Endlich geht es wieder los: Für den 1. FC Köln heißt die erste Pflichtaufgabe im Pokal Leher TS. In Bremerhaven soll Schwung genommen werden für die Saison.

Früher war alles anders. Früher, das bedeutet für mich: Vor meiner Zeit, vor der Bürde der späten Geburt. In diesem ominösen Früher galt der 1. FC Köln als Pokalmannschaft. Kam stets weit, spielte im Finale um den Pott und gewann ihn sogar. Doch dann riss diese Tradition beim effzeh recht unvermittelt ab. Manch einer behauptet, es läge an dem unverdienten Finalsieg 1983 gegen die Kölner Fortuna im Müngersdorfer Stadion. Andere sagen, es hätte irgendwas mit der Vergabe des Endspiels in das westsibirische Moloch Berlin zu tun. Vielleicht ist aber auch einfach der sportliche Niedergang unseres einst feinen Vereins dafür verantwortlich gewesen.

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Vor jeder Saison fiebert der gemeine effzeh-Fan der Rückkehr zu den alten Pokal-Wurzeln entgegen, doch die große Zeiten liegen lange zurück: 1991 waren die „Geißböcke“ zuletzt im Finale und verloren dort im Elfmeterschießen gegen Werder Bremen. Vom Endspiel träumen durften die Kölner Anhänger zuletzt 2002, als im in der Vorschlussrunde in Leverkusen nach Verlängerung Endstation. Die Runde der letzten Acht erreichte der effzeh 2010 zum vorerst letzten Mal, über das damalige Ausscheiden hüllen wir auf Anraten unserer Ärzte weiterhin das Schweigen. Nein, eine gute Pokalbilanz sieht anders aus. In den vergangenen fünf Spielzeiten war vier Mal im Achtelfinale Schluss.

Letztes Erstrunden-Aus im Pokal 2007

Das große Aber wurde jedoch schon in Versalien auf die Wand projiziert: Die letzte bittere Erstrundenblamage liegt nun schon zehn Jahre zurück. Es war ein wunderbarer Sommertag – einen dieser Tage, den man besser mit der Freundin im Freibad verbringt. Stattdessen fuhr ich mit vier Kollegen in einem Ford Escort nach Bremen. Platz 11, die Werder-Amateure als Gegner. Schnell führte der effzeh 2:0, ich schrieb nach Hause, es werde ein ruhiger Nachmittag am Bierstand. Ich hatte nicht mit Martin Harnik gerechnet. Seine zwei Treffer brachten den Underdog in die Verlängerung, wo dann Leidenschaft über Lethargie siegte. Der glorreiche 1. FC Köln hatte sich wieder einmal blamiert.

DORTMUND, GERMANY - JUNE 11: Reinhard Grindel, DFB president presents the match between Leher TS and 1. FC Koeln during the DFB Cup Draw at Deutsches Fussballmuseum on June 11, 2017 in Dortmund, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

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Es wirkt schon wie aus einer anderen Zeit, denn danach war der für seine Wankelmütigkeit bekannte effzeh in der 1. Pokalrunde ein Muster an Beständigkeit. Keine Spur von Blamagen in Beckum, Magdeburg oder Offenbach. Kein Stolpern in Pirmasens, Meuselwitz oder Emden. Nun also in Bremerhaven gegen die Leher TS. Ein Gegner, prädestiniert für die Rolle als Underdog. Bremen-Ligist, das heißt fünftklassig. Alles völlig unbekannte Amateure (hier bitte Rolf Töpperwiens Aufzählung der Berufe denken!), zweimal die Woche Training. Nach dem Sieg im Landespokal ging es für das Team nach Köln (ausgerechnet!), am Wochenende der Auslosung. Die Geschichten schreiben sich quasi von alleine.

Restnervosität trotz bekannter Stärken

Stop: Eine Geschichte schreibt sich hier bitte nicht von alleine. Die Geschichte einer weiteren effzeh-Pokalblamage. Wir sind schließlich immer noch aus Köln – zehn ist für uns kein Jubiläum, elf wäre eins. Also alles darauf setzen, dass wir auch im zehnten Anlauf den Einzug in die zweite Runde schaffen werden. Die Favoritenrolle annehmen, möglichst früh in Führung gehen, einen entspannten Nachmittag im hohen Norden verbringen. Das hört sich verlockend an.

„Wer uns kennt, der weiß, dass wir solche Aufgaben immer sehr, sehr konzentriert angegangen sind“, betont effzeh-Erfolgscoach Peter Stöger. Ja, wissen wir. Doch wir kennen es auch anders – vielleicht kommt daher die kleine Restnervosität. Vielleicht auch durch das Fehlen von Yuya Osako, Jhon Cordobas Hüftblessur. Vielleicht durch die eher durchschnittlichen Testspiel-Auftritte. Vielleicht auch einfach ein grundlegendes Misstrauen, Aufgaben zu einfach auf die leichte Schulter zu nehmen.

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Die Auftakthürde Richtung Berlin ist eine vermeintlich kleine, doch schon so mancher ist bei seinem ersten Schritt über seine eigenen Beine gefallen. Also: Kontrolliert, ob die Schnürsenkel nicht zusammengebunden sind. Schmeißt Euch in Schale für den ersten Tanz der Saison. Macht Euch bereit zum Jubeln, Meckern, Leiden, Schreien, Feiern. Wir sind es – wir sind heiß wie jede Saison. Lasst es uns tun!

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