Spielen, um nicht zu verlieren – oder spielen, um zu gewinnen? Diese Frage könnte den Unterschied für die weiteren Spiele in dieser Saison machen, wie der effzeh bereits gegen Gladbach bewies – leider mit einer Niederlage als Ergebnis.

Während der 1. FC Köln noch im Hinspiel jubeln durfte, feierten nach dem Derby in Köln nur die Gäste in ihrer Kurve. Bei fast schon sommerlichen Bedingungen hatte die Mannschaft von Dieter Hecking in den 90 Minuten zuvor eine der besten Leistungen in dieser Saison gezeigt. Gerade in der Offensive überzeugte das Quartett bestehend aus Raffael, Hazard, Stindl und Hofmann. Unterstützt wurden sie dabei immer wieder von Mo Dahoud in seinem letzten Rhein-Derby. Bevor wir auf die Unzulänglichkeiten des effzeh an diesem Tag eingehen, sollten wir also erstmal festhalten, dass Stögers Team an diesem Tag nicht gegen irgendwen verloren hat. Borussia Mönchengladbachs Mannschaft hat nicht umsonst Champions League gespielt in dieser Saison. Es gab also an diesem sonnigen Tag in Müngersdorf keinen Zweifel daran, dass die bessere Mannschaft das Spiel gewonnen hatte.

Maroh-Einwechslung hinterlässt Fragezeichen

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Und dennoch: Vor diesem Spiel wäre man mit einem Punkt wahrscheinlich tatsächlich zufrieden gewesen, hätte man auf diese Weise doch den Rivalen vom Niederrhein auf Distanz gehalten. Eine Viertelstunde nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Anthony Modeste wechselte Stöger mit Dominic Maroh einen dritten Innenverteidiger ein – dieser Wechsel sollte sich nicht auszahlen, dafür im Anschluss aber umso mehr diskutiert werden. Doch es war deutlich zu erkennen, dass der effzeh wieder in den „Unentschieden-Modus“ schaltete, wie es Kai Dittmann für seine Verhältnisse einigermaßen treffend beschrieb. Nun kann ein Spielerwechsel verschiedenste Auswirkungen haben: Manchmal trifft ein extra motivierter Spieler kurz nach seiner Einwechslung, bisweilen haben Spieler nach ihrer Einwechslung auch schon spielentscheidende Fehler gemacht. Aber klar ist, dass ein Wechsel immer das Gleichgewicht auf dem Spielfeld verändert.

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Mit Dominic Maroh kam also der Sicherheitsbeauftragte ins Kölner Spiel, der dafür sorgen sollte, dass die Gladbacher doch bitte kein Tor mehr schießen sollten. Aus zweckoptimistischer Sicht kann man eventuell noch argumentieren, dass Marohs Einwechslung Dominique Heintz entlasten sollte, damit dieser die defensiven Aufgaben von Jonas Hector übernehmen konnte. Zwar ist der Nationalspieler momentan weit von seiner Bestform entfernt, sein Einfluss von der linken Seite auf das Spiel des effzeh ist aber immer noch ungemein hoch – wenn denn alles funktioniert. Gegen Gladbach brachte die Umstellung auf Fünferkette keinen Erfolg: Dem effzeh ging ein wenig das Momentum flöten, Gladbach fand wieder in die passstarken und spielbestimmenden Muster zurück und gewann somit das Spiel.

Im Derby wollte nur Mönchengladbach den Sieg

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Gehen wir nochmal einen Schritt zurück: In der aktuellen Bundesliga-Saison liegt der Abstand zwischen Abstiegskampf und Europa-Träumen momentan bei drei oder vier Punkten – Gladbach konnte mit dem beeindruckenden Zwischensprint zum effzeh aufschließen, auch sonst sind noch einige Mannschaften in der Verlosung. Mit einem Sieg ist man wieder schnell Anwärter auf den Europapokal, mit ein paar Niederlagen ist man aber auch schnell wieder raus aus dem Rennen. Daniel Theweleit beschreibt dies für den Deutschlandfunk sehr treffend: Es gebe momentan kein Tabellenmittelfeld in der Bundesliga und „fast alle Teams zwischen Rang fünf und 15 erleben seit Wochen ein emotionales Pendelspiel zwischen Europapokalhoffnung und Abstiegsfurcht“. Nun, die Abstiegsfurcht ist beim effzeh gering, allerdings besteht durchaus die Möglichkeit, in der Schlusssequenz in dieser Saison die europäischen Fleischtöpfe aus den Augen zu verlieren.

Der entscheidende Unterschied, und damit wären wir wieder beim Derby, wird zwischen den Mannschaften liegen, die spielen, um nicht zu verlieren – und zwischen denen, die spielen, um zu gewinnen. Gewinnen wollte im Derby nur eine Mannschaft und das war Mönchengladbach. Mit Marohs Einwechslung unterstrich Stöger deutlich, dass er mit einem Punkt, unter welchen Umständen auch immer, zufrieden war. Den Sieg mit aller Macht zu wollen, auch mal auf den Lucky Punch zu hoffen – diese Elemente fehlten dem effzeh auch schon vor Wochenfrist in Hamburg. Somit stehen jetzt zwei Niederlagen gegen zwei direkte Konkurrenten – obwohl momentan ja außer Bayern und Darmstadt fast jeder ein direkter Konkurrent ist. Der Wille, das Spiel zu kontrollieren und produktiv zu eigenen Chancen zu kommen, war beim effzeh zuletzt nicht wirklich zu erkennen.

Gewinnen wollte im Derby nur eine Mannschaft und das war Mönchengladbach.

Eine weitere Schwäche: Raumverteidigung bei Standards

Gehen wir nochmal einen Schritt zurück: Der effzeh spielt nach wie vor eine Saison oberhalb der Erwartungen. Während in der Hinrunde deutlich überperformt wurde, pendelt sich das Leistungsniveau in der Rückrunde auf Normalniveau ein – auch bedingt durch mehrere Ausfälle. Wir werden den Teufel tun und irgendwelche Dinge übermäßig kritisieren, doch die Herangehensweise von Stöger sollte man dennoch hinterfragen. Der effzeh ist auf dem besten Weg, eine gute Ausgangsposition zu verspielen, wenn man weiterhin nur darauf ist, nicht zu verlieren.

Dem Gegner komplett die Spielkontrolle und das Feld zu überlassen bietet naturgemäß gewisse Risiken, das sollte sich auch gegen Gladbach bewahrheiten. Das 0:1 fiel dennoch aus einer Standardsituation: Jannik Vestergaard wurde wie immer im Raum verteidigt, der wuchtige Däne konnte ohne Probleme einlaufen und dann mit massiver Körperpräsenz das Tor erzielen. Bereits gegen den HSV hatte der effzeh Probleme, diese Art von Spieler zu verteidigen, damals war Papadopoulos das ein oder andere Mal gefährlich. Beim zweiten Gegentor stand der effzeh zu tief, sodass Traoré unbedrängt flanken konnte. Dem dritten Gegentreffer ging schon ein Abschluss von Drmic voraus, den Horn allerdings parieren konnte. Im Nachgang konnte der effzeh nicht zum dritten Mal zurückschlagen.

effzeh ohne Modeste? Oh, mon dieu!

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Ein wenig mehr eigene Aktivität tut dabei gut, das war sehr gut zu erkennen. Die beste Phase hatte der effzeh mit Yuya Osako auf dem Feld, der als Verbindungsspieler eine wichtige Rolle einnimmt. Zwar kann der Japaner noch nicht richtig fit sein, sein Mitwirken nach der Pause half dem effzeh aber ungemein. Die spielrelevanten Daten gingen dennoch alle an die Gäste: Mehr Torschüsse, mehr gespielte Pässe (davon sehr viele in der effzeh-Hälfte), mehr Ballbesitz, mehr gewonnen Zweikämpfe – es gibt wenig Positives über den effzeh zu berichten. Bis auf die Nummer 27 im Sturm.

Anthony Modeste zeigte seine unfassbare Form auch gegen die Fohlen und brachte dem schwer atmenden effzeh zwischendurch den benötigten Sauerstoff. Das 1:1 kreierte er aus dem Nichts, als er einen langen Ball von Horn annahm, sich vorlegte und dann einen punktgenauen Pass auf Clemens spielte – eine richtige Torchance war das eigentlich nicht, weil Strobl den langen Ball falsch einschätzte. Im zweiten Durchgang netzte Modeste mit einem Volley zum erneuten Ausgleich ein, Milos Jojic hatte zuvor geflankt. Ohne den französischen Szenen-Spieler, der ansonsten wenig zu melden hatte, wäre es wohl eine deutliche Angelegenheit geworden.

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