Für den 1.FC Köln geht es in den letzten vier Spielen um die Frage, ob dieses Bundesliga-Jahr ein weiterer Schritt auf dem guten eingeschlagenen Weg wird oder ein echter Ausreißer nach oben, voll von Euphorie, der so noch gar nicht geplant war. Borussia Dortmund ist dabei jetzt vielleicht genau der richtige Gegner. 

Eigentlich ist die Sache klar: Wenn der effzeh am Samstagabend die Rückreise aus Dortmund antreten wird, dann werden die Köpfe hängen, die Blicke werden ernst sein. Die Niederlage gegen den BVB dürfte niemanden überraschen. Die Qualität der Dortmunder Spieler steht außer Frage. Sie stellt die der Kölner ohne jeden Zweifel in den Schatten. Zudem hat die Mannschaft nach dem auf sie verübten Anschlag offenbar entschieden, sich von den Erlebnissen nicht negativ beeinflussen zu lassen. Gut so!

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Eine Energieleistung des Kopfes

Unter der Woche stellte der BVB genau das unter Beweis. In München gewann das Team von Trainer Thomas Tuchel das Pokalhalbfinale mit 3:2, nachdem zur Pause noch die ach so großen Bayern mit 2:1 geführt hatten. Eine wahnsinnige Energieleistung, auch gespeist von großen Emotionen. Und genau das könnte die Chance für den 1.FC Köln sein. Dass die Dortmunder nach dem langen Spiel unter der Woche Probleme mit der Fitness haben könnten, ist so kaum zu erwarten. Jedoch muss der effzeh es schaffen, den Dortmundern eine erneute Energieleistung, vor allem im Kopf, abzuverlangen.

Genau das hat auch Cheftrainer Peter Stöger erkannt. Er sagt zwar lediglich, was er immer sagt: „Wir müssen an unsere Leistungsgrenze kommen, damit wir eine Möglichkeit haben, Dortmund ungeschlagen zu verlassen.“ Aber dieser Satz zeigt trotzdem viel. Wie immer glaubt Stöger an seine Mannschaft und daran, dass diese auch den BVB schlagen kann. Und wie immer ist es dabei nötig alles, auf den Platz zu bringen, was man hat. Defensive Stabilität, unbedingten Willen, schnelles Umschalt- und Konterspiel, Emotionalität und Giftigkeit.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Gegen Hoffenheim brillierte Trainer Peter Stöger mit einem neuen Defensivkonzept. Aggressiv wurden die Hoffenheimer Spieler angegangen, zudem stellte man die starken Offensivakteure immer wieder vor schier unlösbare Aufgaben. Hoffenheim vertraute leider bis ganz zum Schluss auf die eigenen Stärken und kam so noch zum Ausgleich. Doch gegen Dortmund muss der 1.FC Köln es erneut versuchen, eine eigentlich überlegene Mannschaft vor solche Denkaufgaben zu stellen, dass in den Köpfen der Dortmunder Spieler eben am Ende die paar Prozent nicht aktiviert werden, die in einem Bundesligaspiel entscheidend sind. Die Mandelentzündung von Yuya Osako macht dieses Vorhaben nicht gerade leichter.

Motivationsprobleme? Tuchels Kampf gegen den Alltag

Trotzdem. Thomas Tuchel versuchte schon im Vorfeld des Aufeinandertreffens in Dortmund alles, um die größtmögliche Leistungsfähigkeit auch aus seinen Spielern herauszukitzeln. „Wir hätten das gerne noch ein paar Tage länger genossen, aber wir erwarten, dass sich die Mannschaft voll darauf einlässt“ – Tuchel spricht über das gerade gewonnene Spiel gegen Bayern München. Und genau da sieht er die Schwierigkeit: Wie sollen seine Spieler nach diesem großen Spiel, nach dieser Wahnsinnsleistung, auch noch nach den vergangenen Wochen einen Gegner ernst nehmen, der seine soeben wiedergefundene Stabilität aus einem 1:1-Unentschieden gegen die TSG Hoffenheim zieht? Auch für die Profis des BVB dürfte klar sein: Köln ist kleiner als Dortmund. Doch genau dagegen kämpft Tuchel verständlicherweise an.

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„Die Liga müssen wir mit aller Sorgfalt und aller Energie weiter annehmen und unsere Grenzen überwinden. Köln ist ein sehr unangenehmer Gegner und wir müssen nochmal alles geben.“ Wenn es nur so einfach wäre. Der Satz zeigt, dass es für die Dortmunder nicht ganz so leicht wird, sich auf giftige Kölner einzulassen. Es ist eben „nur“ der Liga-Alltag und kein Bonusspiel wie das Pokalhalbfinale. Für die effzeh-Profis ist es dagegen tatsächlich wesentlich leichter. Sie spielen gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner, sie sind durch den Schalker Sieg auf Platz neun abgerutscht, nicht mehr auf dem direkten Weg nach Europa, sie spielen auswärts gegen eine der heimstärksten Teams der Liga. Ein aussichtsloses Unterfangen also. Na dann, los!

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