Der Kölner Aufschwung hat viele Gesichter – einige davon werden allerdings zu selten besungen. Das Spiel gegen Wolfsburg zeigte die besondere Bedeutung von unbesungenen Helden wie Kessler, Sörensen, Olkowski und Rausch. Unsere Nachbetrachtung.

Nein, es war sicherlich kein Spektakel, was der 1. FC Köln am vergangenen Samstag gegen den VfL Wolfsburg gezeigt hat. Und dennoch: Die Entwicklung des neuen effzeh weist nun auch Spiele wie dieses auf, in dem man lange den nötigen Punch vermisst, aber letztendlich doch gewinnt. Dass man gegen eine mit überragender individueller Qualität ausgestatteten Mannschaft kaum Torchancen zulässt, ist erst einmal Auszeichnung genug. Hinzu kommt, dass eine Mannschaft vom Kaliber des VfL Wolfsburg, die nach dem Pokalsieg 2015 als so etwas wie die „neue zweite Kraft“ im deutschen Fußball galt, beim Auswärtsspiel in Köln jede Menge Respekt mitbringt und sich auf die Arbeit gegen den Ball beschränkt.

In den vorhergehenden Saisons hätte der effzeh ein solches Spiel wahrscheinlich auch nicht gewonnen. Im ersten Jahr nach dem Aufstieg hätte man wohl spät mit 0:1 verloren, ein Jahr später eher das 0:0 gehalten. Wohl auch mit genügend Rückenwind nach dem 6:1-Auswärtserfolg in Darmstadt ausgestattet hatte die Mannschaft aber dennoch den Mut, bis zum Ende an den Sieg zu glauben. Dafür musste letztlich ein beherzter Fernschuss von Salih Özcan herhalten, der Modeste in die Position brachte, um von Benaglio gefoult zu werden. Den anschließenden Elfmeter verwandelte Modeste ohne Skrupel und in dem Wissen, dass alles, was er momentan anfasst, irgendwie funktioniert.

Rauschs Sprint als emotionalisierender Moment

Nationalspieler Jonas Hector sah ebenfalls einen „Arbeitssieg“, den sich der effzeh erkämpft habe. „In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt und hätten eventuell schon in Führung gehen müssen. Nach der Pause war es schwerer, wir haben die Bälle zu leicht verloren und Wolfsburg hat gut aufgespielt. Defensiv haben wir aber alles gut gelöst“. Wie es dann eben so oft sei, habe eine Standardsituation das Spiel entschieden. Thomas Kessler lobte die „Moral der Truppe, die von Anfang bis Ende für den Sieg gefightet“ habe. Der Keeper hatte insgesamt nicht viel zu tun, war aber da, als er von Arnolds Fernschuss gefordert wurde.

Foto: Mika Volkmann/Bongarts/Getty Images

Dass es in einem solchen engen Spiel auch Momente bedarf, um die Zuschauer zu emotionalisieren und somit vielleicht ein paar Prozentpunkte mehr Leistung herauszukitzeln, stellte Konstantin Rausch unter Beweis. In der ersten Halbzeit erlief er einen eigentlich aussichtslos erscheinenden Ball, wurde von Bruma gefoult – und sorgte damit für eine emotionale Reaktion auf den Rängen, die diesen Einsatz goutierten.

Rausch zeigt seit Rückrundenbeginn eine ansteigende Form, sein Trainer Stöger freut sich darüber, dass der Linksfuß mittlerweile „mehr von dem ins Spiel einbringt, was wir verlangen“. Gegen Wolfsburg gewann Rausch 69 Prozent seiner Zweikämpfe, seine Passquote war mit 80 Prozent ebenfalls gut. Dazu gab er drei Torschussvorlagen ab und traf mit einer lang gezogenen Ecke die Latte. Mit 76 Ballkontakten hatte er die meisten beim effzeh. „Wir waren ganz gut im Spiel, aber wir brauchten eine Aktion, um uns und die Zuschauer zu pushen“, sagte Rausch nach dem Spiel bei FC-TV. Eine Kleinigkeit wie diese zeigt, dass man sich um den mentalen Zustand der Mannschaft keine Sorgen machen muss.

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Olkowskis Block als match-winning move

Rausch war also ein wenig der unsung hero im Spiel gegen Wolfsburg. Doch auch andere Spieler müssen gelobt werden: Pawel Olkowskis Rettungsaktion in der Schlussphase, erneut gegen einen Schuss von Maxi Arnold, brachte vor allem seinen Keeper ins Schwärmen. „Wir reden häufig über unsere Stürmer, aber diese Aktion war genauso wichtig wie ein Tor. Die Arbeit der Jungs in der Abwehr muss auch gelobt werden“, befindet Kessler zurecht. Dass sich Olkowski mit voller Hingabe in einen glasharten Schuss warf, um ein mögliches Tor zu verhindern, war dementsprechend ebenso ein match-winning move. Erfreulich ist ebenso, dass die Formkurve des Polen weiterhin ansteigt. Seit seinem ersten Einsatz von Beginn an in dieser Saison am 14. Spieltag gegen den BVB bringt Olkowski genau die Elemente ein, die man von einem Rechtsverteidiger verlangt: Raumbeherrschung in der Defensive durch Zweikämpfe, Spieleröffnung in der Offensive durch gute Pässe nach vorne.

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Sörensen: Danish Zuverlässigkeit

Über eine zentrale Säule der Kölner Leistungsexplosion in dieser Saison haben wir an dieser Stelle noch gar nicht gesprochen: Frederik Sörensen zeigte in Zusammenarbeit mit Dominique Heintz, dass auch ein außerordentlicher Stürmer wie Mario Gomez gegen den effzeh nicht zu Abschlüssen kommt. Der Däne überzeugte dabei sowohl in der Luft als auch am Boden, seine Zweikampfbilanz von 80 Prozent spricht Bände. Darüber hinaus spielte er an der ersten Pressinglinie der Wolfsburger viele wertvolle Pässe vorbei ins Kölner Mittelfeld. Wir sind dabei, die Entwicklung eines bestens ausgebildeten und charakterlich über jeden Zweifel erhabenen Verteidigers zu verfolgen, der mit dieser Konstanz zu einem ganz wichtigen Faktor werden kann. Nach seiner Ankunft in seinem Zuhause soll Sörensen sogar Mario Gomez aus seiner Sporttasche ausgepackt haben.

Der Chef der Kölner Bande, Österreichs bestes Export-Produkt Peter Stöger, war nach dem Spiel gegenüber FC-TV natürlich happy: „Wir haben viel unternommen, um das Spiel zu gewinnen. Wolfsburg hat eine Mannschaft mit außergewöhnlichem Potenzial, deswegen haben wir uns heute Respekt verdient“. Respekt allemal, das lässt sich nach bis dato besten effzeh-Saison seit 27 nicht genug betonen. Und doch: Die Erwartungshaltung steigt mit jedem Spiel. Wir sollten allerdings tunlichst dafür sorgen, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Bodenständige Typen wie Kess, Sörensen, Olkowski und Rausch tun dabei einfach gut.

 

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