Der 1. FC Köln bestätigt, dass man Choreos nur noch unter Angabe eines Verantwortlichen genehmigen will. Die Kölner Ultra-Gruppen lehnen das Vorgehen ab.

Schon im Vorfeld des Heimspiels gegen die TSG Hoffenheim wurde es unruhig in der Kölner Fanszene. Anlass dafür war ein Bericht im „Schwaadlappe“. Seit der Saison 2007/08 gibt die „Wilde Horde“ das Kurvenheft heraus – sowohl zur schlichten Informationsweitergabe als auch um sich kritisch mit Fanthemen auseinanderzusetzen. In der neuesten Ausgabe des „Schwaadlappe“ erklärte die größte Kölner Ultra-Gruppe nun, warum die geplante Choreo beim Heimderby gegen Borussia Mönchengladbach nicht stattgefunden hat und sorgte damit für Aufregung.

„Aufgrund diverser Meinungsverschiedenheiten zwischen FC-Führung und Ultras, über die Auslegung der 15-Jahres Choreographie der Boyz sowie unserer 20-Jahres-Choreographie, gibt es seitens des Vereins nun die Auflage, dass sich für Choreographien eine Person als Verantwortlicher erklären muss“, heißt es dort. Was die Maßnahme im Endeffekt bedeuten könne, wird ebenfalls dargelegt: „Haken an der Sache ist nur, dass die Person unterschreibt, für eventuelle Strafen des DFB, die aus eventuellen Abweichungen vom vereinbarten Motiv etc. entstehen können, zu haften.“

Drohender Regress nach DFB-Strafen

Um der Argumentation folgen zu können, bedarf es eines gewissen Vorwissens. Erst kürzlich hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Verursacher von DFB-Strafen von den Fußballvereinen durchaus in Regress genommen werden können und dem 1. FC Köln, der das Verfahren angestrengt hatte, Schadenersatz zugesprochen. Und zwar ganz unabhängig davon, dass der DFB nicht nur Strafen in einer Höhe ausspricht, die sich eher an den finanziellen Verhältnissen von Fußballvereinen als an denen von Privatpersonen orientieren, sondern auch davon, dass der DFB mitunter auch Vergehen bestraft, die es vermutlich nicht vor ein ordentliches Gericht schaffen würden – wie zum Beispiel Schmähgesänge oder manches Spruchband. So gab es bereits Strafen gegen den Chemnitzer FC, weil Fans einen „Scheiss Red Bull“-Doppelhalter gezeigt hatten.

Diese Choreografie führte zum Konflikt | Foto: Rote Böcke

Vor diesem Hintergrund – so die Argumentation der Ultras – ginge derjenige, der dieses Formular unterschreibt, das Risiko ein, sich vom Verhalten anderer, auf das er selbst nicht immer einwirken kann, abhängig zu machen. Oder wie es im „Schwaadlappe“ heißt: „Selbst wenn man also mit absolut reinem Gewissen eine Aktion anmeldet und beispielsweise irgendein Dulli unvorhergesehen mittendrin einen Rauchtopf zündet, kann man theoretisch der Gekniffene sein und sich Peter Zwegat auf Kurzwahl legen.“ Da man einerseits durch die Akzeptanz dieser Praxis indirekt DFB-Strafen „hinnehmen würde“ und es andererseits offenbar keine Person in der Szene gibt, „die dumm genug wäre, so einen Käse zu unterschreiben“, werde es erstmal keine Choreos mehr geben, erklärten die Ultras.

Verein bestätigt Maßnahme und will daran festhalten

Wir haben daraufhin beim 1. FC Köln um eine Stellungnahme zu der Berichterstattung gebeten. Der Verein bestätigte uns, dass der Ultra-Bericht den Sachverhalt korrekt darstellt und dass dieses neu entwickelte Formular verwendet wird und weiterhin angewendet werden soll. Grund für die neue Maßnahme sei die Choreografie, mit der die „Wilde Horde“ ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert hatte. „Die Choreografie im Spiel gegen Dortmund wich erheblich von der genehmigten Form ab. Sie hat nicht nur massive Kritik von Stadionbesuchern und Mitgliedern hervorgerufen, sondern auch zu Ermittlungen des DFB und der Staatsanwaltschaft geführt“, sagt Tobias Kaufmann dazu gegenüber effzeh.com. Darüber sei zudem in der „AG Fankultur“ bereits gesprochen worden. „Wir mussten daraus Konsequenzen ziehen“, erklärt der Mediendirektor des 1. FC Köln weiter. „Wer eine Choreografie anmeldet, ist dafür verantwortlich, dass sie am Ende auch der angemeldeten Fassung entspricht.“

Der Verein wird von dieser neuen Praxis also vorerst nicht abrücken. Und auch die Ultra-Gruppen machen im „Schwaadlappe“ nicht den Eindruck, als sei in jüngerer Zukunft mit ihren farbenfrohen und oft sehr aufwändigen Choreografien zu rechnen. Mit einem lakonischen „That’s the way it is…“ schließen sie ihren Bericht.

→ Mehr zum Thema: Wie DFB-Strafen in Kombination mit Regressforderungen der Vereine die Fankultur bedrohen

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1 Kommentar

  1. Leider muss ich hier den Ultras recht geben, das kann nicht die Lösung sein. Da meldet irgend jemand eine Choreo an und irgendeiner der nichts damit zu tun hat, aber unbedingt mal nen Pyro zünden wollte, macht das genau während der Choreo…50.000 Strafe…das unterschreib ich auch nicht. Man kann nicht wissen wie sich 12.000 Leute auf der Südtribüne verhalten werden…

    Da muss eine andere Lösung her…Abweichungen vom Entwurf kann man sicher ahnden, aber man kann nicht EINEN dafür verantwortlich machen, was 11.999 Andere tun könnten…da schleicht sich dann ein Kachbacher rein und zündet grünen Rauch…

    Ich weiss auch nicht, was durch die letzten Choreos für die Staatsanwaltschaft zu tun gegeben haben soll…