er als einer der besten Torhüter der Liga bezeichnet wird. Insbesondere den Leverkusener Routinier Stefan Kießling trieb er in die Verzweiflung. Horn, derzeit auch notenbester Torwart im Kicker-Ranking, zeigte eine bärenstarke Leistung, die Bayer Leverkusen um zwei Punkte brachte.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Ein weiterer Lichtblick der letzten Wochen schwang sich zwischenzeitig ebenfalls zum Helden auf: mit einem tollen Solo, viel Willen und ein bisschen Bernd Leno erzielte Rechtsverteidiger Lukas Klünter das 2:0. Bayer war konsterniert, sowohl die Fans als auch die Spieler wussten nicht, wie man nach solchen knapp 50 Minuten mit 0:2 hinten liegen konnte. Wenig später verpasste Leo Bittencourt sogar das 0:3, das vermutlich die Entscheidung bedeutet hätte.

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Wechsel, Umstellung und Gegentore

Kurze Zeit nach der vergebenen Chance zum dritten Tor wechselte Peter Stöger den bis dahin extrem quirligen und aktiven Bittencourt aus, brachte Marco Höger – und stellte das Spielsystem wieder auf ein 5-4-1 um. Auch gestern brachte die Systemumstellung jedoch wieder einen deutlichen Rückgang der Offensivbemühungen mit sich, allerdings keine Stärkung der Defensive. Leverkusen witterte Morgenluft, wechselte einen bärenstarken Kevin Kampl für das zentrale Mittelfeld ein und kam durch Stefan Kießling zum Anschlusstreffer, elf Minuten später glich Joel Pohjanpalo aus. Kurz vor Schluss hatte der effzeh nochmals Glück, dass der eingewechselte Leon Bailey nur den Pfosten traf.

Was nimmt man nun mit aus dem Spiel? Ein 2:2 in Leverkusen ist ein Resultat, das grundsätzlich gut ist. Trotzdem waren viele nach Abpfiff enttäuscht, in erster Linie wegen des Spielverlaufs. Eine 2:0-Führung aus der Hand zu geben tut immer weh, egal, wie abenteuerlich diese zustande gekommen ist. Zumal ein Auswärtssieg angesichts der übrigen Resultate den siebten Tabellenplatz hätte fixieren können.

Gründe zur Sorge vor dem großen Finale gegen Mainz gibt es, trotz der tollen Moral der Mannschaft, einige: abgesehen vom Schlussmann ist von der ehemals bombensicheren Defensive nur noch sehr wenig zu sehen. Gegen Spieler wie Brandt, Havertz oder Wendell haben es die meisten Mannschaften schwer, aber gestern hatten sie so viele Freiräume wie sonst selten. Generell wirkt die Defensive vor allem in der Innenverteidigung oft zu hüftsteif und langsam, um es mit athletischen Gegenspielern aufnehmen zu können.

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Kurz vor dem Finale: Die Mannschaft geht ein wenig am Stock

Schmerzlich bemerkbar macht sich die (verletzungsbedingte?) schwächere Form von Marco Höger, der in der Hinrunde ein Garant für die gute Defensive und Zweikampfstärke im Mittelfeld war. Peter Stögers Feststellung nach dem Heimsieg gegen Bremen, die besagte, dass die Mannschaft „total überlastet“ sei, schien sich in Leverkusen teilweise ebenfalls wieder zu beweisen.

Aber warum soll der effzeh nicht trotzdem gegen Mainz gewinnen, um somit mindestens Platz sieben zu sichern und eventuell noch auf sechs zu springen – sollte Freiburg beim FC Bayern nicht gewinnen? Die Unterstützung in Müngersdorf wird gewaltig sein, die Mannschaft ist moralisch intakt und weiß um ihre Stärken, gerade zuhause. Es gilt, die Nerven zu bewahren und sich positiv auf das Finale zu fokussieren.

Von daher: alle Augen auf Mainz und den nächsten Heimsieg einfahren!

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