© effzeh.com

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Ein Transfer und viele Meinungen. Patrick Helmes spielt wieder für den Effzeh. Wo die einen vor allem den sportlichen Qualitätsgewinn sehen, erinnern sich die anderen an seinen ablösefreien Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen. Aber auch in Sachen Kaderentwicklung sieht so mancher noch Fragezeichen. effzeh.com bringt mal etwas Struktur ins Meinungsdickicht. Erst pro, dann contra und dann quer durch die Bank. Klickt euch einfach am Ende der Seite durch! 

 

Pro Helmes – Ein Kommentar von Luka Klein

Beim Poldi damals, da wurden die Gesichtszüge der Leute weich, als das passierte, was zuvor niemand für möglich gehalten hätte: Die Rückkehr des verlorenen Sohns. Eigentlich hat er nun auch nur kurz das elterliche Haus verlassen, um sich die Welt anzusehen. Man hat ihn im Wissen ziehen lassen, dass er an Weihnachten und überhaupt eines Tages zurückkehren wird, in das Haus, in dem er aufwuchs. In dem es auch durchaus Streit und Missgunst gab. Woran man sich aus der Ferne aber nicht mehr erinnert, weil die Erinnerung glorifiziert wird.

Bei Patrick Helmes fühlt sich die Erinnerung anders an. Weil Helmes nie den direkten, kurzen Weg in die Herzen der effzeh-Fans fand. Da war immer eine gewisse unterkühlte Distanz spürbar. Selbst als Helmes Kapitän war, flogen ihm weniger Sympathien zu als einem Poldi.

Insofern wird es nicht überraschen, wenn dieser Transfer nun – zumindest in gewissen Teilen der Fanlager – polarisieren wird. Schließlich endete die letzte Liaison effzeh/Helmes nun auch nicht wirklich harmonisch, man kann auch sagen: Auch Helmes hat damals Fehler gemacht.

Doch wie ist diese Rückkehr nun zu bewerten? Nähern wir uns der Antwort über verschiedene Ebenen:

Sportlich dürfte jedem klar sein, dass die Verpflichtung eines solchen Spielers für uns einen Quantensprung darstellt. Helmes weiß, wo das Tor steht. Er ist beidfüßig und sucht immer den direkten Abschluss und strahlt zu jeder Sekunde eines Spiels eine ungeheure Torgefahr aus. Hier wird er uns nicht nur aktuell helfen, sondern Ujah und Pritsche perspektivisch zudem auch einiges mit auf den Weg geben können. Sie sollten in Helmes nicht nur einen Kontrahenten sehen, sondern die unbezahlbare Chance, aus nächster Nähe einiges zu lernen. Darüber hinaus ist in den letzten Wochen deutlich geworden, dass Pritsche ein guter Junge, ein tolles Talent ist. Ihm aber aufzubürden, neben Ujah nun direkt voll und ganz zu funktionieren, könnte seine Entwicklung verzögern, ihn hemmen. Er ist in meinen Augen noch nicht so weit, um fest etabliert zu sein. Er muss spürbar noch reifen, und wo ginge dies besser als an der Seite eines erfahrenen Spielers? Gleiches gilt auch noch in Teilen für Ujah. Zudem ist zu hoffen, dass Helmes wesentlich aktiver am Spielaufbau beteiligt sein wird. Dass also durch seine Hereinnnahme das generelle Spiel nach vorne flüssiger laufen wird.

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Zwischenmenschlich wird es spannend zu beobachten sein, wie die organisch zusammengewachsene Mannschaft mit einem derart prominenten neuen Teammitglied zurechtkommen wird. Es sollte klar sein, dass ein Stürmer dieser Kategorie zunächst die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Aber: Abseits des vollen Aufmerksamkeitspegels lässt es sich für das restliche Team auch gut leben. Vor allem im mitunter hysterischen Köln, wo sich das Umfeld und die Medien gerne auf Einzelpersonen stürzen. Nachzufragen bei Lehmann. Insofern hat das teilweise recht brave und unerfahreneTeam nun einen mit allen Wassern gewaschenen Mann in seinen Reihen, der den Kopf rausstrecken kann, wenn es einmal windig werden sollte. Sowohl auf dem Platz, als auch daneben.

Emotional betrachtet, wird Helmes von den Fans wahrscheinlich ambivalent aufgenommen werden. Hier bleibt festzuhalten: Wir haben alle auf einen guten Neuzugang gehofft, der uns sofort weiterhelfen kann. Nun haben wir mit Helmes jemanden, bei dem – sollte er gesund bleiben – ein deutlicher Qualitätszuwachs  garantiert ist. Der funktionieren, brennen und uns helfen wird. Da stellt sich dann schon die Frage, ob wir es uns eigentlich in unserer Situation erlauben können, einen solchen Spieler nicht mit offenen Armen zu empfangen. Jemanden seiner Klasse, der bewusst von der ersten in die zweite Liga wechselt, um wieder bei dem Verein spielen zu können, bei dem seine Karriere damals begann. Und dessen Geschichte er für sich offenbar noch nicht zu Ende erzählt hat. Wenn man an die wenig glücklichen Begleitumstände seines damaligen Weggangs zurückdenkt (auch unglücklich begleitet von der damaligen Führung des effzeh!), könnte man ihm den Wechsel zu B04 nach wie vor übel nehmen. Man könnte aber auch argumentieren, dass sich durch seine Rückkehr nun ein Kreis schließt und die Zeit beim Werksclub für seine spätere Retrospektive zu einer kleinen Randnotiz wird. Dass der effzeh ihm offenbar doch wesentlich näher geht, als man bei seinem Weggang vermutet hatte. Unbedingt vermeidbar sollte es aber so oder so sein, einem Spieler des effzeh mit zu viel Ablehnung zu begegnen und ihm keine Chance zu bieten, einen Fehler zu korrigieren. Das betrifft diesen besonderen „Fall“ ebenso wie jeden anderen, ganz „gewöhnlichen“ Neuzugang wie auch alle anderen vorhandenen Spieler.

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Zusammenfassend kann ich dem Transfer nichts Schlechtes abgewinnen. Wehrle und Schmadtke werden das finanzielle Risiko in Grenzen halten, wir haben einen Spieler, der uns sofort weiterhelfen kann und noch dazu kann es zu einer Versöhnung zwischen Helmes und dem ihm gegenüber negativ eingestellten Publikumsteilen kommen, wenn beide Seiten aufeinander zu gehen. Und wer weiß? Vielleicht trifft er in diesem effzeh-Abschnitt seines Lebens nicht nur die Tore kurz, hart und direkt, sondern auch die Herzen der Fans.

Herzlich Willkommen, zurück, Patrick Helmes!

 

 

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1 Kommentar

  1. Helmes ist eine absolute Verstärkung, auch menschlich. Bei seiner Qualität hätte er auch zu vielen 1.-Ligisten wechseln können. Der Dino HSV wäre glücklich gewesen, solch einen Spieler zu bekommen.