Der seit fünf Spielen sieglose effzeh empfängt die Hertha, den Angstgegner der letzten Jahre. Ein guter Zeitpunkt, die Negativserie gleich zusammen mit der „Hertha-Phobie“ einfach Mal zu überwinden. Aber wie? 

Sparen wir uns das Drumherum, et es wie et es: Gegen die Hertha weist der effzeh in der jüngeren Vergangenheit eine Katastrophenbilanz auf. Gegen keinen Gegner wurden seit dem Wiederaufstieg 2014 weniger Punkte, nämlich genau einer in fünf Duellen, geholt. Die letzten drei Aufeinandertreffen mit den Hauptstädtern gingen allesamt verloren. Statistisch deutet also zunächst Mal nicht viel auf eine gute Ausgangslage hin. Zumal der effzeh im Kalenderjahr 2017 ohnehin erst zwei Partien gewinnen konnte und seit nunmehr fünf Spielen auf einen Dreier wartet. Aber Moment.

Sieglosserie trifft Auswärtsschwäche

Mag die Hertha auch der effzeh-Angstgegner der letzten Jahre sein, in Köln gewann Berlin sechs der letzten sieben Gastspiele, auswärts läuft beim Team von Pal Dardai in diesem Jahr bislang auch wenig bis gar nichts zusammen. Alle vier Partien in der Fremde gingen für Hertha 2017 verloren. Die Berliner beeindrucken in aller Regelmäßigkeit zu Hause, zum Beispiel mit dem Remis gegen die Bayern oder dem Sieg gegen den BVB vor Wochenfrist. Uns trotz der aktuell eklatanten Auswärtsschwäche spielt die alte Dame weiter ganz oben um die Champions-League-Plätze mit.

Ähnliches beim effzeh: Trotz fünf Spielen ohne Sieg ist ein internationaler Platz weiter realistisch, beide Teams profitieren aktuell von mangelnder Konstanz bei der Konkurrenz. Doch um die Ziele im Auge zu behalten müsste die Hertha ihr Auswärtsphlegma, der effzeh seine Sieglosserie durchbrechen, Szenario Zwei bevorzugt.

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Viererkette für defensive Stabilität?

Dem effzeh drückt der Schuh eindeutig in der Defensive, die bombensichere Verteidigung der Hinrunde ist aktuell nicht wiederzuerkennen, was auch mit vielen Verletzungen und häufigen Umstellungen in der Kette zu tun hat. Stichwort Kette: Gut möglich oder besser sehr wahrscheinlich, dass Peter Stöger gegen die Hertha Mal wieder die gute alte Viererkette rausholt, mit der man in den ersten beiden Jahren nach dem Aufstieg besonders zu Hause sehr stabil und sicher agierte. Das dürfte zu Lasten der Variabilität im effzeh-Spiel gehen, doch kann die Devise gegen Berlin nur lauten: Safety first!

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Denn bekannt ist, dass die Berliner vor dem Tor eiskalt sind und bei Standards hocheffektiv sind. Es wird also darum gehen, Hertha konsequent am Abschluss zu hindern, nicht aber um jeden Preis, sprich mit Fouls vom eigenen Sechzehner wegzuhalten. „Sie sind gut organisiert, gefährlich bei Standards. Mit Ibisevic und Kalou haben die Berliner vorne außergewöhnliche Spieler. Die machen aus sehr wenig sehr viel. Es wird sicher keine einfache Aufgabe“, ordnete Cheftrainer Peter Stöger vor der möglicherweise richtungsweisenden Partie ein und fasst damit die defensive Herausforderung treffend zusammen.

(Noch) gute Stimmung 

Offensiv wird der effzeh natürlich die personifizierte Lebensversicherung Anthony Modeste in Szene setzen, um erfolgreich zu sein. Das aktuelle Dilemma des effzeh zeigte sich zuletzt in Ingolstadt. Denn trotz der Saisontore 18 und 19 des Franzosen reichte es nur zu einem Punkt und das bei einem der offensivschwächsten Gegner überhaupt. Ein weiteres Indiz dafür, wie sehr es jetzt auf eine stabile Defensive ankommt.

Stöger sprach nach Ingolstadt davon, dass „natürlich keine Weltuntergangstimmung herrsche“, stellte aber auch klar: „Natürlich können wir es besser als beim 2:2 in Ingolstadt, mit dem Spiel waren wir nicht zufrieden.“ Nach fünf Spielen ohne Sieg zählt gegen Hertha nur das Resultat auch wenn das vermutlich zu Lasten von Attraktivität und Unterhaltung gehen wird. Doch im langsam beginnenden Endspurt um die internationalen Plätze kann Stöger im Angesicht der Personalnot fehlende Leistungsträger nicht 1:1 ersetzen, das gibt der effzeh-Kader einfach nicht her. Also muss er umdenken, das alte Erfolgsrezept, zu allererst hinten die Null zu halten, wieder auf den Plan rufen.

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Und darum ist nur recht und billig, im Sinne des Erfolgs taktisch und spielerisch einen kleinen Schritt zurück zum Erfolgsrezept der beiden Vorsaisons zu gehen. Unter Betrachtung der jüngsten Ergebnisse und des Lazaretts ist das die einzig sinnvolle Herangehensweise gegen gnadenlos effektive Berliner. „Die Stadt lebt und bebt. Wenn du länger nicht gewonnen hast, dann nimmt man das irgendwann zur Kenntnis“, sagt Stöger und macht damit deutlich, dass er zwar um die Wichtigkeit eines Erfolgserlebnisses weiß, aber auch nicht in Aktionismus verfallen wird. Überschaubarer Druck lastet auf den Schultern des Trainers und seines Teams. Auch im Falle einer weiteren Partie ohne Dreier wird nichts und niemand die Krise beim effzeh ausrufen, doch das Thema Sieglosserie würde umso mehr beachtet, sollte es gegen Hertha nicht klappen. Wie schon erwähnt, wird es darauf ankommen, ob Stöger gegen die Hauptstädter das richtige Defensiv-Konzept findet.

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Personalrotation notwendig

Und da dem effzeh-Coach mit Rauch (Infekt), Sörensen (muskuläre Probleme) und Heintz (Gelbsperre) dafür eine Reihe wichtiger Personalien fehlen, stellt sich die Viererkette eigentlich von selbst auf. So dürften Dominic Maroh und Winterneuzugang Neven Subotiv in der Zentrale agieren, während Pavel Olkowski rechts spielen und Jonas Hector aus dem Mittelfeld zurück auf die linke Abwehrseite beordert werden dürfte. In der Offensive kehrt Simon Zoller in den Kader zurück.

Auf Berliner Seite gab es unter der Woche Fragezeichen hinter den Leistunsgträgern Kalou und Weiser, doch es scheint für beide zu reichen. Im Sturm dürfte trotzdem effzeh-Schreck Vedad Ibisevic, der vier der letzten fünf Hertha-Tore gegen Köln erzielte, gesetzt sein. Ansonsten schöpft Hertha-Coach Pal Dardai aus den Vollen.

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