Es wird ernst am Freitagabend in Müngersdorf: Mit dem SV Werder Bremen kommt eine Mannschaft nach Köln, die dem effzeh ein wenig die Show stiehlt. Nach einer durchwachsenen Hinrunde brillieren die Bremer, während der 1. FC Köln gerade erst wieder die Kurve bekommt.

Achtung, 1. FC Köln: Das Team der Stunde ist zu Gast! Mit Werder Bremen kommt die zweitbeste Rückrundenmannschaft in die Domstadt. Aus den bisherigen 14 Spielen holte die Nordlichtern von der Weser überragende 29 Punkte und damit nur zwei weniger als die Bayern. Neun Siegen stehen zwei Unentschieden und drei Niederlagen gegenüber. Beim effzeh geriet der Motor dagegen im Jahr 2017 merklich ins Stocken: Mit 16 Punkten liegt man im eigentlich immer noch tolerablen Tabellenmittelfeld, bislang reichte es zu vier Siegen und genauso vielen Unentschieden.

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Bei Werder hingegen ist die Formstärke beeindruckend. Die vergangenen elf Spiele verloren die Bremer nicht (letzte Niederlage Anfang Februar in Mönchengladbach), zuletzt gelangen Siege gegen Hamburg, Ingolstadt und Bremen. Durch die starke Serie konnte sich die einst abstiegsbedrohte Nouri-Elf auf den sechsten Rang hochkatapultieren und liegt damit vor dem effzeh, der die gesamte Saison zwar an den europäischen Rängen schnupperte, jetzt gegen Ende aber ein wenig Federn lassen musste.

Positiver Druck in der Saisonendphase

Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

Und trotzdem kann man im Kölner Lager optimistisch in die Partie gehen: Mit zwei Remis im Rücken ist das Selbstvertrauen jetzt zwar nicht unermesslich groß, allerdings können die vernünftigen Leistungen gegen Hoffenheim und Dortmund Hoffnung geben. Um jedoch weiterhin im Rennen um die Europapokal-Plätze bleiben zu können, braucht es gegen Werder zwingend drei Punkte. Damit wäre man wieder an den Grün-Weißen vorbei und hätte vor den beiden abschließenden Saisonspielen in Leverkusen und zuhause gegen Mainz eine gute Ausgangsposition. Oh, wie schön es doch ist, dass der 1. FC Köln mit positivem Druck in die Endphase einer Saison starten kann!

Positiven Druck verspüren momentan auch die Gegner aus Bremen. Nachdem Alexander Nouri zwischenzeitlich auch schon wieder angezählt wurde und fast schon wieder auf gepackten Koffern saß, fing sich seine Mannschaft genau zum richtigen Zeitpunkt – und lässt seitdem Sieg um Sieg folgen. Werder stellt mit 31 erzielten Toren die zweitbeste Offensive der Rückrunde, zugleich hat sich auch die fast chronisch schwache Defensive gefangen. Mit nur 15 Gegentoren untermauern die Bremer ihr Bestreben, in dieser für viele Vereine so chaotischen Saison auf den Zug nach Europa aufzuspringen.

Kruse, Nouri und Bartels als Galionsfiguren

BREMEN, GERMANY - APRIL 16: Alexander Nouri, head coach of Bremen reacts during the Bundesliga match between Werder Bremen and Hamburger SV at Weserstadion on April 16, 2017 in Bremen, Germany.

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Bildlich gesprochen hetzen die Bremer gerade durch die Bahnhofshalle und haben noch nicht mal ihr Ticket entwertet. Der effzeh hat zwar länger vorbildlich am Bahnsteig gewartet, könnte jetzt aber trotzdem den Zug vor seiner Nase wegfahren sehen – nicht zuletzt, weil die Bremer sich vorbei drängeln. Doch so ist das im Sport und gerade auch in der Bundesliga.

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Wie schön es sein kann, auch einmal positive Schlagzeilen über sich lesen zu dürfen, erfährt gerade Max Kruse. Dass der Stürmer mit überdurchschnittlichem Talent gesegnet ist, steht außer Frage. In den letzten Jahren stand ihm aber meist das Außersportliche etwas im Weg, jetzt scheint er aber den idealen Flow erreicht zu haben. Für ihn stehen mittlerweile 14 Tore und fünf Assists zu Buche. Wie sich das für einen echten Bremer in dieser Saison gehört, hat Kruse den Großteil davon erst in der Rückrunde eingeheimst. Seine Bilanz mit zwölf Toren im Jahr 2017 (nur Lewandowski traf öfter) liest sich damit gar nicht mal so schlecht.

Bestechende Form & treffsichere Stürmer: Bremen kommt als Favorit

In den letzten acht Spielen traf Kruse gar zehnmal und wandelt damit auf den Spuren eines Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Sein Teamkamerad Serge Gnabry schulterte das Bremer Offensivspiel in der Hinrunde noch ganz alleine, wurde aber von einer Verletzung ausgebremst und letzthin nur als Joker eingesetzt. Die Adduktorenverletzung ist zwar überstanden, allerdings ist momentan weder an Kruse noch an Bartels ein Vorbeikommen. Auch letzterer befindet sich wie das ganze Werder-Ensemble in bestechender Form, der ehemalige Spieler von St. Pauli überzeugt allerdings mehr durch Torvorlagen.

FREIBURG GERMANY - APRIL 1: (L) Headcoach of Werder Bremen Alexander Nouri talks to Max Kruse before the Bundesliga match between Sport Club Freiburg and Werder Bremen at Schwarzwald-Stadion on April 1, 2017 in Freiburg, Germany.

Foto: Michael Kienzler/Bongarts/Getty Images

Somit sind die einzigen kontroversen Schlagzeilen, die Bremen kürzlich schrieb, personeller Natur. Wann verlängert Nouri? Wohin zieht es Gnabry in der neuen Saison? Aus sportlicher Sicht läuft eben alles fadengerade für die Grün-Weißen, weshalb sich die ortsansässige Journaille mit Personalfragen beschäftigen muss. Wer wüsste das nicht besser als die Kölner und ihr Stürmer Anthony Modeste? Denn auch für die Geißböcke lief es in dieser Saison überraschend gut, selbst wenn das absolute Formhoch wohl eher im abgelaufenen Jahr lag. Dennoch: Im Mai in der Verlosung um europäische Plätze zu sein ist dementsprechend immer noch ein Erfolg, ganz egal wie das Spiel gegen Bremen ausgeht.

Stark pfeift, Subotic mit guter Bremen-Bilanz

Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

Der Nervenkitzel des Spiels gegen Bremen dürfte allerdings ungleich höher sein als sonst, schließlich geht es um viel. Zur Beruhigung noch ein paar Zusatzinformationen: Für den 1. FC Köln steht am Freitag das 100. Bundesligaspiel seit dem Aufstieg auf dem Programm. Interessanterweise ist es gleichzeitig das 100. Pflichtspiel gegen Bremen.

Alleine aus statistischer Hinsicht ist also alles vorbereitet für einen großen Abend, dessen Bedeutung in der jüngeren Vergangenheit des effzeh wohl nicht größer sein könnte. Für die abergläubischen Fans noch der Hinweis, dass die Leitung des Spiels dem Unparteiischen Wolfgang Stark obliegt, der den effzeh bereits im Hinspiel in Bremen pfiff und dort nicht immer ganz glücklich aussah (Stichwort: Foul an Höger im Sechzehner!). Weiterhin konnte der SVW bisher noch kein Spiel gegen eine Mannschaft gewinnen, in der Neven Subotic spielte. Wenn das nicht Hoffnung gibt, wissen wir es auch nicht mehr.

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