Von Neuzugängen ist beim effzeh nicht mehr die Rede, obwohl man in der Offensive wohl schon noch einmal nachlegen könnte – oder nicht?

Laut Sportchef Jörg Schmadtke ist die Kaderplanung im Offensiv ersichtlich abgeschlossen. Defensiv hat sich der effzeh verbessert, offensiv nicht. Im Gegenteil: die investierten 16 Millionen bedeuten eine qualitative Verschlechterung und ein Risiko für die Saison. Im Vergleich zur letzten Transferperiode hat der effzeh dieses Mal die Korken knallen lassen. Wurde im vergangenen Sommer noch rund sieben Millionen Euro an Ablösesummen investiert, kostete schon Linksverteidiger Jannes Horn diese Summe. Dazu kamen geschätzte acht Millionen für Jorge Mere, drei Millionen für Joao Queiros und die Rekordablösesumme von 16 Millionen Euro für Jhon Cordoba. Macht schätzungsweise 18 Millionen für drei junge Verteidiger mit großem Potential und 16 Millionen für einen Stürmer.

Defensiv wurde der Kader zweifellos verbessert. Jorge Meré und Jannes Horn haben ihre Qualität bereits nachgewiesen, wenngleich man bezüglich ihrer Leistungskonstanz nicht zu hohe Ansprüche stellen sollte. Im Falle etwaiger Schwächephasen stehen zudem einige Routiniers bereit, die Peter Stöger bedenkenlos einsetzen kann. Das gilt auch für Shootingstar Lukas Klünter, der zwar eine starke Schlussphase hatte, aber noch keine längere Konstanz nachgewiesen hat. Für ihn steht mit Pawel Olkowski ebenfalls ein Ersatz bereit.

Auf Lücke geplant?

Anders sieht es in der Offensivabteilung aus. Natürlich würde alles von der Wechselposse um Anthony Modeste überlagert. Der Franzose, der vergangene Saison 25 Tore erzielte und zwischendurch auf Weltklasseniveau agierte, wurde durch Jhon Cordoba ersetzt. Cordoba erzielte in rund 50 Ligaspielen für Mainz zehn Tore. Es wäre unfair, ihn an Modeste zu messen, doch auch unabhängig davon wird er sich gewaltig steigern müssen. Die physischen Voraussetzungen bringt er mit, technisch ist er zweifellos schwächer als sein Vorgänger. Er wird somit Unterstützung der anderen Offensivkräfte benötigen.

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Doch genau da fangen die Probleme an. Denn die Tore von Anthony Modeste müssen durch die gesamte Mannschaft aufgefangen werden. Für Überraschungsmomente und technische Klasse sorgten letztes Jahr nur Yuya Osako und Leo Bittencourt – wenn sie fit waren. Milos Jojic hatte zwar gute Scorerwerte, war aber oft nachlässig in der Defensivarbeit und zeigte enorme Schwächen im Antritt. Artjoms Rudnevs, Simon Zoller und Christian Clemens haben vergangene Saison nicht nachweisen können, dass sie die fußballerischen Schwächen in der Offensive beheben können. Nicht kalkulierbar sind zudem die Entwicklungen des blutjungen Salih Özcan sowie des Langzeitverletzten Marcel Risse.

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Zwar bemühte sich der effzeh nachweislich um Mark Uth, der in diesem Bereich ein enormes Upgrade dargestellt hätte. Doch nachdem die TSG Hoffenheim bekanntgab, dass sie Uth nicht ziehen lässt, blieb der Nachweis des Interesses an weiteren Spielern für den Offensivbereich aus. So besteht die Gefahr, dass etwa Simon Zoller wieder auf anderen Positionen aushelfen muss, obwohl der Knipser für die Flügel zu viele Schwächen aufweist.

Mittelfeld bleibt unbeachtet

Das größte Problem des Teams bleibt aber das zentrale Mittelfeld. Zwar bewies Matthias Lehmann, wie wertvoll er als Abfangjäger vor der Abwehr sein kann, aber sein Passspiel bleibt unterdurchschnittlich. Er ist trotz aller Zuverlässigkeit genau wie der bis zu seiner Verletzung sehr starke Marco Höger zudem zu sprintschwach und torungefährlich. Für eine Mannschaft, der es letzte Saison insbesondere im zentralen Mittelfeld nach dem Abgang Yannick Gerhardts an Technik, Dynamik und Tempo fehlte, ist das Fehlen eines Zugangs in diesem Bereich gefährlich. Jonas Hector ist zwar sehr ballsicher, aber qualitativ nicht so wertvoll wie als Linksverteidiger, zudem hat er ähnliche Schwächen wie Höger und Lehmann. Auf Nikolas Nartey und Salih Özcan als X-Faktoren zu setzen, wäre fahrlässig.

Ein in der Offensive personell nahezu unveränderter Kader soll den Abgang des besten Stürmers seit Dekaden kompensieren? Ohne Ergänzungen im Mittelfeld, das für die Balance der Mannschaft so wichtig ist? Da die Gegner des effzeh nun abwartender und defensiver spielen werden, wird technisch hohes Niveau nochmals wichtiger. Gelingt keinem Spieler ein spürbarer Leistungssprung, droht die Offensive trotz 16 Millionen Euro Investition schwächer und ausrechenbarer zu sein als in der Vorsaison. Angesichts der Dreifachbelastung und der beiden starken Aufsteiger geht der effzeh hier ein hohes Risiko ein.

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Die Probleme im Kader wurden nicht behoben

Die Verweise auf die letzte Saison und die Konkurrenz sind bei dieser Bewertung unzulässig. Der effzeh profitierte im vergangenen Jahr von großen Schwächen größerer Klubs, von viel Glück in der Schlussphase sowie einem Torjäger in überragender Form. Dass andere Vereine ebenfalls Schwächen in einigen Mannschaftsteilen aufweisen und sich auch nicht überragend verstärken konnten, haben mit den diagnostizierten Schwachstellen des effzeh nichts zu tun. In jeder Transferperiode sollte das Ziel lauten, die Probleme des Kaders zu beheben und auf anderen Positionen qualitativ zu verbessern. Den ersten Punkt hat der effzeh bislang ausgelassen. Es bleibt zu hoffen, dass er sich dabei nicht verpokert.

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11 Kommentare

  1. Alex aus Zollstock am

    Warum sehen so viele Leute das zukaufen von Spielern als Mittel Fehler oder Schwachstellen auszumerzen? Wenn man auf einer Position Schwächen sieht, entwickelt man den aktuellen Spieler weiter. Das ist günstiger und steigert auch den Marktwert der Mannschaft. Zudem ist das halten und verbessern von Spielern ein klares Signal an die eigenen Spieler. Man hält Sie dadurch langfristig.
    Spieler einzukaufen kann auch schnell schief gehen siehe Maniche, das waren top Zeiten als man gekauft hat ohne Verstand…..

  2. Als Modeste zum FC kam, hätte er ähnliche Quoten wie Cordoba. Dr hat im 1. Jahr gut und im 2. Jahr noch einmal sehr gut entwickelt, auch dank Peter Störer, warum so eine Entwicklung nicht auch Cordoba machen? Ausserdem möchte ich an Uhjah erinnern, als er nach Bremen ging, waren auch alle „verzweifelt.

  3. Ich muss sagen, dass ich das ähnlich sehe, wenn auch nicht ganz so dramatisch. Aber es fehlt definitiv noch jemand, der in der Offensive für einen Überraschungsmoment sorgen kann. Cordoba und Guirassy sind sicherlich nicht schlecht, aber aktuell noch zu ungefährlich und berechenbar. Zoller hat bereits gezeigt, dass aus ihm einfach kein Topstürmer mehr wird, aber er dennoch seinen Beitrag leistet. Jedoch wird es schwierig sein, jemand passenden auf dem überhitzten Markt zu finden. Warten wir es ab.

  4. Natürlich soll man sich mit der Kaderplanung und den Neuzugängen kritisch auseinandersetzen. Die Tonlage des Kommentars ist aber reichlich alarmistisch. Beim Lesen habe ich fast erwartet, dass am Ende des Textes die ultimative Forderung kommt, Jörg Schmadtke zu entlassen.

    Droht „die Offensive trotz 16 Millionen Euro Investition schwächer und ausrechenbarer zu sein als in der Vorsaison“? Die Position in der Sturmspitze war qualitativ nicht verbesserbar. Man hätte keinen Spieler nach Köln kriegen können, der diese Qualität allgemein bekannt (!) besitzt – Spieler wie Lewandowski liegen außerhalb der Möglichkeiten des FC. Dasselbe Niveau hätte man wohl auch mit Modeste nicht halten können (schon mal gar nicht bei einem wechselwilligen Spieler, der nicht gehen darf). Denn man muss bedenken: Der Vergleich geht immer um „den Modeste aus der Saison 16/17“. Der Modeste aus der Saison 15/16 wäre da schon ein „Qualitätsverlust“.

    Was bleibt, ist die Frage, ob man dem Schmadtkes Bewertung von Cordobas Fähigkeiten trauen kann. Ich habe auch etwas geschluckt, als ich von diesem Transfer und der gezahlten Summe gehört habe. Schmadtke hat jedoch schon so häufig gezeigt, dass er richtig gelegen hat, sodass man zumindest in Erwägung ziehen sollte, dass der Manager Sport hier mehr erkennen könnte (nicht muss) als der interessierte FC-Fan. Man erinnere sich einfach mal an die Diskussionen, ob der Hoffenheimer Ergänzungsspieler Modeste in der Lage sein könnte, Ujah zu ersetzen.

    Und wird die Offensive des FC wirklich in der neuen Saison wirklich „ausrechenbarer“ als in der Vorsaison, wo der Gegner jederzeit wusste, dass Modeste von all seinen Mitspieler als Anspielziel gesucht wird?

    Letztlich unterscheidet der Kommentar zu strikt in Verteidiger und Offensive, ohne zu berücksichtigen, dass die Neuzugänge im defensiven Bereich eine mögliche andere strategische Ausrichtung andeuten. Meré soll (so kann man zumindest lesen) durch seine Fähigkeiten in der Spieleröffnung Einfluss nehmen. Die schnellen Außenverteidiger sollen wohl weiter vorne agieren als in der Vorsaison (Horns Vorlagenquote ist nicht die schlechteste). Letztlich gab es nicht „16 Millionen Euro Investition“ bei den Stürmern. Das Geld, dass mit Modestes Transfer eingenommen wurde, wurde in die gesamte Mannschaft investiert. Nominell ist so „Marktwert“ aus der Offensive abgezogen worden. Aber die nominelle Defensive scheint deutlich offensiver aufgestellt.

    Klar: Vorne müssen die Tore gemacht werden. Die Verantwortung wird sich auf mehrere Schultern verteilen müssen, denn einen Spieler mit einer Quote wie Modeste wird es wohl nicht geben. Diese Quote war aber auch beim Zugang von Modeste nicht annähernd absehbar. Skeptisch kann man gerne sein – warten wir die Saison ab. Mich würde freuen, wenn der Kommentator am Ende der Saison 17/18 die Thesen dieses Kommentars noch mal noch einmal überprüfen würde.

  5. In der letzten Saison waren wir schon sehr auf die Tore von Anthony Modeste abhängig und es ist gut gegangen. Jedoch sollte bedacht werden, das der FC ist immer noch in der Entwicklung ist und der 5. Platz nicht unbedingt repräsentativ für die Stärke des FC. Man sollte die EL-Saison geniessen. Ob die Kaderplanung wirklich abgeschlossen ist, das wird sich noch zeigen. Immer am Ende des Transferfenster passiert noch einiges, also abswarten. Auch ohne weitere Verstärkung hat der FC einen guten Kader. Es sollte bedacht werden das es in der letzten Zeit schon erhebliche verletzungsbedingte Ausfälle gab und auch einige erhoffte Leistungsträger, wie Christian Clemens ,nicht so richtig in Form waren. Auch wissen wir noch nicht was man von Sehrou Guirassy kommt, auch ein gefühlter Neuzugang.
    Jhon Cordoba ist nicht Modeste, aber in Mainz hat er mir gut gefallen und wird vorne im Sturm auch Wege frei räumen und Anthony Modeste kam aus Hoffeheim auch nicht als 25-Tore-Mann. Bleibt also abzusehen was Guirassy und Cordoba bringen werden.

  6. Alles schwer zusagen, die Mannschaft im Allgemeinen muss sich weiterentwickeln und sie wird es denke ich auch. Vorallem Clemens und Zoller müssen zur neuen Saison einen großen Qualitätssprung machen. Cordoba macht mir ehrlich gesagt große Angst, denn ich kann seine Verpflichtung für diesen Preis immernoch nicht nachvollziehen, aber mall sehen wie er sich macht.

  7. Juppzuppkoelle am

    Es fehlt leider an Kreativität im Mittelfeld, Zoran Tosic wäre Ablösefrei warum schlägt man nicht zu.

  8. Guirassy??? Fehlt gänzlich in dieser Auflistung und kann als Neuzugang gewertet werden. Zudem sehe ich ihn als ernsthafte Alternative zu Cordoba bzw. fürs Sturmzentrum.

    • Hinzu kommt, dass selbst weitere Millionen-Ausgaben uns keine Qualitätssteigerung garantieren. Und wenn das Vertrauen in das vorhandene Spielermaterial da ist, dann braucht man den Kader nicht aufzublähen. Unzufriedene Spieler können auch den Erfolg gefährden.