Die Niederlage gegen den HSV hat unser Autor verdaut, das Verhalten von Kyriakos Papadopoulos in der Schlussphase aber noch nicht. Eine Glosse. 

Zugegeben: So eine Schlussphase kann hitzig werden. Vor allem wenn man mit zwei Toren vorne liegt und der Gegner plötzlich doch für seine Mühen belohnt wird. Dass man keine Freudensprünge macht, ist klar. Und auch dass man den gerade erfolgreichen Gegenspielern nicht unbedingt dabei hilft, das Spielgerät schnell zum Anstoßpunkt zu befördern, um zügig weiterspielen und wo möglich den Ausgleich erzielen zu können, kann einem wohl auch niemand verübeln.

Soweit, so normal war das Theater nach dem Kölner Anschlusstreffer am Freitag bei der Heimpleite gegen den Hamburger SV also: Frederik Sörensen versenkte den Ball irgendwie im gegnerischen Tor, Sehrou Guirassy wollte eben diesen möglichst schnell wieder herausholen – Griechisch-Römisch inklusive. Das alles passierte natürlich nicht gerade zur Freude der Hamburger, die genau das zu verhindern versuchten. Schlussendlich landete das runde Leder dann aber doch wieder in kölschen Händen und Guirassy, Cordoba und Co. machten sich schleunigst auf in Richtung Mittelkreis.

Peinlich, peinlicher, Papadopoulos

Dann hatte Kyriakos Papadopoulos plötzlich eine Idee. Oder einen Herzinfarkt. Sicher konnte man sich angesichts der schauspielerischen Darbietung, die sich der HSV-Verteidiger nach einem beiläufigen Klaps Cordobas erlaubte, jedenfalls nicht sein. Der Kölner Angreifer hatte dem griechischen Hühnen im Vorbeigehen leicht die Brust getätschelt. Ein Schlag? Wohl kaum. Es war wohl eher eine non-verbale „Komm mal klar“-Geste. Aber Papadopoulos kam nicht klar.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 25: Kyriakos Papadopoulos of Hamburg lies on the pitch in pain during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hamburger SV at RheinEnergieStadion on August 25, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

Kyriakos Papadopoulos in „Der sterbende Schwan“ | Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Der Grieche sah vielmehr – und das muss man leider so deutlich sagen – die Chance eine rote Karte gegen Jhon Cordoba herauszuholen. „Es war ein extrem emotionales Spiel. Da habe ich mich kurz vor Schluss zu dieser Aktion hinreißen lassen“, begründet Papadopoulos das, was folgen sollte, mittlerweile gegenüber der „BILD“. Und so sanken sie darnieder, die gefühlten 105 Kilogramm fleischgewordene Theatralik. Der Hamburger schrie und zappelte, als hätte Cordoba – nachts vermutlich Maya-Priester – ihm das Herz bei lebendigem Leibe herausgerissen, um es zu essen. Oder was auch immer das lateinamerikanische Volk damals mit all den Herzen gemacht hat. Doch der neo-kölsche Kolumbianer hielt statt Papadoupoulos‘ Pumpe immer noch den Ball in Händen.

Gelb fürs Gejaule

Ersatz-Schiedsrichter Sören Storks (Felix Brych war zuvor verletzt ausgeschieden) winkte angesichts solch schlichter Schauspielerei ebenfalls nur gelangweilt ab. Aber immerhin: Dass Papadopoulos sich keine Mühe gegeben hätte, kann wirklich niemand behaupten. Die griechische Tragödie war nur allzu leicht als schlichtes Spiel zu durchschauen.

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Die Szene ist angesichts unzähliger lausiger Hollywood-Einlagen im Fußball eigentlich keine große Erwähnung mehr wert – für eine kleine ist sie aber unter diesen Vorzeichen natürlich lächerlich genug. Trotzdem: Das Theater gehört (leider) schon lange zum Spiel dazu. Deshalb würde diese Geschichte hier nun eigentlich auch enden.

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1 Kommentar

  1. Ich bin schon seit langem der Meinung, daß diese „Schauspieleinlagen“ und Schwalben direkt mit rot bestraft werden sollten. Das hat nichts mit Fussball zu tun und ist für mich eine grobe Unsportlichkeit