Hektik abseits des Feldes, Hektik auf dem Feld. Der 1. FC Köln schließt gegen Bayer Leverkusen dennoch versöhnlich als Westdeutscher Winterkönig ab.

Es geht dieser Tage trotz absteigender Temperaturen heiß her auf Hohe Straße und Schildergasse. Auf Kölns beliebtesten Einkaufsstraßen werden noch reichlich Präsente auf den mehr oder weniger letzten Drücker geholt. Die alljährliche vorweihnachtliche Hektik eben.

Nun ist der 1. FC Köln anno 2016 dafür bekannt, mit Hektik nicht allzu viel zu tun haben. Am (Fast-)Ende einer durch und durch unhektischen Vorrunde stand so etwas wie ein Mittelfeldduell mit dem (Tabellen-)Nachbar aus Leverkusen an. Und doch wurde es kurz vor dem Nicht-Derby ungewohnt turbulent rund um die Kaderplanung der aktuellen Nummer eins am Rhein.

Transfer-Hickhack vor Spiel gegen Bayer

Aus dem Nichts tauchten am Vorabend des letzten Spiels im Jahr 2016 Meldungen auf, wonach effzeh-Abwehrchef Mergim Mavraj schon im Winter kurz vor dem Absprung nach Hamburg oder Istanbul stünde. Parallel weilte Filip Mladenovic wohl bereits in Lüttich, um beim ansässigen Club Standard zu unterschreiben.

Wenige Minuten vor dem Anpfiff der Begegnung gegen die Werkself™ mischte sich in das allgemeine Transfergemurmel auch noch eine Meldung an der Anzeigetafel des RheinEnergie Stadions, welche die offizielle Rückkehr des Mainzers Christian Clemens in die Domstadt verkündete.

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Es waren ungewöhnlich wilde Vorweihnachtsstunden rund um den 1. FC Köln und kurz nach dem Anpfiff durch Referee Manuel Gräfe schien es so, als würde Vizekusen™ dem inoffiziellen Westdeutschen Herbstmeister auch auf dem Feld keinen Moment der Ruhe gönnen. Anders als bei den blutleeren Auftritten gegen Ingolstadt und Schalke schien die Bayer-Truppe top-motiviert und presste in bekannter schmidtscher Manier extrem aggressiv.

In einem 4-4-2 ohne waschechten Stürmer, dafür aber mit den wieselflinken Mehmedi und Brandt in der Spitze rannte die Werkself unermüdlich an. Der effzeh, der wie schon in Bremen im 3-4-1-2 antrat und lediglich den gelbgesperrten Höger durch Özcan ersetzen musste, hatte in den ersten Minuten einige Probleme, schenkte die Kugel früh wieder her und ließ sich weit in die eigene Hälfte drängen.

Die erste richtig gute Chance des Spiels hatte dann aber der 1. FC Köln mit Unterstützung der Gäste. Nach einer scharfen Flanke des sehr agilen und aktiven Olkowski stolperte Nationalspieler Benny Henrichs das Leder beinahe selbst ins Tor, kratzte den Ball in letzter Sekunde aber noch von der Linie.

Modeste-Traumtor bringt effzeh in Führung

Es war so etwas wie die Initialzündung. Der effzeh dachte nicht mehr allzu viel über das Transfer-Hickhack der Vorstunden nach (werden die Jungs sowieso nicht, aber es lässt sich immer so schön als Grund für eine nervöse Anfangsphase anführen) und fand zunehmend Lösungen gegen das Bayer-Pressing.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Es entwickelte sich ein intensives, ein hochklassiges Spiel und ein letztes Mal musste man sich kneifen, dass Spiele dieser Art keine Seltenheit mehr sind, da man als effzeh-Fan nach Jahren der Erfolglosigkeit und des reinen Defensiv-Fußballs in dieser Saison gleich reihenweise mit derartigen Partien verwöhnt wird.

Kneifen durfte man sich dann auch dank des Treffers von Anthony Modeste. Ein Traum von Tor. Nach einer halbhohen Sörensen-Flanke aus dem Halbfeld nahm der Franzose die Kugel eng verfolgt vom Verteidiger direkt und versenkte sie gegen die eigene Laufrichtung und die von Leno den physikalischen Grundsätzen zum Trotz im linken oberen Torwinkel.

Wendell bestraft kölsche Passivität

Weil der effzeh nach den zum Teil kuriosen Aufholjagden nach Rückständen zu Beginn der Saison mittlerweile genug hat, geht er in letzter Zeit lieber in Führung, um danach in etwas zu viel Passivität zu verfallen und dann einen Gegentreffer zu einem psychologisch äußerst ungünstigen Zeitpunkt zu erhalten. So geschehen gegen Dortmund und in Bremen, so schließlich auch gegen Bayer.

Nachdem Kessler bereits zwei Calhanoglu-Schüssen stark abgewehrt hatte und Osako Gegenüber Leno mit einem 35-Meter-Schuss ins Schwitzen gebracht hatte, kombinierte sich Leverkusen schön über die linke Seite. Havertz spielte einen halbhohen Pass in den Strafraum zum gestarteten Wendell und für einen kurzen Moment fühlte sich kein einziger kölscher Superstars für den Brasilianer verantwortlich. Der haute den Ball dann schließlich bärenstark aus spitzem Winkel an Kessler vorbei ins Tor. Eine Minute später wurde zur Pause gepfiffen.

In der zweiten Hälfte passierte dann nicht mehr allzu viel. Das Spiel war nicht wirklich schlecht, aber auch nicht mehr so richtig gut. Wären wir in der Vorrunde der Europameisterschaft, hätten die Kommentatoren der Öffentlich-Rechtlichen schon längst davon geschwärmt, wie sich zwei Teams auf hohem Niveau neutralisieren.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Hector auf den Spuren von Kroos

Auf kölscher Seite machte der einmal mehr brutal abgezockte Käptn Jonas Hector gleich etliche Male den Eindruck, als hätte er Einzelunterricht bei Toni Kroos genommen, so gekonnt behauptete er den Ball in Drucksituationen, mit so viel Auge fand er seine Mitspieler, wodurch der etwas nervöse und fehlerbehaftete Nebenmann Salih Özcan wahrscheinlich schlechter aussah, als er war.

Bei Leverkusen zeigte dagegen Julian Brandt, der gefühlte 350 Kilometer rannte und dabei trotzdem noch in der 88. Minute zu Übersteiger-Tempodribblings ansetzte, dass er bald wohl noch häufiger mit Hector zusammenspielen dürfte.

Und irgendwie wurde dann relativ schnell klar, dass beide Mannschaften relativ wenig gegen die Punkteteilung hatten, weswegen Peter Stöger im Anschluss auch zugab: „Ich bin mit dem Unentschieden zufrieden. Wir hätten mit einem 2:0 das Spiel vielleicht nach Hause gebracht. Wir haben in der zweiten Halbzeit viel dafür gearbeitet, um die Vorrunde zu Hause ungeschlagen zu überstehen.“

Ich bin mit dem Unentschieden zufrieden. Wir hätten mit einem 2:0 das Spiel vielleicht nach Hause gebracht. Wir haben in der zweiten Halbzeit viel dafür gearbeitet, um die Vorrunde zu Hause ungeschlagen zu überstehen.

Abgesehen von Duracell-Brandt schienen gleich etliche Spieler am Ende ihrer Kräfte. Sinnbildlich dafür der zuvor so emsige Anthony Modeste, der nach einem missglückten Fallrückzieher-Versuch beinahe eine Minute lang erschöpft am Boden liegen blieb.

Westdeutscher Winterkönig mit tollen Momenten

Nicht nur auf dem Feld, auch auf den Rängen war man zufrieden. Mit Stolz konnte man die letzten Minuten verfolgen, wie der Westdeutsche Winterkönig gegen ein Team, das eigentlich noch immer mehr individuelle Klasse verkörpert, derart souverän agiert und man konnte angesichts der fehlenden spielerischen Momente auf dem Feld noch einmal eine grandiose Hinrunde vor dem inneren Auge durchgehen.

Keine einzige Heimniederlage, sieben Spiele ohne Pleite zum Saisonstart. Ekstase nach Rückstand auf Schalke, bärenstarke Unentschieden gegen die Spitzenteams aus Leipzig und München, Tonys Hattrick gegen hilflose Hamburger, Risses Hammer zum Derbysieg im Nordpark …

So endete eine Hinrunde, in welcher der effzeh über weite Phasen ohne absolute Leistungsträger wie Horn, Maroh, Bittencourt oder Lehmann auskommen musste und dennoch stets alles auf den Platz warf, höchst versöhnlich mit dem dritten Unentschieden in Folge.

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