Im Heimspiel gegen Hoffenheim sieht der effzeh sich mit einer Situation konfrontiert, die in dieser Saison völlig neu ist: Man steht gegen einen klaren Favoriten unter Druck, gewinnen zu müssen. Das war lange Zeit nicht so, doch die schlechten Leistungen der letzten Spiele haben den Druck erhöht. Es gilt, den Totalabsturz zu verhindern.

Lange Zeit schwebte der effzeh in dieser Saison auf einer Welle der Euphorie mehr oder weniger dem internationalen Geschäft entgegen. Konstant gute Leistungen, ein starker Zusammenhalt in der Mannschaft und nicht zuletzt Comeback-Qualitäten, bedingt durch kluge und richtige Schachzüge von Peter Stöger und seinem Team, machten den effzeh über weite Strecken der Saison zu einer der Bundesliga-Überraschungen der Saison. Der effzeh war endlich mal eines dieser Teams, die spät trafen, denen das Glück regelmäßig zur Seite steht, kurzum: Ein Klub auf dem Weg ins internationale Geschäft.

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Betrachtet man allerdings die Entwicklung der letzten Wochen, muss man feststellen: Das alles war mal. Pomadige Leistungen, gereizte Stimmung zwischen Mannschaftskameraden auf dem Platz, natürlich auch enormes Verletzungspech und ganz entscheidend eine Vielzahl an Gegentoren – je mehr die Saison sich dem Ende entgegen neigt, desto mehr entpuppen sich die anfangs noch zarten, irgendwann konkreten Europaträume als Luftschlösser. Für den effzeh geht es jetzt darum, den Totalabsturz zu verhindern und nicht noch in den Abstiegsstrudel zu geraten. Aktueller Wasserstand: Acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, den aktuell der jüngst vom effzeh „beschenkte“ FC Augsburg einnimmt.

Wendepunkt Augsburg

Womit wir beim sportlichen Tiefpunkt einer nach wie vor starken Saison wären. Doch der indiskutable Auftritt in Augsburg könnte, wir wollen nicht unken, am Ende als Wendepunkt zum Schlechten, als Anfang vom Ende in Erinnerung bleiben. Wie gesagt, könnte, alles nur ein gedankliches Worst-Case-Szenario. Und doch schaut man derzeit mit einem Anflug von Bauchschmerzen Richtung Köln-Müngersdorf.

So ein richtiges „Verlieren verboten!“-Spiel gab es in dieser Saison eigentlich nicht, auch das gegen Hoffenheim würde den effzeh im Falle einer Niederlage nicht in akute Not bringen, doch die nach den letzten Wochen erkennbaren leichten Risse in der effzeh-Hurrastimmung könnten sich bei einer Pleite und erst recht bei einer deutlichen in echte Gräben verwandeln. Das will keiner, deswegen muss vieles besser werden.

Das Defensiv-Problem

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Vor allen Dingen die Abwehr ist das große Sorgenkind von Peter Stöger. Schaut man auf die letzten Spiele, muss man klar sagen: Die Ergebnisse stimmten nicht, aber leider die Leistung ebenso wenig. Zweierlei Mängel also: Der sportliche Aspekt bezieht sich darauf, dass der Österreicher in der Defensive regelmäßig umbauen musste, was nicht ohne Folgen blieb (neun Gegentreffer in den letzten fünf Spielen) und der mentale, denn spätestens seit dem lustlosen Auftritt mit an Leistungsverweigerung grenzendem Einsatz in Hamburg vor drei Wochen schrillen die Alarmglocken. Dass man im Derby gegen Gladbach zweimal relativ schnell einen Rückstand ausgleichen konnte, täuscht nicht über die insgesamt dürftige Leistung hinweg und der bereits erwähnte Auftritt in Augsburg war die wohl schlechteste Saisonleistung bislang.

Blick nach unten

Was den erfolgreichen effzeh anno 2016 ausgemacht hatte, fand im Augsburg-Spiel einen extremen Kontrast. Peter Stöger und sein Team verstanden es, über weite Teile der Saison, schwächere Gegner taktisch und spielerisch zu dominieren – und zu schlagen. Diese Fähigkeit „auf Sieg zu spielen“ war die große Errungenschaft dieser Saison. Mit Beständigkeit erledigte der effzeh seine Pflichtaufgaben in der Liga. Auf der anderen Seite gab es auch gegen die in der Tabelle vor dem effzeh platzierten Terams selten Überraschungen. Der 1. FC Köln war stabil, konstant und ja, so unglaublich das klingt, ein Stück weit berechenbar geworden.

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Durch die Niederlage gegen ein spielerisch, taktisch klar unterlegenes, kämpferisch aber überlegenes Team hat der effzeh den Nimbus des gefestigten Teams aus dem oberen Mittelfeld leichtfertig verspielt. Mit Hoffenheim (Bundesliga-Bilanz aus effzeh-Sicht: fünf Niederlagen, fünf Remis, vier Siege) kommt jetzt der genaue Gegenentwurf zu Augsburg – eines der Teams der Stunde zu Gast in Müngersdorf. Die Truppe von Jung-Trainer Julian Nagelsmann ist extrem offensivstark (zweitbeste Offensive mit dem BVB hinter Bayern), überrannte vor einer Woche den Derbysieger aus Gladbach in fulminanter Weise und näher sich mit großen Schritten der direkten Champions-League-Qualifikation. Gegen dieses Hoffenheim ist der effzeh sowas von der Underdog.

Doch vielleicht könnte der 1. FC Köln sich ja zumindest noch für dieses Spiel als unberechenbare Truppe treu bleiben und einen Überraschungssieg einfahren. Danach hätte jeder gerne wieder den stabilen von Peter Stöger so souverän und erfolgreich gecoachten Klub aus dem oberen Tabellendrittel wieder. Dauerhaft.

Der Schiedsrichter
Geleitet wird die Partie vom Unparteiischen Marco Fritz aus Korb, der den effzeh in dieser Saison bei der Niederlage in Leipzig und beim Heimsieg gegen die Hertha pfiff.
So könnten sie spielen
effzeh: Horn – Klünter, Sörensen, Subotic, Heintz, Hector – Höger, Lehmann – Osako, Modeste, Bittencourt

TSG: Baumann – Süle, Vogt, Bicakcic – Toljan, Zuber – Rudy – Demirbay, Kramaric – Wagner, Szalai

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