Statt Malaga oder Genua doch der 1. FC Köln: Im Rennen um Jorge Meré siegte am Ende der effzeh. Wir sprechen mit einem Scouting-Experten über den Transfer.

„Just do it“: Die Aufschrift des T-Shirts, das Jorge Meré bei seiner Ankunft am Geißbockheim trug, schien für den talentierten Spanier Programm zu sein. Statt innerhalb Spaniens zum FC Malaga zu wechseln, entschied sich der 20-jährige Innenverteidiger für einen Sprung ins kalte Wasser und eine Zukunft beim 1. FC Köln. Doch welchen Spieler dürfen wir hinter den Lobeshymnen rund um den effzeh-Transfercoup erwarten? Wir sprachen mit Scouting-Experte Joe Donnohue, der für Scouted Football den spanischen U21-Nationalspieler intensiv beobachtete, über die Stärken und Schwächen des Neuzugangs.

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Wir haben den hoch eingeschätzten Youngster Jorge Meré verpflichtet, obwohl er auch in Spanien und im Ausland umworben war. Ist das ein Transfer, auf den wir in Köln stolz sein können?

Das könnt ihr definitiv sein. Meré war in der vergangenen Saison trotz des Abstiegs der herausragende Spieler bei Sporting Gijon und sicherlich ihr größtes Talent. Ich hätte gedacht, dass er innerhalb Spaniens wechselt. Der Transfer zum 1. FC Köln ist schon überraschend, aber es ist ein sinnvoller Schritt für Spieler und Klub. Meré kann sich in Köln in der Europa League beweisen, was für ihn die nächste Stufe ist. Der effzeh bekommt einen Verteidiger mit riesigem Potenzial, der sich auch in Spaniens U21 beispielsweise bei der EM, wo er mit dem Team ins Finale einzog, schon auf hohem Niveau bewiesen hat.

Der Transfer zum 1. FC Köln ist schon überraschend, aber es ist ein sinnvoller Schritt für Spieler und Klub. Meré kann sich in Köln in der Europa League beweisen, was für ihn die nächste Stufe ist. Der effzeh bekommt einen Verteidiger mit riesigem Potenzial, der sich auch in Spaniens U21 schon auf hohem Niveau bewiesen hat.

Du hast Meré mehrmals beobachtet. Konnte er dich in seinen Einsätzen beeindrucken?

Auf jeden Fall. Wie er Stürmer, die um einiges älter und erfahrener sind, dominiert hat, zeigte, dass er trotz großem Druck keine Angst hat. Das dürfte Meré in der Bundesliga helfen, wo abgezockte und körperlich starke Angreifer auf ihn warten. Dazu ist sein Timing bei der Grätsche und im Kopfballduell beeindruckend. Verteidiger sind darauf im höchsten Maße angewiesen und Meré zeigt seinem Alter zum Trotz bereits brillante Fähigkeiten. Er ist aber sicher noch kein fertiger Abwehrspieler, der am Ende der anstehenden Saison schon Ehrungen entgegennehmen wird. Er hat großes Potenzial – und eine entsprechende Entwicklung vorausgesetzt, dürfte er in Zukunft zu einem wichtigen Spieler für den effzeh werden.

KRAKOW, POLAND - JUNE 30: Serge Gnabry of Germany gets away from Jorge Mere of Spain during the UEFA European Under-21 Championship Final between Germany and Spain at Krakow Stadium on June 30, 2017 in Krakow, Poland.

Foto: Nils Petter Nilsson/Ombrello/Getty Images

Du hattest Meré in deinem Scoutingbericht als stark im Zweikampf, aber mit Schwächen im Spielaufbau beschrieben. Glaubst du, er kann in der Defensive dennoch die Rolle des Ballverteilers übernehmen?

Jorge ist wahrlich stark im direkten Duell, doch mit dem Ball am Fuß ist er aktuell noch nicht auf diesem Niveau. Wird er häufiger in dieser Rolle gefordert, kann er sich entsprechend weiterentwickeln und zur Stütze im Spielaufbau werden. Als junger Spieler hat er noch nicht oft die Verantwortung dafür übernommen, aber mit seinen 20 Jahren hat Meré noch viel Zeit, seine Fähigkeiten mit dem Ball zu verbessern und seinen Stil diesbezüglich zu erweitern.

Ich denke sogar, dass er sehr gut in einer Dreierkette passen könnte. Ein bisschen Arbeit wartet sicherlich auf Stöger und sein Trainerteam, doch die Fähigkeiten für diese Position hat der Spanier auf jeden Fall. Es wäre gut, wenn die anderen Verteidiger gerade Stärken im Spielaufbau hätten, dafür übernimmt Meré die Drecksarbeit in der Defensive mit Freuden.

effzeh-Coach Peter Stöger setzte in der vergangenen Saison häufiger auf eine Dreierkette. Ist das etwas, das Jorge Meré liegen könnte?

Ich denke sogar, dass er sehr gut in einer Dreierkette passen könnte. Die Aufgaben können dort besser verteilt werden. In Gijon wurde Meré mitunter etwas alleingelassen und machte dadurch den einen oder anderen Fehler. Ein bisschen Arbeit wartet sicherlich auf Stöger und sein Trainerteam, doch die Fähigkeiten für diese Position hat der Spanier auf jeden Fall. Es wäre gut, wenn die anderen Verteidiger gerade Stärken im Spielaufbau hätten, dafür übernimmt Meré die Drecksarbeit in der Defensive mit Freuden.

Wir haben dem Vernehmen nach etwa acht Millionen Euro für Merés Dienste hingeblättert. Ist der spanische Innenverteidiger das denn wert?

Acht Millionen Euro ist ein exzellenter Preis für ihn, wenn man bedenkt, dass seine Ausstiegsklausel vor Gijons Abstieg bei 25 Millionen Euro lag. Für einen 20-Jährigen ist diese Summe kein allzu großes Risiko für einen Verein wie Köln, der auch wieder auf Einnahmen durch das internationale Geschäft bauen kann. Schlägt Meré ein, ist der Transfer ein absolutes Schnäppchen. Enttäuscht er, war es ein nicht allzu teures Experiment, das sich nicht ausgezahlt hat. Als Beispiel: Der AFC Bournemouth hat in diesem Sommer knapp 22 Millionen Euro für Nathan Aké auf den Tisch gelegt, der etwas weniger Erstligaerfahrung sein Eigen nennen kann. Schaut man sich dazu noch die Wahnsinnssummen an, die aktuell auf dem Transfermarkt bezahlt werden, ist die Meré-Ablöse ein toller Deal.

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