Peter Stöger schickt im Pokal den zweiten Anzug aufs Feld und zahlt Lehrgeld. Das Pokal-Aus ist ärgerlich, aber kein Drama. Auch, weil es die Erkenntnis liefert, dass der effzeh noch nicht im Stile einer Spitzenmannschaft agieren kann und Demut, die es hinsichtlich des Ligaendspurtes wohl braucht, angebracht ist.

Noch ist das Ziel Europacup beim effzeh zumindest nicht „hochoffiziell“ ausgerufen. Doch kann man einem Sieg wie dem gegen Wolfsburg, in einem Spiel, das der effzeh der vergangenen zehn Jahre ganz sicher nicht gewonnen hätte, unter anderem den Eindruck abgewinnen, dass da ein Kölner Team auf dem Platz steht, das auch mal eine nicht perfekte Leistung in einen, wenn auch glücklichen, Sieg ummünzen kann. Kennt man von den Münchner Bayern.

Von denen kennt man allerdings auch etwas, das dem effzeh noch klar abgeht: Mal mit 95 Prozent Einsatz und einer sogenannten 1b-Elf einen Pflichtsieg einfahren, zum Beispiel im DFB-Pokal. Ob nun ein Testlauf in diese Richtung wirklich der Plan von Peter Stöger war, als er beim zuvor bereits drei Spiele vor eigenem Publikum ungeschlagenen HSV, eine stark veränderte, man könnte auch sagen 1B-Startelf auf den Rasen im Volkspark-Stadion schickte, darf mit Recht bezweifelt werden. Aber etwas von einem Testballon-Charakter hatte die effzeh-Aufstellung in Hamburg dann irgendwie schon. Stöger rotierte in einer Art und Weise, für die er grundsätzlich überhaupt nicht bekannt ist.

Drei Veränderungen, Automatismen greifen nicht

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Auf insgesamt drei entscheidenden Positionen (Özcan statt Höger, Zoller statt Bittencourt und Rudnevs statt Clemens) hatte Stöger die Startelf am Pokalabend verändert, gerade im Fall des lange verletzten Bittencourt eine absolut nachvollziehbare Entscheidung. Doch und das muss am Ende klar benannt werden entpuppte sich Stögers Schachzug als Fehler. Mangelnde Abstimmung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen wurden durch teils ungewohnte Fehlpässe, zum Beispiel zwischen Özcan und Zoller, deutlich. Fehler im Spielaufbau, Fehlpässe, folgerichtig fiel auch das 1:0 für die Hausherren nach einem Fehler und zwar von Horn-Vertreter Thomas Kessler. Der „kölsche Jung“, bisher ein bärenstarker Rückhalt und ein absolut gleichwertiger Ersatz für Horn, leistete sich einen seltenen Patzer und ermöglichte die Hamburger Führung durch Jung.

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Einzelne, individuelle Fehler, man kann die Aufstellung von Stöger dazu zählen oder auch nicht, führten letztlich zu einer ärgerlichen, weil vermeidbaren Niederlage gegen kampfstarke und effektive Hamburger. Ärgerlich, weil der effzeh mit seiner erfolgreich eingespielten Startelf der letzten Wochen sicher in der Lage gewesen wäre, das Spiel anders und letztlich erfolgreicher zu gestalten. Zu verkraften allerdings unter dem Aspekt, dass die Chance darauf, einen weiteren Schritt in Richtung DFB-Pokalfinale und eine damit verbundene mögliche Aussicht auf Teilnahme in der Europa League zwar vergeben, dieser Weg nach Europa aber spätestens seit dem starken Rückrundenstart des effzeh nicht mehr der anvisierte ist.

Vermeidbar, aber verkraftbar

Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

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Soll es mit einer Qualifikation für Europa tatsächlich etwas werden, muss der Rest der Saison aus effzeh-Sicht hinsichtlich aller Faktoren nah am Optimum laufen. Die Konkurrenz ist stark, die Stöger-Truppe im Bewerberfeld eher der Typus Außenseiter, allerdings einer, der wahr und ernst genommen wird. „Für uns ist vieles nicht zusammen gelaufen“, fasste Stöger nach dem Pokal-Aus von Hamburg zusammen. Zweifel daran, dass der Erfolgscoach genau weiß, was aus effzeh-Sicht alles zusammenlaufen muss, welche Entscheidungen da förderlich sind und welche eher nicht, muss niemand nach der Pleite in Hamburg haben. Für das Erreichen des Maximal-Ziels Europa League kann das Pokal-Aus darüber hinaus noch die allseits bekannte Wirkung des ab sofort gebotenen, alleinigen Fokus auf die Liga mit sich bringen.

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Und will man der Niederlage noch etwas Positives abgewinnen, so bleibt festzuhalten, dass die Hamburg-Pleite jeden auch noch so kleinen Anflug von Selbstzufriedenheit, sollte er denn bei dem einen oder anderen existiert haben, zum richtigen Zeitpunkt im Keim erstickt haben dürfte. Fleiß, mannschaftliche Geschlossenheit, Ehrgeiz, die Bereitschaft, in jedem einzelnen Spiel an die eigene Leistungsgrenze zu gehen und nicht zuletzt die Tugend der Demut sind für den effzeh in den ausstehenden 14 Bundesliga-Partien die entscheidenden Faktoren, um aus einer schon jetzt guten Saison eine sensationell erfolgreiche zu machen. Die dafür jeweils perfekte Startelf muss und wird Peter Stöger im Idealfall noch vierzehnmal finden und auf den Rasen schicken.

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2 Kommentare

  1. Ich finde es nach wie vor richtig, dass Stöger auf Hörer und Bittencourt verzichtet hat. Aufgrund der Vorgeschichte war das Risiko für eine Verletzung zu hoch, also hat er sie geschont. Das ist wichtig. Nicht umsonst steht der Effzeh in der Verletztentabelle hervorragend da. Und das ist die Grundlage für eine gute Performance. Wem nützt ein Viertelfinale welches mit verletzten Leistungsträger erkauft wird?

  2. Bernd Hochstein am

    Ich frage mich warum Maroh nur noch auf der Bank sitzt?
    Er war vor seiner Verletzung eine Bank in der Abwehr.
    Olkowski hatte zwar 1-2 gute Spiele, aber insgesamt war mir Sörensen auf rechts lieber.