Bisher gab es für den 1. FC Köln in dieser Saison nicht viel zu lachen. In Stuttgart soll mit einem Auswärtssieg die Trendwende eingeleitet werden – hoffentlich.

Nachdem der 1. FC Köln seit Anfang September in vier Wochen sieben Spiele absolvieren musste, hatten Mannschaft, Trainer und Fans seit dem Spiel gegen Leipzig zwölf Tage, um durchzuatmen – und die bisherige, einigermaßen verkorkste Saison Revue passieren zu lassen. Gewiss, die Frustration auf Seiten der Fans war mindestens genauso groß wie die der Mannschaft.

Abstand gewinnen hilft in einer schwierigen Phase

Es tat sogar ganz gut, sich nach dieser intensiven Phase ein bisschen weniger mit dem 1. FC Köln auseinanderzusetzen als sonst. Doch spätestens im Vorfeld der Partie gegen den VfB Stuttgart zum Auftakt des achten Bundesliga-Spieltags steigt sie wieder, die Vorfreude. Und auch die Lust, endlich weiterzumachen und den ersten Sieg in der Saison zu holen.

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Mit dem VfB Stuttgart erwartet den effzeh am Freitag ein Aufsteiger, der aus den bisherigen sieben Spielen sieben Punkte holen konnte – mit ganzen vier erzielten Toren. Zuhause ist die Mannschaft von Trainer Hannes Wolf noch unbesiegt und ohne Gegentor, gegen Mainz und Wolfsburg gewann man jeweils mit 1:0 und von Augsburg trennte man sich mit einem torlosen Unentschieden. Die vier Auswärtsspiele gingen jedoch allesamt verloren, zuletzt auf denkbar bittere Art und Weise in Frankfurt. Dort erzielte Sébastien Haller, der ja auch den effzeh-Fans mittlerweile ein Begriff sein dürfte, in letzter Minute das 2:1 für Frankfurt. Für den VfB ist das Aufeinandertreffen mit dem effzeh daher schon von großer Bedeutung, um nicht in die Abstiegszone abzurutschen.

Stuttgart: Guter Kader, sinnvolle Verstärkungen

Der VfB ist seit dem Heimsieg gegen Wolfsburg ohne Erfolg geblieben, nachdem das Spiel weniger durch den Sieg als durch die schlimme Verletzung von Kapitän Gentner in Erinnerung blieb. Sportvorstand Michael Reschke sagte unter der Woche sogar gegenüber den Stuttgarter Nachrichten, er hätte „Bauchschmerzen“, wenn er an das Spiel gegen Köln denke – es habe eine „hohe Bedeutung für beide Teams.“

Das kann man zumindest aus Sicht des effzeh vorbehaltlos unterschreiben, da die Mannschaft von Peter Stöger nach den zuletzt schlechten Ergebnissen unter großem Druck steht. In Stuttgart hingegen ist man mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden, startete man doch als Aufsteiger in die Spielzeit. Wie wir wissen, ist der VfB allerdings kein „normaler“ Aufsteiger: Die Mannschaft verbrachte ja nur ein Jahr in der zweiten Liga und konnte sich vor der Saison mit gestandenen Bundesliga-Profis verstärken. 

Hat einen guten Mix aus Jung und Alt zur Verfügung: Hannes Wolf | Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Mit Torwart Ron-Robert Zieler, Holger Badstuber, Andreas Beck und Dennis Aogo kamen erfahrene und erprobte Akteure nach Stuttgart, die in Hinblick auf Kosten, Nutzen und Risiko eigentlich nur einschlagen konnten. Im Tor konnte sich Stuttgart ausgehend von einer guten Basis mit Langerak jetzt mit dem ehemaligen Kölner und Weltmeister Zieler sogar noch verbessern, für die Außenbahnen würden mit Beck und Aogo solide Verpflichtungen getätigt. Die Qualitäten von Holger Badstuber sind bekannt, der Ex-Münchner ist ein überdurchschnittlich guter Innenverteidiger mit einem unterdurchschnittlich stabilem Körper.

Jung und wild, alt und erfahren: Die Mischung macht’s

Hinzu kommt, dass Hannes Wolf mit Chadrac Akalo, Santiago Ascasibar und Dzenis Burnic drei talentierte und entwicklungsfähige jüngere Spieler in seinen Kader einbauen konnte. Die beiden Innenverteidiger Timo Baumgartl und Benjamin Pavard (an dem der effzeh interessiert gewesen sein soll) waren in der Aufstiegssaison bereits wichtige Säulen. Dementsprechend scheint der Mix aus Jung und Alt beim VfB zu passen. Aus Kölner Perspektive schaut man sogar etwas neidisch nach Schwaben, wenn es um die Besetzung der Mittelstürmer-Position geht: Dort verfügt der VfB mit Ginczek und Terodde über zwei klassische Zielspieler, über die mancher sich auch in Köln gefreut hätte.

Die Kaderplanung erscheint also auf den ersten Blick stimmig. Genauso verhält es sich mit der taktischen Ausrichtung der Stuttgarter, die in den bisherigen Spielen versuchten, mit einer guten defensiven Ordnung ins Konterspiel zu kommen. In Hinblick auf das Spiel gegen den effzeh wird es sich wohl, was den Matchplan von Wolf angeht, ähnlich verhalten. Fraglich ist auf Seiten des VfB der Einsatz von Akolo, den eine Erkältung plagte. Die Langzeitverletzen Mané, Gentner und Zimmermann fehlen ohnehin.

Osako und Lehmann werden hoffentlich rechtzeitig fit

In der Domstadt hofft man unterdessen darauf, die Länderspielpause sinnvoll genutzt und an den vorliegenden Defiziten gearbeitet zu haben. Wie Peter Stöger in diversen Medien mehrfach betonte, seien Spirit und Zusammenhalt in der Gruppe nach wie vor intakt, weshalb er sich auch immer noch als geeigneten Trainer sieht. Durch die intensivere Arbeit in den letzten Tagen, die in dieser Form durch die Vielzahl der Spiele in der jüngeren Vergangenheit eben nicht möglich war, hofft Stöger darauf, dass seine Mannschaft die Kurve bekommt: „Wir hinterfragen uns alle und wir arbeiten gemeinsam daran, uns in verschiedenen Bereichen zu verbessern.“

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Diese Besserung wird auch nötig sein, um in Stuttgart punkten zu können. Bei dieser Aufgabe werden Stöger die Langzeitverletzten Hector, Risse, Nartey und Cordoba fehlen. Kapitän Matthias Lehmann musste zuletzt etwas kürzertreten, dürfte aber ebenso ein Kandidat für die Startelf sein wie Yuya Osako. Der Japaner bestritt zuletzt in seiner Heimat zwei Länderspiele und kehrte erst am Mittwochnachmittag nach Köln zurück. In welcher Formation Stöger seine Mannschaft ins Rennen schickt, dürfte wie immer eine interessante Frage werden.

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Klar ist, dass die beiden Hoffnungsträger Handwerker und Pizarro aus unterschiedlichen Gründen wahrscheinlich erst als Joker zum Einsatz kommen werden. Beim jungen Außenspieler Handwerker sind die Qualitäten offenkundig, wie er gegen Leipzig unter Beweis stellte. Allerdings mangelt es dem Linksfuß bisweilen an der Konzentration, wie Stöger gegenüber dem „Geissblog.Köln“ äußerte.

Beim Peruaner hingegen dürfte die nötige Fitness für einen Startelf-Einsatz noch fehlen, Einfluss auf das Spiel des effzeh nehmen dürfte der 39-Jährige wohl erst in einer späteren Phase des Spiels. Bis dahin sollte es der effzeh vermieden haben, ein Gegentor zu bekommen – dazu wäre eine Aufstellung mit drei Innenverteidigern eventuell hilfreich. Wie auch immer Stöger und sein Team die Aufgabe angehen: Es wird Zeit für einen Sieg und den Neustart im Schwabenländle. Ganz egal wie.

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