Es ist der völlig unerwartete Kampf um Europa: Am Dienstagabend heißt es Sechster gegen Siebter, effzeh gegen Eintracht, das „Duell um Baku“. Wer die größere Überraschung da vorne ist, besprechen wir im #KOESGE-Auswärtsspiel mit Eintracht-Fan Basti. 

Zu den Spielen unseres geliebten und glorifizierten ersten Fußballclubs Köln werden wir auch in dieser Saison einem Fan der gegnerischen Mannschaft ein paar Fragen stellen. Und weil Gegner ja immer irgendwie “auswärts” sind, egal ob der effzeh zu Hause oder auf fremdem Platz antritt, und weil die Sichtweise von “auswärts” kommt, heißt die Kategorie folgerichtig “Auswärtsspiel”. Wir sind nicht nur gespannt, wieviel effzeh in den Anhängern der anderen Bundesligisten steckt, sondern erwarten auch eine Einschätzung zur Situation der eigenen Mannschaft.

5. Februar! Schon über zwei Monate ist es her, dass die Frankfurter Eintracht einen Bundesliga-Sieg einfahren konnte, am 19.Spieltag zu Hause gegen Darmstadt. Die vergangenen beiden Spiele endeten 0:0, die einzigen beiden Punkte seitdem. Mit Bastian Roth, Betreiber des Eintracht-Podcasts und Mitglied bei drei90, sprechen wir über zwei Teams, die mitten im Kampf um die Startplätze für den Europapokal stecken und zuletzt mächtig ins Straucheln kamen.

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In Frankfurt herrscht „erzwungene Euphorie“

Mit Euphorie und Enttäuschung kennt ihr euch in Frankfurt ja auch gut aus, welches Gefühl überwiegt denn momentan?

Ich würde es erzwungene Euphorie nennen. Alle wissen, dass man über den Erwartungen liegt. Aber ich erwische mich trotzdem immer wieder dabei zu vergessen, wo wir herkommen, wenn ich mich über die unglücklichen letzten Wochen ärgere.

Grundsätzlich spielt die Eintracht aber ein tolles Jahr, weit weg von den befürchteten Abstiegsplätzen. Wie sehr musst du dir beim Blick auf die Tabelle noch immer die Augen reiben?

Wenn ich den Blick auf die komplette Saison werfe, unabhängig von den Ärgernissen im Tagesgeschäft, ist es schon richtig geil, was hier abgegangen ist. Trotz Relegation, trotz Chaos und Fredi Bobic so eine Hinrunde zu spielen, das bestätigt mein Vertrauen in #TeamKovac.

Niko Kovac scheint ja wirklich bei euch gut eingeschlagen zu sein. Wie gefällt er dir als Eintracht-Coach? Was sind seine Stärken?

Er ist einfach ein cooler Typ, der noch Bock hat, was zu starten und nicht einer, der meint schon alles gesehen zu haben. Er arbeitet viel und ist offen für alles. Und das Wichtigste: Er hat eine neue Mentalität in die Mannschaft gebracht. Viele in der Mannschaft waren anfangs Typen, die sich ihr Pausenbrot haben klauen lassen. Unter Kovac sind sie allerdings zu Typen geworden, die einem eine Schelle gibt, wenn man sich wagen würde, ihnen auch nur ein Bonbon zu stehlen.

Verletzungen und Sperren: Die Eintracht muss immer wieder umbauen

Wie erwartest du die Eintracht am Dienstag in Müngersdorf taktisch und personell?

Die Frage ist mittlerweile Woche für Woche die spannendste. Durch Verletzungen und Sperren sind wir froh, wenn wir überhaupt etwas einigermaßen Stabiles auf den Platz bekommen. Durch Hasebes Ausfall rechne ich mit einer Viererkette und zwei defensiven Sechsern. Und vorne die Jungs vom Spiel gegen Gladbach…

Wenn ich den Blick auf die komplette Saison werfe, unabhängig von den Ärgernissen im Tagesgeschäft, ist es schon richtig geil, was hier abgegangen ist.

Was ist eigentlich mit „Alex Meier Fußballgott“ los in dieser Saison?

Meier hat durch Verletzungen und sein fortschreitendes Alter einen schwereren Stand als sonst. Zudem glaube ich, dass Kovac anfängt, die Zeit nach #AMFG14 einzuleiten. Auch wenn ich ihn gegen euch gerne gesehen hätte, da ihr ja schon beim Anblick seines Zopfes Schluckauf bekommt.

Müsste Kovac mehr auf Meier setzen?

Nein.

Nicht nur die Eintracht spielt ja in Tabellenregionen, in denen sie kaum ein Experte vermutet hätte, auch der glorreiche 1.FC Köln mischt im Kampf um Europa mit. Überrascht?

Vielleicht ein wenig. Aber irgendwie hab ich das Stöger und Schmadtke zugetraut. Da habe ich maximalen Respekt für die Arbeit der letzten Jahre. Aber als Außenstehender ist sowas auch immer leicht zu sagen, weil man keine Angst hat, enttäuscht zu werden, wenn man das locker sieht. Ich hoffe, ihr versteht, wie ich das meine.

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Der effzeh? „Nach einer kleinen Dürrephase wieder stabil“

Wie schätzt du die Kölner im Moment ein?

Ich habe den Eindruck, der effzeh hat sich nach einer kleinen Dürrephase wieder gefangen. Irgendwie fast baugleich zu uns. Wird also eine enge Kiste!

Welchen Kölner Spieler würdest du gerne verpflichten?

Irgendwie keinen. Lieber Schmadtke, der uns dann welche holt.

Was macht der effzeh besser als die Eintracht?

Die Spieler zu „besitzen“, die durchstarten, um dann eventuell Ablösen zu kassieren. Bei uns spielen ja einige auf Leihbasis.

Wäre das Abenteuer überhaupt sinnvoll? Die Eintracht hat es ja bereits hinter sich, voller Euphorie, aber auch mit einem darauffolgenden Rückschlag in der Bundesliga. 

Ach, das wird oft überbewertet. Der Rückschlag lag bei uns nicht an Europa, sondern am mangelnden Arbeitsethos des Trainerstabs. Also: Auf nach Europa! Am besten beide zusammen.

Wie siehst du die Situation in der Bundesliga? Hatte euer langjähriger Boss Heribert Bruchhagen Recht, ist das Kräfteverhältnis zementiert?

Langfristig gesehen, ja. Money makes the world go round. Es gibt immer wieder Ausreißer, wenn Köln, Gladbach oder Frankfurt gut arbeiten oder Mainz, Freiburg oder Augsburg in einen Flow geraten, aber das steht dann immer auf tönernen Füßen – siehe Bremen. Andere können das eben dann einfach ausgleichen und das Geld rauswerfen.

Man könnte sagen, am Dienstagabend steigt das „Duell um Baku“. Wer entscheidet es für sich?

Keiner.

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