Der europäische Vereinsfußball ist zu einer echten Wirtschaftsmacht geworden, jedes Jahr wird ein neuer Rekord vermeldet – Grund genug für uns, uns das Ganze mal näher anzuschauen. Der erste Teil unserer Serie behandelt die wirtschaftliche Situation des Profifußballs in Deutschland und England.

Citius, altius, fortius – das olympische Motto „Höher, schneller, weiter“ beschreibt den Kapitalismus der Post-Moderne wohl einigermaßen treffend, auch in Bezug auf das Geschäft des Profifußballs. Während das einstige Kulturgut immer mehr zu einer profitorientierten Unterhaltungsindustrie wird, geht der eigentliche Geist des Sports verloren – Schuld ist für viele die Kommerzialisierung. In unserer dreiteiligen Serie „Fußball und Finanzen“ blicken wir auf die Umsatzrekorde der beiden großen europäischen Ligen, die Situation des effzeh und die Zukunft des schönsten Spiels der Welt. Ein bisschen weniger Profitorientierung würde dem Profifußball gewiss nicht schaden – aber lest selbst! 

Hier geht es zum zweiten Teil unserer Serie zu Fußball und Finanzen

Die Saison im europäischen Vereinsfußball ist vorbei und nun ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen – wie hat die eigene Mannschaft abgeschnitten? Welche Dinge liefen gut, welche Dinge liefen eher schlecht? Wo besteht Verbesserungsbedarf? Der ein oder andere Vereine (we are looking at you, FC Schalke 04!) kam bei der Analyse des sportlichen Ist-Zustands nicht umhin, entscheidendes Personal von seinen Aufgaben zu entbinden und neue, frische Kräfte an Bord zu holen.

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Bei allen Vereinen werden im Hintergrund auch fleißig Gespräche geführt mit Spielern, die eventuell ab Juli in einem neuen Arbeitsverhältnis stehen könnten. Neben dem Fokus auf die sportliche Weiterentwicklung ist für die Vereine und Kapitalgesellschaften der Fußball-Bundesliga aber auch eine weitere Sache von Interesse: Mit dem Abschluss der Fußballsaison geht auch der Abschluss des Geschäftsjahres 2016/2017 einher. In den Wirtschafts-Abteilungen der Bundesligisten wird dementsprechend momentan eifrig gerechnet. Wie viel Umsatz gab es zu verzeichnen? Wie war das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben? Wie steht’s um das Eigenkapital, wie um die Schulden?

DFL-Report fasst wirtschaftliche Kennzahlen der Bundesliga zusammen

Die 36 Profi-Vereine, die zur DFL gehören, reichen ihre gesamten Berechnungen dann an die Dachorganisation weiter, die diese jährlich in ihrem Report zusammenträgt und veröffentlicht. Der letzte DFL-Report erschien im Januar 2017 und fasste zusammen, wie die 36 Vereine im Geschäftsjahr 2015/2016 abgeschnitten hatten. Mit dem nächsten DFL-Report, der dann die Zahlen des Geschäftsjahres 2016/2017 aufbereitet, ist ebenfalls Anfang des kommenden Jahres zu rechnen.

Foto: Thomas Lohnes/Bongarts/Getty Images

Wirft man einen Blick in die jüngste Veröffentlichung, findet man in erster Linie jede Menge Superlative. Die Bundesliga verzeichnete in der Saison 2015/2016 den zwölften Umsatzrekord in Folge: Der Gesamterlös lag bei 3,24 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2014/2015 wurde eine Steigerung um 622 Millionen Euro (23,7 Prozent) erreicht.

Somit wurde erstmals die Drei-Milliarden-Euro-Marke überschritten, was DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in seinem Vorwort natürlich froh stimmt. „Diese und viele weitere Zahlen belegen (…) die sehr guten Voraussetzungen für die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga. Darüber hinaus dokumentieren sie aber auch, welch hohes Gut der deutsche Profifußball darstellt – und damit, welche außergewöhnlichen Chancen diese gesunde Basis bietet, wenn das wertvolle Gut entsprechend gepflegt wird, um die künftigen Chancen gut zu nutzen“.

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„Sehr gute Voraussetzungen“ für die 36 Vereine der Bundesliga

Diese „sehr guten Voraussetzungen“ manifestieren sich wie folgt: 13 der 18 Vereine der Bundesliga haben im Geschäftsjahr 2015/2016 die 100-Millionen-Euro-Marke geknackt, was den Umsatz anbetrifft. Im Vergleich zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, das zwischen 2011 und 2015 um insgesamt 12 Prozent gestiegen ist, stürmt die Bundesliga quasi davon: Jedes Jahr wird ein deutlich zweistelliges prozentuales Wachstum erreicht.

Weiterhin lässt sich in der Bundesliga ein weithin ausbalanciertes Verhältnis der Einnahmequellen feststellen: Der größte Anteil der Einnahmen basiert auf der medialen Verwertung, danach kommen Werbung und Erlöse aus den Spieltagen. Transfers, Merchandising und Sonstiges komplettieren die Bereiche, in denen die Bundesligisten seit Jahr und Tag Millionen einnehmen. Im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ligen schreiben die Bundesligisten ausnahmslos schwarze Zahlen, wenn man sich auf das EBITDA-Ergebnis bezieht, was die operative Leistungsfähigkeit von Unternehmen vor dem Investitionsaufwand (Zinsen, Steuern, Abschreibungen) beschreibt.

Auf der nächsten Seite: Die Internationalisierung der Bundesliga.

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