Manchmal sind Medien wie kleine Tornados. Aus heiterem Himmel fängt es an zu regnen und dann zu stürmen. Wie die echten Windwirbel, wächst nun auch der Medientornado unaufhaltsam weiter an und nimmt auf, was er zu fassen bekommt. Und am Anfang stand nur eine simple Information: Kevin Pezzoni und der 1. FC Köln lösen den gemeinsamen Arbeitsvertrag einvernehmlich mit sofortiger Wirkung auf. Klingt zunächst nicht so spektakulär, doch diese kleine Pressemitteilung avancierte in der Folge zu einem mittelgroßen Aufruhr in der Fußballszene.

Der Fußball in Geiselhaft (© effzeh.com)

Pezzoni, seines Zeichens bisheriger Stammspieler der laufenden Saison in der Kölner Innenverteidigung, konnte offenbar nicht mehr, oder wollte nicht mehr. Zuvor hatte sich nach einer erneut schwachen Leistung im Auswärtsspiel in Aue bei Facebook eine Gruppe formiert, die sich im wesentlichen damit begnügte Pezzoni aufs übelste zu beleidigen und dazu aufzurufen ihm doch mal „mitzuteilen“, dass er den Verein doch bitte verlassen möge. Im Laufe der Woche lauerten dann fünf Personen dem langjährigen Kölner Spieler vor seiner Wohnung auf, um ihm Gewalt anzudrohen. Für Pezzoni war damit das Maß verständlicherweise voll, er bat beim Verein um die sofortige Vertragsauflösung. Das Management des 1. FC Köln entsprach dieser Bitte. Diese Entscheidung wurde vereinsseitig am letzten Tag der Transferfrist kommentarlos kommuniziert. In der Vorberichterstattung zum abendlichen Heimspiel gegen Energie Cottbus sickerten dann die ersten Hintergrundinformationen durch: Pezzoni sei weggemobbt worden.

Die einzige Lösung

Trainer Holger Stanislawski bestätigte nach der Niederlage, dass Verein und Spieler angesichts der Vorfälle in der letzten Woche keine andere Lösung mehr gesehen hätten, als die sofortige Trennung. Die ersten Boulevard-Artikel wurden fleißig getippt. Die Geschichte wurde gedruckt. Die ersten Akteure der Fußballbranche meldeten sich zu Wort, unter anderem der Dortmunder Cheftrainer Jürgen Klopp, der dem 1. FC Köln attestierte, diese Lösung gewollt zu haben. Auch das wurde geschrieben. Stunden später, nachdem nahezu alle relevanten Massenmedien in ihren Internetauftritten die Geschichte in bester Flüsterpostmanier weiter verbreitet hatten, gab es dann die ersten ausführlichen Statements seitens der Verantwortlichen beim FC. Zuvor wurde bereits ein offener Brief der Profimannschaft veröffentlicht, die sich solidarisch mit Kevin Pezzoni zeigte und Respekt für jeden Kölner Spieler einforderte. Etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. FC-Präsident Werner Spinner erläuterte in der Folge, dass man sich auf den Wunsch Pezzonis hin getrennt habe. Trainer Stanislawski bekräftige unterdessen, dass er Pezzoni rein sportlich gerne gehalten hätte, erklärte aber ebenfalls, dass er es rein menschlich für die beste Lösung gehalten habe, sich zu trennen.

Kevin Pezzoni, der einst aus England als U-Nationalspieler in die Domstadt kam und in rund 80 Spielen mit dem Geißbock auf der Brust in der Bundesliga auflief, hatte schon seit geraumer Zeit einen schweren Stand bei den Anhängern des Vereins. Nach zunächst soliden bis guten Auftritten, die häufig nicht wahrgenommen wurden, da sie mannschaftsdienlich und unauffällig waren, verschlechterte sich die sportliche Position des Defensivspielers kontinuierlich. Pezzoni ist einer der Spieler, die nie auffallen, wenn sie gut spielen, aber immer auffallen, wenn sie schlecht spielen. Und mit jedem gravierenden Fehler des gebürtigen Frankfurters wurde die Stimmung um seine Person negativer.Soweit ist das ein völlig normaler Vorgang, der überall auf der Welt zwischen Profispielern und Fans ihres Vereins so stattfindet. Die meisten Anhänger des Vereins gingen dem zu folge auch davon aus, dass Pezzoni den Verein im Sommer schon verlassen würde.

Doch Pezzoni der einen vorbildlichen Trainingseifer besitzt, konnte das neue Trainerteam von sich überzeugen, blieb in Köln und wurde Stammspieler. Diesmal in der zweiten Liga. Der komplett umgekrempelte und finanziell extrem klamme Traditionsverein startete unglücklich in die neue Spielzeit. Pezzoni, dem eh schon der „Absteiger“-Stempel anhaftete machte bei seinen Auftritten oft keine gute Figur, blieb damit aber absolut nicht der einzige Kölner Spieler. Dennoch eskalierte die Situation und es fühlten sich mal wieder einige dazu berufen den Wolf im Geißbockfell zu mimen. Am Ende steht ein Trümmerfeld, für das sich schwerlich ein einzelner Schuldiger finden lässt.

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Die Suche nach Schuldigen

Eines sei jedoch an dieser Stelle mal klargestellt: Kevin Pezzoni gehört nicht zu den Schuldigen. Dieser Mann ist ein Profifußballspieler, der mit – soweit man das von außen beurteilen kann – bestem Gewissen seinen Job gemacht hat. Der sich in Köln viel anhören musste, der sich immer wieder massivster Kritik sowohl in den Medien, als auch an den Stammtischen ausgesetzt sah und dennoch immer wieder auf den Rasen des Kölner Stadions gegangen ist und gespielt hat, so gut er kann. Und es ist schwerlich vorstellbar, dass diejenigen, die am lautesten über seine Leistungen urteilen, es besser könnten. Es ist schwerlich vorstellbar, das überhaupt jemand nachvollziehen kann, wie es in einem 23-Jährigen Spieler aussehen muss, der einem solchen Druck ausgesetzt ist, sobald er den Platz betritt und dann auch noch das Schicksal hat, auf einer Position zu spielen bei der jeder kleine Fehler ganz schnell fatal endet. Doch wenn Pezzoni nichts dafür kann, wer dann?

Es gibt genug – unter anderem Klopp – die eine Mitschuld beim Verein selbst sehen. Es gibt auch genug, die sagen, dass der Verein niemals den Vertrag hätte auflösen dürfen, da sich somit diejenigen, die Pezzoni auflauerten bestätigt fühlten. Das ist zunächst einmal wahr, denn diejenigen, die das getan haben, dürften ohnehin Schwierigkeiten haben weitergehende Zusammenhänge zu erfassen. Doch die eigentliche Frage, die sich stellt ist, was der 1. FC Köln hätte anders machen können?

Der Verein hätte darauf bestehen können, dass Pezzoni bleibt, weil man diesem Druck nicht nachgeben will – doch Pezzoni wollte das offenbar nicht. Man hätte Pezzoni auch zunächst „krankschreiben“ können, um sich dann später zu trennen. Allerdings wäre die Lösung wohl in einer Farce geendet, sobald die gut informierte Kölner Presse das Spielchen durchschaut hätte. Und das hätte sie. Außerdem erscheint es schwierig darzustellen, dass man einen Spieler gegen seinen Wunsch nötigt beim Verein zu bleiben, damit ebendiesem kein Imageschaden widerfährt.

Schlussendlich scheint es keine andere Möglichkeit gegeben zu haben, als die sofortige Trennung mit der im Endeffekt keiner der Beteiligten glücklich sein dürfte: Der Verein nicht, weil er dargestellt wird, als hätte er sich der Gewalt seiner selbsternannten „Fans“ gebeugt. Und Pezzoni auch nicht, der nun arbeitslos ist und offenbar so sehr den Spaß am Fußball verloren hatte, dass er sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Einzig die paar wenigen, die sich für die auslösenden Aktionen verantwortlich zeichnen, dürften sich aus ihrer beengten subjektiven Perspektive als „Gewinner“ gefühlt haben.

Die „bösen Medien“?

Es gibt allerdings ein Zahnrad in diesem ganzen Geschehen, das profitiert. Jaja, die „bösen Medien“, werden nun einige denken, doch es geht gar nicht darum, ob sie „böse“ sind. Es geht darum, dass ein Journalist zunächst einmal in der Lage sein sollte zu reflektieren. Direkt danach kommt die Fähigkeit zu recherchieren. Doch hier entsteht eine Problematik, die im Geschäft „Medien“ an sich begründet ist. Die meisten Medien, gerade die Boulevardzeitungen, aber auch explizit Internetmedien handeln nach dem Leitsatz „Geschwindigkeit gewinnt“. Die Grundlage dieses Systems bilden Agenturmeldungen und das Abschreiben bei den jeweiligen lokalen Publikationen. Ein schmaler Grat. Denn Zeit zur Gegenprüfung gibt es nicht. Online verdient man mit der fehlerhaften Story, die sofort verfügbar ist mehr, als mit der korrekten Geschichte, die Zeit zur Recherche und Reflektion benötigt. Das Problem ist also „systemimmanent“.

So wehrlos wie der Verein gegenüber dem Umstand ist, dass in seinem Namen solche und andere inakzeptable Aktionen gestartet werden, so wehrlos scheinen „die Medien“ gegenüber sich selbst zu sein. Problematisch ist ihre Rolle dennoch, denn es scheint nicht allzu weit hergeholt, dass sie mit ihrer Berichterstattung über Kevin Pezzoni ihren Teil zur Entstehung dieser Stimmungslage beigetragen haben. Um es klar zu sagen: Die Medien sind nicht Schuld daran, dass Kevin Pezzoni von Idioten bedroht wurde. Aber sie haben eine Verantwortung dafür, dass ein Klima um diese Personalie entstanden ist, das offenbar eine fatale Wirkung auf so manchen gehabt hat.

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Es soll hier nicht darum gehen, den „schwarzen Peter“ zu verteilen, schließlich kann man auch argumentieren, dass der Verein ein besseres Gespür für die Stimmung um Pezzoni hätte haben müssen, und ihm schon im Sommer unter rein sportlichen Aspekten die Trennung hätte nahelegen sollen. Dennoch sollte dieser Fall nicht bloß oberflächlich als Beispiel für die Verrohung der Fußballkultur gesehen werden, sondern auch die Medienschaffenden selbst, sollten sich hinterfragen, ob sie nicht überlegter an ihre Aufgabe herangehen sollten. Auch wenn das unter Umständen einen finanziellen Nachteil bedeutet. Medien haben, auch wenn es keine ausreichenden Beweise dafür gibt, eine Wirkung. Dies sollte man, wenn man etwas veröffentlicht nicht außer Acht lassen. Dennoch lässt sich immer noch kein „Schuldiger“ finden. Und das wird dieser Artikel auch nicht, denn manchmal gibt es den – auch wenn wir ihn so gerne hätten – einfach nicht.

Fußball ist mehr als nur Sport (© effzeh.com)

Doch wenn man sich vor Augen führt, dass offenbar ein Spiel, bei dem 22 Menschen probieren einen Ball in einen rechteckigen Kasten zu befördern, derartige Emotionen, derartige Impulse setzen kann, dass Spieler in Leib und Wohl bedroht werden, dann muss man feststellen, dass der Fußball an sich in eine Geiselhaft gerät. Für Dinge, die er oft nicht beeinflussen kann, die nicht in der Macht derjenigen liegen, die lediglich ihren Job machen. Sei es als Präsident, Manager, Sportdirektor, Trainer oder Spieler. Sei es in Köln, Hamburg, Frankfurt, Dresden oder München.

Fußball als gesellschaftlicher Faktor

Fußball ist schon lang kein bloßer Sport mehr. Fußball ist Weltsprache, Leidenschaft, Hingabe, Fairness, Spaß. Fußball kann so viel Gutes sein. Doch er hat auch seine Schattenseiten. Wenn Fußball zur „Religion“ wird, wenn die Leistungen von Spielern oder Vereinen einen derartigen Einfluss auf einzelne Menschen ausüben, dass sie sich zu kriminellen Handlung genötigt fühlen, dann ist Fußball kein isoliertes System mehr, sondern eine gesellschaftliche Instanz. Und somit auch ein gesellschaftliche Aufgabe, deren Bewältigung man nicht entgegentritt, wenn man den Vereinen den schwarzen Peter zuschiebt.

„Eure Fans, euer Problem, euer Fehler“. Das kann nicht funktionieren, denn dann werden Vereinen, die in erster Linie probieren einen Sport möglichst erfolgreich zu bestreiten, Aufgaben aufgebürdet, die sie schlichtweg nicht erfüllen können. Wenn es in Köln offenbar immer häufiger Leute gibt, deren Seelenheil vom Erfolg des Vereins abhängt, dann ist das ein Umstand, der jeden Sozialpolitiker der Stadt auf den Plan rufen müsste. Doch hier vernimmt man Schweigen. Die Vereine sollen doch bitte eine Prävention finanzieren, die Vereine sollen ihre Fanprojekte unterstützen, die Vereine sollen im Endeffekt die Rechnung für etwas begleichen, das sie nie bestellt haben.

Es ist offenbar an der Zeit, dass sich alle Verantwortlichen in diesem sozialpolitischen Faktor namens Fußball ihrer Rolle bewusst werden. Die „bösen Medien“ genauso wie die Politik, genauso wie die Vereine sich damit auseinandersetzen müssen. Genauso wie diejenigen, die Kevin Pezzoni bedroht haben – so will man es für sie hoffen – irgendwann verstehen werden, was sie dort getan haben. Sie haben nicht nur gegen das Gesetz verstoßen, sie haben vielmehr die Grundwerte des Fußballs, aber auch des Fanseins mit Füßen getreten.

Kritik ist vollkommen in Ordnung, Kritik ist sogar vollkommen nötig. Aber jeder der dieses Trikot für uns trägt, verdient mindestens unseren Respekt. So steht es in der Hymne des Vereins geschrieben. Nur zesamme simmer stark. Wer das missachtet, darf sich nicht Fan des 1. FC Köln nennen.

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13 Kommentare

  1. Also, ganz ehrlich, wenn ich mich nicht mehr negativ oder kritisch über Dinge äußern darf, egal in welchem Kontext, weil ich Angst haben muss, dass meine Äußerung irgendeine aggressive bis hin zu gewaltätigen Auseinandersetzungen führende Folge hat, dann ist für mein Verständnis gesellschaftliches Zusammenleben in der Demokratie nicht mehr möglich. Und was willst du denn tun? Du kannst doch nur die rote Karte vom downloaden, dich immer wieder von Gewalt in welcher Form auch immer distanzieren- wobei es wahrscheinlich da schon anfängt. Ich schimpfe nämlich auch wie ein Rohrspatz auf der Tribüne, über eigene Spieler, über gegnerische Spieler, über den Schiedsrichter, singe die Kölsche Version der Pony-Hymne… ist das auch Gewalt? Oder gehört es irgednwie zu dem Fußball dazu, den ich seit 30 Jahren liebe… zu dieser viel beschworenen Fankultur… Gewalt gehört nicht zum Fußball, niemand muss sich beleidigen lassen geschweige denn körperlich angehen lassen. Wenn ich den Gladbach-Fans in meiner Familie (ja, gibt es leider…) sage, dass ich ihren Verein nicht mag, und ich ihnen (sportlich gesehen) die Pest an den Hals wünsche… bin ich dann für Flaschenwürfe auf Straßenbahnen mit verantworlich? Ich finde nicht. Denn Ich und ich denke wir alle hier können auch mit Ponys ein Bier zusammen trinken und irgendwann die wirklich wichtigen Ding im Leben besprechen, z.B. was unsere Kinder wieder so alles angestellt haben.

    • Genau so sehe ich das auch. Ich frage mich trotzdem. Und ich frage micht, ob ich durch mehr Selbstbeherrschung Typen wie den Benny, der sich bei Domian gemldet hat, von seinen Taten abhalten kann. Vermutlich nicht, denn der ist sich der Tragweite seines Handelns gar nicht bewusst. Das wird niemand ändern können, dass es solche Typen gibt. Niemand.

  2. Ich stelle mir die ganze Zeit die Frage, ob wir nicht auch unseren Teil dazu beitragen. Wir, die friedlichen Fans, die berechtigte Kritik üben, aber damit halt auch die Flamme am brennen halten. Wir, die wir nie jemandem Gewalt androhen würden, aber eben diese Dinge gerne in der Zeitung lesen. Wir, die wir genau wie die Politkker eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft haben und meist stumm dastehen wenn Unrecht passiert.

  3. Wie du schon geschrieben hast:

    „Diese Entscheidung wurde vereinsseitig am letzten Tag der Transferfrist kommentarlos kommuniziert. In der Vorberichterstattung zum abendlichen Heimspiel gegen Energie Cottbus sickerten dann die ersten Hintergrundinformationen durch: Pezzoni sei weggemobbt worden.“

    Das hat der Verein verbockt. Besser wäre es gewesen, gleich mitzuteilen, dass Problem XY vorlag und man gemeinsam mit dem Spieler zum Schluß gekommen ist, den Vertrag aufzulösen. Und wenn man noch mehr Zeit braucht hätte man sagen können. Zu diesem Thema wird es am Tag X eine weitere Erklärung vom Verein geben, wenn man auch von Vereinsseite alle Informationen vorliegen hat. So wie es gelaufen ist, war der Verein immer unter Druck und musste reagieren. Und die Aussage von Spinner zur Klage geht gar nicht, wenn die nicht auch tatsächlich eingereicht wurde!

    Niemand redet von Selbstjustiz (wie du schreibst), sondern es geht um Präventionsmassnahmen. Da muss vom Verein mehr kommen. Letztendlich nehmen sie ja auch das Geld vom Publikum. Dann müssen sie bei Problemen mit der verehrten Anhängerschaft auch bereit sein, Ihren Beitrag zur Prävention zu leisten. Und in der Vergangenheit war das offenbar nicht genug. Die richtige Reihenfolge hier wäre: 1. Der Verein beschliesst Massnahmen ABC. 2. Er bittet DFL, die Stadt etc. dabei um Unterstützung. Alle müssen dazu beitragen, denn, und da stimme ich dir zu, die Verantwortung für die aktuellen Zustände liegt bei mehreren Parteien (u.a. dem Verein).

    Die Verantwortung in erster Linie zur Politik zu schieben hielte ich hingegen für Augenwischerei. Der Stadt und ihren Einwohnern geht es auch nicht schlechter als z.B. denen in Berlin, Bremen, Hamburg, Schalke oder Dortmund. Und mir ist zumindest nicht bekannt, dass man in Köln generell gefährdeter ist als in diesen Städten. Also kann es kein generelles „Kölner“ Problem (im Sinne von „da leben ja eh nur Asis“) sein, dass die schlimmen Vorfälle sich gerade hier häufen. Das Problem liegt schon ursächlich ik Umfeld des Vereins und der Struktur der Anhängerschaft, die sich über die Jahre hier etablieren konnte.

    • themarsvoltaire am

      Die Problematik ist aber, dass Verein rein juristisch kaum handhabe hat. Stadionverbote, Mitgliederausschluss, Strafanzeige, Entziehung des Status als Fanclub – das wars auch schon. Die Prävention findet ja statt, aber über erfolgreich verhindertes Abdriften einiger wird halt nich berichtet. Only bad news are good news. Sicherlich kann man noch mehr machen, allerdings muss da gestattet sein als Verein zu sagen: Wir finanzieren das nicht allein. Und bisher finanziert der Verein das Fanprojekt und die Präventionsarbeit in einem großen Umfang. Nur auf Dinge, die außerhalb seines Wirkungsbereich liegen, kann er schlecht Einfluss nehmen. Ein Verein kann im Grunde nur reagieren, wenn etwas vorgefallen ist. Ich sage lediglich, wenn man die Diskussion führt in dem man auf den Verein oder die Vereine zeigt und sagt: Euer Problem, dann ist niemand geholfen. Denn ein FUSSBALLVerein, kann nicht gleichzeitig auch noch Millionen in Sozialarbeit stecken, das geht einfach nicht. Und wenn es in Köln so ist, dass es immer öfter Übergriffe gibt – auch abseits des Fußballs steigen die Zahlen – dann ist ein politisches Problem. Dann reicht es nicht gar nichts zu sagen, oder wie die Polizeigewerkschaft mit dem Finger auf den Verein zu zeigen. Darum geht es mir. Man sollte begreifen, dass das ein allgemein gesellschaftliches Thema – wie der Fußball selbst auch – ist, und deshalb auch so angegangen werden muss. Wenn die Stadt diese Aufgaben nicht leisten will, dann kann sie gerne auch dem Verein ein Budget zur Verfügung stellen, mit dem der Verein dann verstärkt Prävention finanzieren kann. Ich sehe lediglich nicht ein, dass ein eh schon klammer Verein nun auch noch aus seiner Tasche für die mangelnde Kindserziehung mancher Eltern aufkommen soll.

    • themarsvoltaire am

      Moin Kai,

      mit dem Vergleich hast du recht, aber selbst wenn AC/DC Mitarbeiter angegangen werden, könnte die Band nicht mehr machen, als die Polizei einzuschalten. Alles andere wäre Selbstjustiz und nicht zuträglich. Von daher sind wir uns doch einig, dass Dinge die außerhalb des Stadions geschehen in den Zuständigkeit der ganz normalen Ordnungsbehörden fallen, oder?

      Und klar kann man früher kommunizieren, aber so einfach, wie sich mancher Medienvertreter es macht, ist es auch nicht. Nur weil wenig Infos vorlieren, hat man nicht das Recht sich Dinge auszudenken. Dann muss man als Journalist nachfragen, wenn man keine Antwort bekommt, muss man schreiben, dass man keine Antwort bekommt. Aber wie ich in dem Absatz zu den Medien ja erklärt habe, obliegt auch die Branche einen großen Handlungsdruck. Sobald der erste was schreibt, ziehen erstmal alle nach, obs stimmt wird dann hinterher geklärt. Das ist handwerklich so nicht vorgesehen im Journalismus. Es geht ja auch nicht darum, der Vereine habe nullkommanix falsch gemacht, doch die Suche nach Fehler ausschließlich beim Effzeh, halte ich, wie Horstmann auch, für Heuchelei.

  4. Hi Kai,

    wenn du FC Mitglied bist, dann schau mal in dein Email Postfach. Dort sollte seit gestern Abend 00:31 Uhr eine Email vom Verein zu finden sein. Zumindest ist es so bei mir.
    Dort zeigen sie die Umstände der Causa Pezzoni sehr gut auf.

    Grüße,
    Lukas.

  5. Dein Beispiel ist hier ja nicht ganz zutreffend. In dem Fall müssten die Konzertbesucher ja Angestellte der Band attackieren/bedrohen. Und ich bin mir sehr sicher, dass die dann die Sache nicht nur einfach auf sich beruhen lassen. Diesen Eindruck erweckt dummerweise der Verein, der nicht nur etwas unglücklich agierte, als er den Vorfall öffentlich machte (In Köln sollte man inzwischen wissen, dass es sinnvoll ist, gleich die volle Wahrheit zu publizieren. Das hätte in diesem Fall einige Kommunikationsprobleme verhindert.) sondern offensichtlich auch nicht die hier dringend nötige Konsequenz zeigt. Denn Spinner sagt „Leute, die diese Postings gemacht haben, wurden verklagt.“, die Oberstaatsanwaltschaft behauptet jedoch, es liege keine Klage vor. Dadurch präsentiert sich der Verein sehr unglücklich was u.U. dann auch dazu führte, dass spekuliert wurde, er wäre an der Vertragsauflösung interessiert gewesen. Was ich übrigens auch für totalen Humbug halte!

  6. Die Probleme treten im Umfeld des Vereins offen zutage: Anhänger des FC bedrängen einen Spieler des FC. Dann soll der Verein sich auch (gemeinsam mit der DFL) um entsprechende Präventionsmassnahmen kümmern. Wieso sollte der Steuerzahler für aufkommen?

    Und die Tatsache, dass sich die schwerwiegenden Vorfälle in Köln häufen, zeigt, dass nicht nur sportlich, sondern auch im Bereich Fan-Projekte gewaltig viel schief gelaufen ist. Die notwendigen Korrekturen muessen auch in diesem Bereich vom Verein angestossen werden! Hoffentlich gelingt das besser als die zumindest bislang sichtbare Korrektur des sportlichen Niedergangs. Wenn das nämlich so weiter geht, könnte es auch zunehmend schwieriger werden, gute Spieler davon zu überzegen, in dieses Umfeld zu ziehen! Und spätestens dann ist es ein Riesenproblem des Vereins.

    • themarsvoltaire am

      Moin Kai,

      mal zur Klarstellung:

      1. Ein Fußballverein ist nicht dafür verantwortlich, was irgendwelche selbsternannten „Fans“ im Trikot des Vereins anstellen. Punkt. So wie AC/DC nicht dafür verantwortlich ist, wenn AC/DC-Fans nach einem Konzert scheisse bauen. Ist eigentlich ganz simpel, dass soviele Menschen dahingehend offenbar Verständnisprobleme haben erschreckt mich.

      2. Natürlich muss der Steuerzahler dafür aufkommen, denn wer sollte es sonst? Der Steuerzahler kommt auch für die Betreuung von Kriminellen und Jugendlichen die auf die Schiefe Bahn geraten außerhalb des Fußballs auf. Nur weil diese nun Trikots des FCs getragen haben, hat der Verein noch lange keine Verpflichtung hier Prävention zu finanzieren. Das ist Verantwortung der Politik, der sie sich langsam mal stellen sollte.

      3. Um Spielerzugänge würde ich mir keine großen Sorgen machen, genauso wie ich die sportliche Entwicklung bisher begrüße. Was fehlt ist nur das Ergebnis.

      Grüße,
      David

  7. Es folgt ein Kommentar von mir, der nicht direkt ein Kommentar zu diesem Beitrag ist sondern von mir bei Twitter veröffentlicht wurde. Passt als Gedanke aber auch gut hier rein, wie ich finde:

    Während alle auf den #effzeh einhacken, dass man den gewalttätigen Idioten nachgegeben hat, fragt sich einer mal was Pezzoni will?
    Einen Spieler zu instrumentalisieren um gegen Idioten Stellung beziehen ist doch nicht minder verwerflich wie den Fußball und die Vereinsliebe zu instrumentalisieren um Stimmung gegen Einzelne zu machen und Menschen zu bedrohen. Hauptsache irgendwer hat Schuld.

  8. Danke für dieses sehr gelungene Statement.
    Leider hat der Kölner Fan-Mob wiederholt zugeschlagen. Es ist zum kotzen, sorry. Wie bereits in der Diskussion bei spox nach Ende der letzten Saison bleibt es weiter ein gesellschaftliches Thema mit dem Abladen von Frust auf Kosten der „Lieblingsvereine“, die dem aus meiner Sicht fast völlig machtlos ausgesetzt sind. Ursachenforschung betreiben leider nur Menschen, denen im Sport wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wie geistig minderbemittelt muss man sein, um solch einen Frust auf einen Verein und einen Spieler zu bekommen, um sich so abscheulich zu verhalten? Ich suche meine Erklärungsansätze ja meistens im außersportlichen Bereich, der Fußball dient letztendlich nur als Ventil.
    Wenn man aber sich diese Initiativen anschaut, die damit werben, der „Fußball gehört den Fans“, „alle Spiele Samstag 15:30“, „weg mit den Investoren“, „Stehplätze sind Kultur“, usw. dann frag ich mich echt wohin das alles noch führen muss, damit wir alle mal aufwachen. Wer Fußballfan gleichsetzt mit „alle Macht dem Volk“, der hat es aus meiner Sicht nicht verstanden. Der Fußball darf nicht als rechtsfreier Raum gesehen werden und der gesamte deutsche Fußball darf es nicht zulassen, dass Fangruppierung immer mehr Einfluss nehmen können –> siehe Italien, Argentinien. Wer das noch als cool und richtig ansieht, der hat sie nicht mehr alle. Emotionen im Stadion ja, auch gerne gegen Leistungen einzelner Spieler, aber niemlas gegen den Mensch außerhalb des Stadions.

    Der Hitti