In Claudio Pizarro sichert sich der 1. FC Köln einen erfahrenen Torjäger. Warum die Verpflichtung mehr Chancen als Risiken birgt und der Versuch sich für den effzeh lohnt.

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Wenige Tage haben sich derart in mein fußballerisches Gedächtnis eingebrannt wie der 5. November 2011. 2:0 führte der 1. FC Köln in Bremen zur Pause – um dann in einer kuriosen zweiten Hälfte von Schiedsrichter Michael Weiner, der dem effzeh im ganzen Spiel zwei glasklare Strafstöße verwehrte, und einem wie entfesselt aufspielenden Claudio Pizarro um die Punkte gebracht zu werden. Gleich dreimal netzte der Peruaner nach der Pause ein und drehte die Partie im Alleingang zugunsten der Jungs von der Weser. Der ständige „Claudio“-Ruf des Stadionsprechers ertönt heute noch in meinen Ohren, wenn der Stürmer irgendwo Thema ist.

Ab sofort ist der fast 39-Jährige ein großes Thema rund um den 1. FC Köln – denn die „Geißböcke“ holten den Angreifer aufgrund der eigenen Offensivproblematik aus dem vorzeitigen Ruhestand. Während in Bremen keine Verwendung mehr für den abgezockten Torjäger war, soll Pizarro nun die Mannschaft von Trainer Peter Stöger aus der Krise ballern. Keine schlechte Idee, schoss der effzeh doch in acht Pflichtspielen (lassen wir den Pokal außen vor) lediglich zwei Treffer. An Chancen mangelte es dem Team keinesfalls, doch vor dem gegnerischen Tor verzweifelten die Kölner reihenweise.

Torjäger, Führungsspieler, Vaterfigur

Abhilfe soll nun ein Spieler schaffen, der in der Bundesliga mehrfach nachgewiesen hat, zu den torgefährlichsten Akteuren zu zählen. Kein Ausländer traf in der Beletage des deutschen Fußballs häufiger, keiner schoss mehr Ligatore für Werder Bremen als Claudio Pizarro. Der Peruaner gilt als ebenso kaltschnäuzig wie spielstark, kann Bälle im Angriff festmachen, verteilen und letztlich auch verwerten. Ein Profil, das ihn einst zu den begehrtesten Stürmern des Kontinents gemacht und zu Renommierklubs wie Bayern München und Chelsea FC geführt hat. Von solchen Großtaten ist Pizarro zwar etwas entfernt, doch könnte er beim effzeh zum wichtigen Puzzlestück werden.

Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert: Mit seiner Erfahrung und seinen Qualitäten kann Pizarro in kurzer Zeit wichtig für das Team werden. Er nimmt schon allein dank seiner Präsenz Druck von den anderen Stürmern, kann im Spiel auch aufgrund seiner bekannten Torgefahr Lücken reißen, in die Mannschaftskollegen stoßen werden. Auch außerhalb des Platzes dürfte Pizarro einen hohen Stellenwert einnehmen: Seine Vita spricht für sich, der Peruaner ist mit allen Wassern gewaschen und dürfte in dem jungen Kölner Team sofort eine Führungsrolle einnehmen. Gerade für den ausschließlich Spanisch sprechenden Sturmkollegen Jhon Cordoba kann der routinierte Lateinamerikaner zu einer Art Vaterfigur mutieren.

Der Pizarro-Deal: Viel Chance, wenig Risiko

Dazu bleibt die Frage: Was wären die Alternativen gewesen? So weitermachen, nur um sich nicht nachsagen zu lassen, man hätte im Sommer schlecht gearbeitet? Das dürfte auch nicht im Sinne des Erfinders sein. Gerade angesichts der Flaute im Angriff war Handlungsbedarf gegeben, der frühzeitige und nicht eingeplante Abschied von Artjoms Rudnevs (effzeh.com berichtete) hat die Überlegungen sicherlich noch einmal verdeutlicht. In dieser Situation nicht zu handeln und auf das vorhandene, aber letztlich derzeit durchhängende Personal zu setzen wäre fahrlässig gewesen. Mit Pizarro war auf dem Markt eine Alternative verfügbar, die, sofern in akzeptabler Spielfitness, in der Bundesliga funktionieren dürfte.

BREMEN, GERMANY - NOVEMBER 05: Claudio Pizarro of Bremen and Michael Rensing of Koeln chat after the Bundesliga match between Werder Bremen and 1. FC Koeln at Weser Stadium on November 5, 2011 in Bremen, Germany. (Photo by Joern Pollex/Bongarts/Getty Images)

Foto: Joern Pollex/Bongarts/Getty Images

Viel Chance, wenig Risiko: Der effzeh wäre blöd gewesen, sich diese Möglichkeit entgehen zu lassen. So kurzfristig ließ sich bei der Sturmflaute nicht besser Abhilfe schaffen – und diese Größe, Fehler einzugestehen und zu korrigieren, muss man als Verantwortlicher auch erst einmal haben. Am 5. November 2011 habe ich mir gewünscht, einmal einen abgezockten Klasse-Stürmer wie Pizarro im effzeh-Trikot sehen zu dürfen. Einen Hund, wie ihn Fritz von Thurn und Taxis nennen würde, einen mit allen Wasser gewaschenen Torjäger. Jetzt ist es soweit: Auf diesen Versuch sollte man es ankommen lassen. Wir können es derzeit dringend gebrauchen!

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