Seit gefühlten Ewigkeiten wabert das Thema „Geißbockheimausbau“ nun schon durch die Stadt. Passiert ist bis heute nicht viel. Nicht dass man schnelle und pragmatische Lösungen von der Kölner Politik gewohnt wäre, dennoch entwickelt sich die Debatte um die Erweiterung des wohl alt-ehrwürdigsten Club-Geländes in ganz Deutschland immer mehr zur Hängepartie. Die Gründe dafür sind vermutlich hauptsächlich in parteipolitischen Spielchen zu finden. Denn keine Frage: In einer Demokratie muss natürlich auch ein Bauvorhaben, das der Stadt auf den ersten Blick nutzen würde, geprüft werden. Vor- und Nachteile sollen und müssen abgewogen werden – da dürften sich auch alle einig sein. Doch dieser Prozess pervertiert gerade zusehends in eine merkwürdige Schlacht um „den Grüngürtel“.

Ganz vorne mit dabei? Die Kölner „Grünen“, die derzeit alles tun, um das neue Geißbockheim, so wie es vom 1. FC Köln geplant ist, zu verhindern. Dass die Fraktion kürzlich die Abstimmung im Stadtrat vertagen ließ, ist dabei nur ein Aspekt. Den Höhepunkt des Theaters erreichte die Partei, die nach dem erreichten Atomausstieg bundesweit noch immer nach ihrer Ausrichtung zu suchen scheint, nun nämlich nach der Partie des 1. FC Köln gegen den FC Augsburg.

„Grüngürtel mit FC oder mit Gürteln auf Grüne“

© effzeh.com

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„Grüngürtel mit FC oder mit Gürteln auf Grüne“, stand auf einem Spruchband, das die Ultra-Gruppe „Coloniacs“ am Samstag im Stadion zeigte. Ein mehr oder weniger kreatives Wortspiel garniert mit einem Zwinker-Smiley – das sollte doch für jedermann als provokante Meinungsäußerung erkennbar sein. Aber nicht so für die „Grünen“.

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„Die FC-Führung steht jetzt erst recht in der Verantwortung, Aufrufe von organisierten FC-Fans zur Gewalt gegen Grüngürtelschützer oder Parteimitglieder der Grünen zu unterbinden“, erklärte prompt Fraktionsgeschäftsführer Jörg Frank gegenüber dem „Express“ und legte sogar noch nach. „Es ist völlig indiskutabel, den Konflikt um den Äußeren Grüngürtel mit Gewaltparolen anzuheizen“, schließlich werde diese Frage „völlig demokratisch“ im Stadtentwicklungsausschuss entschieden.

Bedenklicher Populismus

Soweit ist es also schon gekommen, dass Grüne offenbar nicht einmal mehr merken, wenn sie wie spießige CSU-Politiker daher reden. Dass Franks Worte angesichts der pointierten Provokation völlig über das Ziel hinausschießen, erweckt einen peinlichen Eindruck von der Partei, die im Karneval seinerzeit noch mit einer Zeichnung vom abgelehnten „Charlie-Hebdo-Wagen“ für die Meinungsfreiheit eintrat, der aber nun ein derber Spruch schon zu viel zu sein scheint. Vielleicht ja, weil er sich gegen sie richtet? Aber das wäre ja dann Heuchelei.

Noch bedenklicher als das spießige Getöse um das Banner ist aber der Populismus, der bei den „Grünen“ zuletzt Einzug gehalten hat. Für die Partei geht es nämlich um „Grüngürtelschützer“ und den „Konflikt um den Äußeren Grüngürtel“. Tatsächlich geht es aber lediglich um eine kaum genutzte Hundewiese, die nicht einmal 0,4 Prozent des gesamten Areals beansprucht. Oder anders ausgedrückt: Dem 1. FC Köln geht es um einen winzigen Teil des Grüngürtels.

In die Jahre gekommen: Die Plätze am Geißbockheim | Foto: effzeh.com

In die Jahre gekommen: Die Plätze am Geißbockheim | Foto: effzeh.com

„Spruch mit Augenzwinkern“

Die Kommunikation der Bürgerinitiative – angefangen beim Namen – „Rettet den Grüngürtel“ (Facebook) bzw. „Grüngürtel für alle“ vermittelt aber stets den Eindruck, das gesamte Grünsystem sei durch den 1. FC Köln gefährdet. Dem ist natürlich nicht so. Dennoch hat man bei der Errichtung eines Straßenbahn-Depots für die KVB in Weidenpesch oder anderen Bauprojekten, die für den Grüngürtel relevant sind, keinen so laut trommeln hören, wie nun bei der Diskussion um das Geißbockheim. Weder die Bürgerinitiative, noch die Grünen, die sich nun offenbar gänzlich zum Trittbrettfahrer dieses Populismus machen.

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„Es ist ein Wortspiel, beim besten Willen kein Aufruf zur Gewalt“, erklärte ein Coloniacs-Mitglied sicherheitshalber noch einmal im Express. „Bei uns gibt es auch Grünen-Wähler, die sehr bestürzt sind, dass sich gerade die Grünen an die Spitze eines Wutbürgertums setzen“, heißt es weiter von Eike Wohlgemuth. Schließlich sei es „ein Spruch mit sehr großem Augenzwinkern“.

Die versöhnlichen Worte finden bei den Grünen natürlich kein Gehör: „Ich erwarte vom FC ein klares Bekenntnis zu Demokratie, Gewaltfreiheit und rechtsstaatlichem Verhalten“, erklärte Frank. Der Smiley ändere gar nichts ließ er den „Express“ außerdem trotzig wissen. Das könnte ein Irrtum sein – die nächsten Kommunalwahlen werden schließlich kommen. Und ob „Grüngürtelschützer“ oder FC-Fans an den Urnen dann den Unterschied machen, wird sich zeigen.

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