Aus dem Nichts zum Bundesliga-Profi – mittlerweile undenkbar? Für Lukas Klünter auf keinen Fall. Mit harter Arbeit hat sich der Youngster beim 1. FC Köln ins Rampenlicht gespielt.

Viel Zeit zum Nachdenken hatte Lukas Klünter nicht. „Ich habe erst zwei Stunden vor dem Spiel gegen Frankfurt gesehen, dass mein Name auf der Tafel auftaucht. Das war auch gut so, dann hatte ich keine Zeit mehr, nervös zu werden“, sagte der 20-Jährige nach seinem Startelf-Debüt in der Bundesliga. Völlig überraschend hatte effzeh-Trainer Peter Stöger beim wichtigen Duell gegen Eintracht Frankfurt dem jungen Verteidiger auf der rechten Abwehrseite das Vertrauen geschenkt – und wurde keineswegs enttäuscht. Klünter gewann 70 Prozent seiner Zweikämpfe, zog gleich fünfmal clever einen Freistoß und zeigte insgesamt eine blitzsaubere Leistung.

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Das sah auch sein Vorgesetzter so: „Ich finde, das hat er richtig gut gemacht. Lukas trägt den Verein im Herzen, er hat sich diesen Einsatz einfach verdient“, betonte Peter Stöger nach dem 1:0-Heimsieg über die Hessen. Auch Jörg Schmadtke lobte den Startelf-Debütanten: „Er war stabil, ist gelaufen wie ein Hase, hat sich aber auch im Zweikampf ausgesprochen geschickt verhalten“, zeigte sich der effzeh-Sportchef gegenüber dem „Geissblog“ vom Gesehenen angetan. Nur der Fitnesszustand des Youngsters, der am Ende der Partie doch etwas auf der Felge lief, machte ihm augenzwinkernd Sorgen: „Der ist nicht richtig austrainiert. Der hatte Krämpfe“, sagte Schmadtke mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Steigerung in der Winterpause

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Dass der Youngster in dieser Saison noch eine Rolle spielen würde, war so nicht zu erwarten. Der gebürtige Euskirchener, der 2014 vom Bonner SC ans Geißbockheim wechselte, schien beim 1. FC Köln nahezu abgemeldet zu sein. Während fast jeder Profi im Laufe der Spielzeit eine Chance erhielt, wirkte Klünter mehr wie das fünfte Rad am Wagen, ein Abschied im Sommer durch den ausgelaufenen Vertrag sinnvoll.

Aufgeben war aber keine Option für den pfeilschnellen Abwehrspieler – bereits in der Wintervorbereitung punktete er mit einem starken Auftritt in Bochum, als er den Siegtreffer von Christian Clemens durch einen beherzten Lauf vorbereitete. Schon damals sah Peter Stöger Fortschritte bei seinem Schützling: „Man hat schon in den letzten Wochen der Meisterschaft im Training gesehen, dass er in seinen Aktionen klarer wird. Er war bei der U 21 immer einer der Besseren. Dass er die Schnelligkeit hat, war ja bekannt. Er muss nur lernen, sie richtig einzusetzen. Und es freut uns, das er jetzt gesehen hat, dass es funktionieren kann“, sagte der Österreicher im Winter.

„Manchmal muss man eben auch die Ellbogen ausfahren können“

Lukas Klünter (oben, 5.v.l.) in der U17 des SSV Weilerswist (Foto: Stefan Kühlborn)

Lukas Klünter (oben, 5.v.l.) in der U17 des SSV Weilerswist (Foto: Stefan Kühlborn)

Ansporn für den in Erftstadt aufgewachsenen und beim SSV Weilerswist fußballerisch groß gewordenen Rechtsfuß, der eine ungewöhnliche Karriere hingelegt hat. Ohne Ausbildung in einem Nachwuchsleistungszentrum schafft Klünter den Sprung in die Bundesliga. „Ich habe schon früh gesehen, dass Lukas die Anlagen zum Profi hat“, erklärt uns Volker Sauré, der Klünter sieben Jahre lang in Weilerswist trainierte. „Ich hatte nur manchmal die Sorge, dass er zu zurückhaltend, zu höflich und zu schüchtern für das harte Geschäft sein könnte. Manchmal muss man eben auch die Ellbogen ausfahren können.“

Beispielhaft steht dafür eine Geschichte aus der C-Jugend: Ein Mannschaftskollege Klünters sollte beim FC vorspielen, auch der junge Lukas hätte sich vorstellen dürfen. Er lehnte ab, er hatte die Befürchtung, nicht gut genug zu sein. Kurz darauf wechselt Klünter zum Euskirchener TSC, steigt sensationell in die Bundesliga auf und steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Weiter beim ETSC als A-Jugendlicher in der Mittelrheinliga oder zum Bonner SC und es in der U19-Bundesliga versuchen? Klünter wagt auf Anraten seines alten Trainers den Sprung – und fällt durch seine Leistungen dem FC auf, der ihn im Sommer 2014 nach Köln lotst.

„Ich war schon als kleiner Junge im Stadion, in der Familie meines besten Freundes sind alle leidenschaftliche FC-Fans, da habe ich schon immer mitgefiebert. Ich bin mit ganzem Herzen dabei.“

Klünter: „Ich habe schon immer mit dem 1. FC Köln mitgefiebert“

Dort macht er, der noch in Weilerswist auf der 10 agiert hatte, zielstrebig als Defensivexperte Karriere: Jugendnationalspieler, Profikader, Karriere auf der Überholspur. „Das war bei mir in der Tat der etwas andere Weg, den es so nicht mehr häufig gibt“, gesteht Klünter in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ein Weg, der den Youngster zu seinem Lieblingsverein bringt: „Ich war schon als kleiner Junge im Stadion, in der Familie meines besten Freundes sind alle leidenschaftliche FC-Fans, da habe ich schon immer mitgefiebert. Ich bin mit ganzem Herzen dabei“, erklärt er.

SINSHEIM, BADEN-WUERTTEMBERG - APRIL 03: Lukas Kluenter of 1. FC Koeln lies on the pitch during the Bundesliga match between 1899 Hoffenheim and 1. FC Koeln at Wirsol Rhein-Neckar-Arena on April 3, 2016 in Sinsheim, Germany.

Foto: Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images

2016 dann nach mehreren Kadernominierung endlich das Bundesliga-Debüt, das für Klünter alles andere als optimal läuft. In Hoffenheim bringt ihn Peter Stöger, um die knappe 1:0-Führung über die Zeit zu bringen. Der Youngster wirkt nervös, verstolpert erst einen Ball und geht dann in der Nachspielzeit in einen Zweikampf mit Eduardo Vargas, der Klünter resolut abräumt. Ein klares Foul, das aber nicht gepfiffen wird. Die Gastgeber kommen, während der junge Kölner verletzt auf dem Boden liegt, zum glücklichen Ausgleich. Klünter fällt danach erst einmal mit einer Blessur aus, verpasste das Nachbarschaftsduell gegen Leverkusen – und spielte danach in den sportlichen Planungen offenbar keine Rolle mehr.

Eine außergewöhnliche Geschichte

Bis zu diesem Dienstagabend Anfang April gegen Eintracht Frankfurt. Klünter kommt von Beginn an zum Einsatz und sorgt auch für stolze Gesichter bei seinen alten Weggefährten. „Ich kenne niemandem, der ihm das nicht gönnt. Lukas ist einfach ein höflicher Kerl“, schildert Sauré seine Emotionen. Klünters ehemaliger ETSC-Coach Helge Hohl postet auf Facebook: „Eine außergewöhnliche Geschichte, für einen Spieler, der bis zur U17 nie höher als Sonderliga gespielt hat… Ich freue mich sehr für Dich – Du hast es mit Deiner bescheidenen und demütigen Art mehr als verdient!“, schreibt er auf dem Account seiner Fußballschule.

Und der junge Rechtsverteidiger verdient sich damit vielleicht sogar einen Auftritt im nächsten wichtigen Spiel: Das rheinische Derby gegen Borussia Mönchengladbach wartet auf den effzeh. Mit Lukas Klünter? Das wäre diesmal keine Überraschung mehr. Für den FC-Fan in Klünter aber eine riesige Herausforderung – vor einem Jahr gegen Leverkusen wollte er mit „ganzen Herzen“ dabei sein. Das dürfte am Samstag kaum anders sein!

Text: Thomas Reinscheid
Mitarbeit: Stefan Kühlborn

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