So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere. So wie Lukas Podolski es einst beschrieb, ist es dann auch im Auftaktderby zwischen Gladbach und Köln gelaufen. Die Borussia siegte am Ende verdient mit 1:0.

Schon von Beginn an hatten die Hausherren mehr Zugriff, waren präsenter in den Zweikämpfen und wirkten insgesamt spritziger als ihre kölschen Kontrahenten. Im Laufe der ersten Halbzeit steigerten sich die Geißböcke zwar, immer wieder blitzen aber sowohl die Probleme im Zentrum als auch auf den Außenbahnen auf, die bereits in der Anfangsphase zu größeren Gladbacher Chancen geführt hatten.

Die erste Torchance durch Jhon Cordoba schien der Mannschaft von Peter Stöger zwar nach zwanzig Spielminuten etwas mehr Selbstvertrauen einzuhauchen, doch bereits kurz nach der Pause setzte es den Nackenschlag in Form des Gegentores. Erneut war Lukas Klünter sein Gladbacher Gegenspieler auf der rechten Kölner Abwehrseite entwischt – Nico Elvedi musste nach präziser Vorarbeit auf der Gegenseite nur noch zur 1:0-Führung einschieben.

Ungeahnte defensive Schwächen

Das Gegentor war in seiner Entstehung symbolisch für die Schwachstellen des Kölner Spiels am Sonntag. Nicht nur, dass Jonas Hector und Matthias Lehmann in der Zentrale zunächst nur schwer in die Gänge kamen, auch die Unterlegenheit auf den defensiven Außenpositionen brachte die Kölner Elf immer wieder in Bedrängnis.

MOENCHENGLADBACH, GERMANY - AUGUST 20: Nico Elvedi of Moenchengladbach (left) scores his teams first goal past goalkeeper Timo Horn of Koeln during the Bundesliga match between Borussia Moenchengladbach and 1. FC Koeln at Borussia-Park on August 20, 2017 in Moenchengladbach, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Elvedi schiebt zum 1:0 ein | Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Sowohl Konstantin Rausch, der kurz vor der Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden musste, als auch Klünter konnten Traoré und Hazard nur selten stoppen. Einige gefährliche Gladbacher Hereingaben waren die logische Konsequenz. „Unsere Abstimmung in der Hintermannschaft hat nicht so gut funktioniert“, räumte Stöger nach dem Spiel ein. Dass es „am Ende besser“ wurde, wie der Kölner Trainer feststellte, lag wohl auch ein wenig daran, dass die Borussia sich immer mehr darauf beschränkte, auf Konterchancen zu lauern.

Osako fehlt der Offensivabteilung

Offensiv lief es beim 1. FC Köln derweil ebenfalls lange nicht wirklich rund. Während im ersten Durchgang ab und an aufblitzte, dass Konter über Risse oder Bittencourt mit Steilpass auf Cordoba durchaus ein Erfolgsrezept für die Mannschaft werden könnten, offenbarten die Kölner nach dem Rückstand gegen nun tief stehende Hausherren Schwierigkeiten, hochkarätige Torchancen herauszuspielen. Mit der Hereinnahme von Sehrou Guirassy und Simon Zoller hatte der effzeh zwar mehr Wucht bzw. Tempo auf dem Platz, für großartige Kreativität sind beide Spieler allerdings nicht bekannt. Die baldige Rückkehr von Yuya Osako könnte an dieser Stelle allerdings bereits ein wenig Abhilfe schaffen.

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Es war aber auch nicht alles schlecht an diesem Sonntag in Mönchengladbach. Trotz vieler gegnerischer Chancen gelang es der Stöger-Elf, in der zweiten Halbzeit insgesamt eine ordentliche Reaktion zu zeigen. Mit ein wenig Glück wäre Cordoba vielleicht sogar bei einer seiner Abschlussaktionen erfolgreich gewesen. Unmöglich schien der Ausgleichstreffer gegen Ende der Partie jedenfalls nicht mehr zu sein: Spätestens als Milos Jojic sich in der 89. Minute für einen Freistoß aus gefährlicher Position bereit machte, hielt der Borussia-Park den Atem an. Der einstige Derbyheld Marcel Risse war da bereits ausgewechselt, aber Jojic fehlte beim Schuss ebenso Fortune wie zuvor auch schon Kollege Cordoba.

Glücklos im Abschluss: Jhon Cordoba | Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Der Neuzugang zeigte abgesehen vom mangelnden Torerfolg dennoch eine gute Leistung und deutete an, was ihn für das Kölner Spiel wertvoll machen kann. Der Kolumbianer ist dank seines wuchtigen Körpers kaum zu stoppen und scheut weder Zweikampf noch Defensivarbeit. Plötzlich zum Knipser ist der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte beim 1. FC Köln aber eben auch nicht mutiert. Was nicht ist, kann ja aber noch werden – wird man sich zumindest am Geißbockheim angesichts einiger Abschlussmöglichkeiten des Modeste-Nachfolgers wohl denken. Und nach Cordobas Derby-Auftritt ist diese Hoffnung nicht unberechtigt.

Horn deutet sein Potential an

Dass es im zweiten Durchgang ab und zu unruhig im Gladbacher Strafraum wurde, lag aber auch am ebenfalls im Sommer verpflichteten Jannes Horn, der auf der linken Außenbahn stellenweise sein Potential andeuten konnte. Die Flanken des ehemaligen Wolfsburgers sahen schon ganz anständig aus, wenn auch nicht von Erfolg gekrönt. Ein gelungener Start war es für den 1. FC Köln an diesem Sonntag in Gladbach am Ende trotz dieser positiven Aspekte dennoch nicht. Aber ist das gleich ein Grund zur Panik?

MOENCHENGLADBACH, GERMANY - AUGUST 20: Jonas Hector of Koeln during the Bundesliga match between Borussia Moenchengladbach and 1. FC Koeln at Borussia-Park on August 20, 2017 in Moenchengladbach, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Nein. Dass die Kölner Abwehrreihe besser verteidigen kann, ist ausreichend bewiesen. Den Auftritt heute sollte man daher nicht allzu hoch hängen. Und auch wenn eine weitere Wechseloption für die offensiven Außenpositionen, die nicht gelernter Mittelstürmer ist, dem Kölner Kader sicherlich gut zu Gesicht stehen würde, blitzte auch in der Abteilung Attacke durchaus Potential auf. Dass Hector und Lehmann wieder bessere Tage haben werden, steht ohnehin außer Frage.

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Mit einer verbesserten Defensivleistung und mehr Zielstrebigkeit im Abschluss sollte bei der Heimpremiere am kommenden Freitag gegen den Hamburger SV also bereits mehr drin sein als bei diesem Auftaktderby, das für die Kölner schlussendlich verdientermaßen verloren ging. Das sieht auch der Trainer so. „Die Gladbacher hatten mehr Chancen und waren immer gefährlich“, erklärt Peter Stöger. „Wir haben ein ordentliches Spiel gemacht, aber die bessere Mannschaft hat gewonnen.“

Tja. Manchmal ist Fußball eben so.

Spieler des Spiels: Jhon Cordoba

Einen Spieler des Spiels bei einer Niederlage zu finden ist keine so einfache Aufgabe. Der Kolumbianer Jhon Cordoba zeigte jedoch, dass er, richtig eingesetzt, zu einer enormen Waffe im Offensivspiel des effzeh werden kann. Aufgrund seiner Dynamik kann er eine Viererkette manchmal alleine beschäftigen, was im Spiel gegen Gladbach allerdings in keinem Tor mündete.

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