Mit der Entscheidung, die Weltmeisterschaft auf 48 Teilnehmer aufzublähen, sorgt die FIFA für großes Entsetzen bei den Fußball-Fans. Es ist an der Zeit, mit der Fernbedienung abzustimmen.

Als Kind, so bilde ich mir ein, kannte ich nur zwei Zustände: Entweder ich war hungrig oder mir war schlecht. Meistens war ich hungrig, auch wenn ich bereits genug gegessen hatte. Manchmal war mir übel, weil ich doch bereits genug gegessen hatte und dennoch danach den halben Süßigkeitenschrank wegputzte. Satt? Die Bedeutung war mir unbekannt. „Dä friss mir noch de Hoore vum Kopp“, war in meiner Familie im Umgang mit meinen Nahrungsgewohnheit bald ein geflügeltes Wort. Ich mutterseelenallein in der Süßwarenabteilung? Für mich als Panz vermutlich die Erfüllung eines Weihnachtswunsches, für andere wohl der Alptraum der Geschichte.

So wie ich mich als Kind in der Süßwarenabteilung vorstelle, muss sich auch die FIFA fühlen. Das Gefühl der Sättigung will einfach nicht eintreten. Gemäß dem Olympischen Motto dreht der Fußballweltverband das Rad immer weiter, immer höher, immer schneller. Egal, welchen Skandal die FIFA produziert, welche Schnapsidee sie hervorbringt und wie die Hauptdarsteller auch agieren: Das Geschäft namens Fußball boomt, der Rubel rollt in unvorstellbaren Dimensionen. Der neueste Coup: Eine WM mit 48 Teilnehmern. Ab 2026 wird das Teilnehmerfeld erhöht. Der Vorteil: 16 weitere Nationen können an dem Megaevent partizipieren. 16 weitere Nationen, in denen der FIFA WorldCup™ auf Hochtouren vermarktet werden kann. Um 20 Prozent höhere Einnahmen verspricht sich der Weltverband davon, noch mehr Nahrung für das unersättliche Business, das aus unserem Sport geworden ist.

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Diese Gier nach noch mehr Geld ist es, die den Fußball offenbar allerorten antreibt. Gepaart mit sportpolitischen Erwägungen (schließlich muss auch ein FIFA-Präsident wiedergewählt werden!) ist eine toxische Mixtur perfekt, die einem die Lust an der schönsten Hauptsache der Welt vergällt. Immer weiter vollstopfen – Geld fressen, bis man platzt. Es droht die komplette Überreizung des eigenen Blatts, schon heute macht sich hier und da Fußball-Müdigkeit breit. Ein Turnier, das eigentlich die Crème de la Crème präsentieren sollte, derart aufzublasen, ist bereits bei der zurückliegenden EM krachend gescheitert. Das Niveau wird enorm verwässert, viele Spiele waren unerträglich langweilig, selbst die Qualifikation für die Endrunde massiv abgewertet. Irgendwo las ich den Vergleich mit der Mini-Playback-Show – ich hätte gelacht, wenn es nicht so traurig wäre.

Doch solange wir alle auch 2026 nachts aufstehen, um uns bei der WM in China den Klassiker Costa Rica gegen den Kongo (derzeit 48. der furchtbar aussagekräftigen Coca-Cola-Weltrangliste) reinzuziehen, wird sich daran nichts ändern. Es ist an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen und dieser Entwicklung die kalte Schulter zu zeigen. Und ganz ehrlich: Allzu schwer macht es uns der Fußball derzeit im globalen Kontext nicht. Nach den Endrunden in äußerst sympathischen Staaten wie Russland 2018 und Katar 2022 also die Mammut-WM mit 48 Teilnehmern. Es ist an der Zeit, mit den Füßen und der Fernbedienung abzustimmen, was wir von solch durchschaubaren Manövern halten. Damit auch die FIFA endlich einmal kennenlernt, wie sich der zweite Zustand nach hungrig anfühlt. Es ist nämlich tatsächlich zum Kotzen, in welche Richtung sich der internationale Fußball aktuell bewegt.

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