Subotic und Clemens für Mavraj und Mladenovic – trotz offenbar schwieriger Marktsituation liest sich die Kölner Transferbilanz gut. 

Am Dienstag war sie dann plötzlich wieder vorbei, diese Transferphase. Wochenlang bestimmt sie die Fußballberichterstattung, produziert dabei unzählige Gerüchte und dann endet sie ganz bürokratisch-unspektakulär an einem Dienstag um 18 Uhr. Feierabend. Und während andere Bundesligisten am „Deadline Day“ noch einmal emsig aktiv wurden, war die Hauptarbeit am Geißbockheim bereits vollbracht – mal wieder.

Mit Christian Clemens stand der erste Neuzugang der Kölner ohnehin bereits frühzeitig fest – bereits vor Weihnachten erfuhren die Anhänger vom neuen alten Mannschaftsmitglied. Der frühe Zeitpunkt verrät: Es war wohl nicht unbedingt der schwierigste Transfer in der Karriere von Jörg Schmadtke.

Clemens, der kölsche Jung, der mit seinem Abgang zu Schalke einst den effzeh vor massiven Liquiditätsproblemen bewahrte und mittlerweile in Mainz gelandet war, wollte zurück. Im Kader war zudem durch die langfristige Verletzung von Marcel Risse genau die passende Planstelle frei. Und da der Mittelfeldmann nicht unbedingt zu den großen Säulen der Mainzer Mannschaft gehörte, war auch ein Preis schnell gefunden. Irgendetwas um die zweieinhalb Million Euro sollen schließlich den Besitzer gewechselt haben – wohl gemerkt für einen Spieler, dessen Leistungsniveau bekannt ist und bei dem die Eingewöhnungsphase nahezu wegfällt. Ein sicherer Schuss. Und ein guter.

Clemens-Transfer: Einfach, aber gut

Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

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Denn auch wenn Clemens bereits viel Verletzungspech hatte und – das war in Darmstadt ebenso ersichtlich wie zuvor in beim Spiel in Mainz – noch nach seinem Rhythmus sucht, ist er grundsätzlich in der Lage, Risse adäquat zu ersetzen. Doch zum gleichen Zeitpunkt, kündigte sich auch der durchaus unerwartete Abgang von Mergim Mavraj zum Hamburger SV an.

Der albanische Nationalspieler hatte in der Hinrunde mit Topleistungen in der Kölner Defensive überzeugt – sein Abgang war, im Gegensatz zu dem von Filip Mladenovic, in den Köpfen vieler Anhänger und Beobachter nicht vorgesehen. Und verursachte ein sportliches Problem. Denn mit Dominique Heintz, Dominik Maroh und Frederik Sörensen hatte man plötzlich nur noch drei Innenverteidiger in der Mannschaft.

Schmadtke und der schmale Grat

Dennoch sah es lange so aus, als würde es bei einem Winterneuzugang bleiben. Schmadtke wandelte dabei kommunikativ mal wieder – wie aus vorherigen Transferphasen bekannt – auf einem schmalen Grat. Er pries den 18-jährigen Birk Risa als möglichen vierten Innenverteidiger an und erklärte wenig später es sei ohnehin überhaupt keine Notwendigkeit vorhanden, den Mavraj-Abgang zu kompensieren. Er kommentierte Gerüchte über einen Transfer von Jonas Hector zu Chelsea durchaus lustig und befand dann, es seien einfach keine Spieler auf dem Markt, die dem 1. FC Köln weiterhelfen könnten. Nur um wenig später die Verpflichtung von Neven Subotic bekannt zu geben. Plötzlich war der taugliche Spieler gefunden, das Kaderproblem, das zwischendurch gar keins sein sollte behoben, und Schmadtke hatte seinen Job gemacht.

Denn Leihbasis hin und her – vieles am Subotic-Transfer deutet darauf hin, dass der ehemalige BVB-Star durchaus länger in Köln bleiben könnte. Sowohl der Spieler, als auch der Verein scheinen sich jedoch einig darüber zu sein, dass es Sinn ergibt, nach Subotics langer Verletzungspause erst einmal eine Probezeit anzusetzen. Wer will da widersprechen.

Ein kölscher Jung und ein Champions-League-Finalist

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

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Der 28-Jährige bekommt nun, was er dringend braucht: Spielpraxis. Und der 1. FC Köln bekommt einen erfahrenen Innenverteidiger, der Sprache und Liga bestens kennt, als charakterlich überaus integer gilt, und im Idealfall längerfristig eine sportliche Säule in der Defensivreihe von Peter Stöger werden kann.

Neben diesen eher harten Fakten dokumentieren die Transferaktivitäten der glorreichen Geißböcke aber eben auch, dass Schmadtke, Stöger und Co konsequent einen Plan verfolgen. Zum einen ist da die Ausrichtung auf „kölsche Jungs“, also Spieler, die auch aus Liebe zu Stadt und Verein nach Köln kommen und die Identifikation der Anhänger mit dem Club massiv erhöhen könne. Mit Clemens hat der effzeh das noch einmal unterstrichen.

Doch auch im Transfer von Subotic steckt durchaus symbolische Tiefe. Schließlich wechselt da ein Champions-League-Finalist und Deutscher Meister nach Köln. Und das bringt neben dem – idealerweise – sportlichen Leistungszuwachs auch ein Imageplus mit sich: Der FC scheint auch für Spieler mit höheren Marktwerten langsam wieder eine gute Option zu sein.

Weder Qualität, noch Geld verloren

Außerdem dürfte man mit Mladenovic und Mavraj rund drei Mio. Euro eingenommen haben. Das wiederum dürfte ungefähr der Summe entsprechen, die man für Clemens und Subotic bezahlt hat. Die Lücken, die es gab, wurden also auch finanziell ohne große Verluste gestopft. Anders ausgedrückt: Der 1. FC Köln hat also weder Qualität noch Geld verloren.

Dafür, dass eigentlich „niemand auf dem Markt“ war, der dem Verein hätte „weiterhelfen“ können, ist das doch gar nicht mal so übel.

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