© effzeh.com

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Beim Pokalspiel des 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart soll es am Mittwochabend nach Angaben von Fangruppierungen zu unangekündigten Ganzkörperkontrollen und Busdurchsuchungen durch die Polizei gekommen sein. Eine Woche nach der Verabschiedung des DFL-Papiers „Sicheres Stadionerlebnis“ scheint sich die angespannte Situation weiter zu verschlimmern.

Nach Informationen von effzeh.com  soll nach der Ankunft am Spielort der Bus der Fangruppe Rut Wiess Colonia von der Polizei empfangen und jeder Insasse einzeln von der Polizei hinausbegleitet und abgetastet worden sein. Im Anschluss sollen Augenzeugenberichten zufolge die Personalien der Fans aufgenommen und Fotos von ihnen gemacht worden sein, auf denen sie ein Schild mit ihrer Sitzreihe im Bus hochhalten mussten.

Symbolbild   © effzeh.com

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In einem Raum im Stadion soll die Prozedur nach Angaben der Beteiligten für sämtliche Businsassen, darunter der 63-jährige Reiseleiter, weitergegangen sein. „Nach und nach wurden immer zwei Mann mit in einen Raum genommen und man musste sich bei offener Tür komplett entkleiden“, beschrieb ein Fan die Situation. Erst nach einer dritten Kontrolle am Gästeblock hätten die mitgereisten Fans endlich das Stadion betreten dürfen.

Während der Polizeiaktion, die insgesamt knapp zwei Stunden gedauert haben soll, sollen die Fans durchgehend von mehreren Beamten bewacht worden sein. „Das einzige Mädchen an Bord wurde über die komplette Spiellänge in der Zelle festgehalten. Mit Hand- und Fussfesseln, deren Striemen noch bis zur Ankunft in Köln um vier Uhr morgens deutlich zu erkennen waren“, erklärte ein mitgereister Fan gegenüber effzeh.com.

Busdurchsuchung während des Spiels

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Auch nach dem Spiel, das der 1. FC Köln mit 2:1 verlor, soll eine unangenehme Überraschung auf die Fans gewartet haben: der Bus war nach Angaben der Beteiligten während des Spiels durchsucht worden. Dabei sollen unter anderem die Taschen und Rucksäcke der Fans im Gang ausgeschüttet worden sein. Der Busfahrer durfte der Durchsuchung Fanangaben zufolge nicht beiwohnen.

„In zwanzig Jahren Fußballfahrten habe ich so etwas noch nicht erlebt. Offenbar setzt man trotz Sicherheitspapier auf Kollektivstrafen“, zeigte sich der Sprecher eines großen Fanclubs schockiert, der selbst unter den Betroffenen war. „Mit Fußball hat das relativ wenig zu tun.“

Die betroffenen Fans stehen nun in Kontakt mit beiden Vereinen und deren Verantwortlichen, um die Situation zu klären. Verstehen können sie den Einsatz nicht. Es steht jedoch zu Befürchten, dass sich die Hardliner unter den Gegnern des in der letzten Woche veröffentlichten Sicherheitspapiers durch solche Vorfälle in ihrer radikalen Ablehnung bestätigt sehen.

effzeh.com – Kommentar: „Kein Beschluss gegen die Fans?“

UPDATE: Grund für die Maßnahmen der Polizei soll ein auf einem Rastplatz gezündeter Feuerwerkskörper gewesen sein. Scheinbar standen die Insassen des Busses unter Verdacht, den Feuerwerkskörper gezündet zu haben.

Ankunft in Stuttgart.© effzeh.com

Ankunft in Stuttgart.
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3 Kommentare

  1. Ganz egal ob es Dialoge gibt oder nicht, gegen diese Aktion muss zwingend geklagt werden, eine Verhältnismäßigkeit ist absolut nicht gegeben. Ein Feuerwerkskörper ist eine Ordnungswidrigkeit!

  2. Ich hoffe, daß ihr gegen das Vorgehen der Polizei klagen werdet. Zu diesem Thema ist bereits ein Urteil durch das OVG Saarlouis unter Az. 3 R 9/06 ergangen. Nur mittels Klagen und entsprechender Urteile kann nämlich diesen Polizisten die rechtstaatlichen Zügel angelegt werden.