Ein Dämpfer für die Europa-Träume des effzeh: Gegen den HSV unterliegt die Mannschaft von Peter Stöger in letzter Minute mit 1:2. Warum man jetzt nicht durchdrehen sollte, Kritik aber dennoch angebracht ist, klärt unser Nachspiel.

Nein, es war nicht unbedingt zu erwarten gewesen, dass der effzeh beim Gastspiel in Hamburg ein Feuerwerk abbrennen würde. Mit Yuya Osako fehlte bekanntlich der wichtigste Zuarbeiter für Anthony Modeste, dessen Tore den effzeh in ungeahnt hohe Sphären hievten. Dabei war vor der Saison eigentlich Marcel Risse als Vorlagengeber Nummer eins erwartet worden, der aber bekanntlich aufgrund einer langen Verletzungspause aus dem Rennen ist. Bitter für ihn, bitter für den effzeh.

Wie dem auch sei: Yuya Osako zeigte sich im Jahr 2017 als einzige Konstante im Offensivspiel des effzeh, nahm Bälle an, verteilte sie – er war unumstritten der Taktgeber in einem ansonsten leicht schwächelnden effzeh-Kollektiv. Dass ein Offensivspieler eine derartige Bedeutung für ein Team haben kann, muss ja nicht zwingend mit Toren zusammenhängen. Natürlich, ohne einen Treffer von Anthony Modeste konnte der effzeh in dieser Saison noch kein Spiel gewinnen – ohne Osakos Zulieferarbeit der letzten Wochen wird es aber auch für ihn schwierig. Das sollte auch in Hamburg so bleiben.

HSV mit Langholz, effzeh mit Tempo

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Dabei fing es eigentlich ziemlich gut an: Bereits nach wenigen Sekunden kam Modeste zum ersten Abschluss, den er allerdings aus kurzer Distanz über’s Tor setzte. Ein Fallrückzieher in dieser Position war zugegebenermaßen ein schwieriger Skill, der Erfolg blieb ihm verwehrt. Ansonsten kam Modeste in diesem Spiel nur noch einmal zu einem aussichtsreichen Abschluss: Nach 28 Minuten köpfte er eine Jojic-Ecke knapp über das Tor. Es sollte der letzte Torschuss des effzeh in diesem Spiel gewesen sein.

An sich hatte man eigentlich immer das Gefühl, der effzeh wäre Herr der Lage – der HSV spielte zwar engagiert, körperlich robust und voller Tatendrang. Speziell im ersten Durchgang offenbarten die Hamburger jedoch ziemliche Schwächen im defensiven Umschaltmoment, die der effzeh durch gezieltes Nutzen der entstehenden Räume nutzen wollte. Insbesondere die Flügelspieler Christian Clemens und Konstantin Rausch sollten durch Tempoläufe immer wieder in Positionen kommen, um Modeste einzusetzen. Zwischen der Hamburger Offensive und Defensive öffnete sich gerade im ersten Durchgang der ein oder andere Korridor, in dem der effzeh hereinstoßen konnte. Mehr gelang aber vorerst nicht, dennoch hatte man das Gefühl, in diesem Spiel noch zu Torchancen zu kommen.

Papadopoulos, Wood, Holtby: Protagonisten des Hamburger Spiels

Die Hamburger hingegen beschränkten sich wie zu erwarten war auf das Spielen langer Bälle, nach deren Abwehr sie hingebungsvoll um die Wiedereroberung kämpften. Auch die Standardsituationen brachten immer wieder Gefahr: Der effzeh verteidigte im Raum und gab so Papadopoulos die Möglichkeit, mit Tempo und Wucht einzulaufen. Dass der Grieche kein Tor machte, grenzte fast schon an ein Wunder, hatte er doch die deutliche Lufthoheit im Sechzehner des effzeh.

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Mit Bobby Wood verfügt der HSV zudem über einen extrem sperrigen, unbequemen Stürmer, der sich in Zweikämpfen mit der Defensive des effzeh aufrieb. Der US-Amerikaner bereitete das Führungstor vor, indem er sich gegen Maroh durchsetzte und den Ball in die Mitte brachte. effzeh-Verteidiger Maroh sah in dieser Szene nicht gut aus und verschätzte sich auch im Anschluss noch einmal, was Müller allerdings nicht nutzen konnte. Der ehemalige Nürnberger wurde in der Halbzeitpause durch Heintz ersetzt. Dies hatte keine verletzungsbedingten Gründe, wie Peter Stöger auf der Pressekonferenz eindrücklich darlegte.

Schwächere zweite Hälfte: HSV am Ende mit mehr Geist

Nachdem der effzeh durch Jojic ausgeglichen hatte, war man als effzeh-Fan einigermaßen beruhigt – der 1. FC Köln hatte den Gegner weitestgehend im Griff, zudem Tempovorteile auf den Außen. In den zweiten 45 Minuten sollte sich das Blatt jedoch drehen. Der HSV, bekanntlich unter größerem Druck als der effzeh, spielte nun mit noch mehr Engagement und brachte mit Albin Ekdal einen Stabilisator, der ein wenig Balance zurückbrachte. Beim effzeh funktionierte nicht mehr allzu viel. Es gab keinen Abschluss mehr, die zweiten Bälle landeten vorrangig bei den Gastgebern und Umschaltmomente ergaben sich kaum noch. Zudem ließ die Passqualität merklich nach, die Gäste aus der Domstadt brachten kaum noch zwei, drei zusammenhängende Pässe zustande.

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Die Schlussphase brachte dann auch noch etwas mit sich, was man vom effzeh sonst nicht kennt: Die Abwehrarbeit wurde fahrig. Peter Stögte sagte nach dem Spiel auf der Pressekonferenz: „In der letzten Viertelstunde waren wir nicht konsequent genug. Es waren einige schlecht gelöste Aktionen dabei.“ Es ist nicht bekannt, ob Stöger damit auch Jonas Hector meinte, der ca. 20 Meter mit dem Ball lief, um schließlich noch von Lewis Holtby abgegrätscht zu werden. Mit dieser Szene emotionalisierte der ehemalige Schalker das Hamburger Publikum und zog das Momentum noch mehr auf Seiten des HSV. Es sollte auch Holtby sein, der dem effzeh den Knock-Out versetzte.

Stöger: „Das 2:1 war ein Spiegelbild unserer Verteidigungsarbeit“

Sein 2:1 in der Nachspielzeit war für den Österreicher „irgendwo ein Spiegelbild dessen, was vorher schon zu sehen war“. Seine Mannschaft habe die Möglichkeit gehabt, den Ball schon vorher zu klären: Rausch und Hector zeigten nicht mehr den allergrößten Willen, die Flanke von Diekmeier zu verhindern. effzeh-Keeper Timo Horn musste bei der einzig brauchbaren Flanke des Hamburger Rechtsverteidigers hin, klärte den Ball aber nur zu Kostic. Dessen Abschluss konnte der Kölner Keeper noch parieren, bevor er den Ball aber wieder scharf machte – Horn gab zu, ein wenig die Orientierung verloren zu haben, ein klarer individueller Fehler war es jedoch trotzdem nicht, schließlich stand auch Olkowski im Weg. Eine unglückliche Szene blieb es allemal.

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Sein Chef Peter Stöger monierte gegenüber dem vereinseigenen Video-Kanal, dass in der Schlussphase ein wenig die Klarheit gefehlt habe. „Wir waren nicht konsequent, vieles war halbherzig und das geht eben in der Bundesliga nicht. Man muss jede Sekunde hellwach sein, um zu punkten, sonst wirst du bestraft. Wir haben uns das heute selbst eingebrockt, in der Verteidigungsarbeit war das nicht gut genug“, zeigte sich der Österreicher durchaus unzufrieden. Dass man mit einem Punkt in Hamburg wohl gut hätte leben können, verdeutlichte Stöger ebenfalls. Allerdings darf auch die Frage diskutiert werden, warum der effzeh nicht beim Tabellensechzehnten in der Lage ist, das eigene Spiel durchzudrücken. Doch damit kommen wir wieder zum Beginn des Textes: Das eigene Spiel steht und fällt mit Yuya Osako. Dessen Fehlen tut eben weh.

Nun ist die Frage, ob es gut ist, dass bereits am Dienstag die nächste Aufgabe auf den effzeh wartet. Mit der Frankfurter Eintracht kommt ein direkter Konkurrent nach Müngersdorf, der im Kampf um Europa auch nicht nachlassen wird. Yuya Osako wird auch in diesem Spiel nicht dabei sein.

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