Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft lügt auf Nachfrage mehrmals bezüglich seines Polizistengehaltes. Doch auch vorher gab es schon ausreichend Gründe, Rainer Wendt den Rücktritt nahezulegen. Ein Kommentar.

Schau an, Rainer Wendt hat also jahrelang Geld für Arbeit kassiert, die er nie gemacht hat. Das hat das ARD-Politmagazin „Report München“ herausgefunden. Hunderttausende Euro soll der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG), der sich in der Vergangenheit auch gerne in Fußballthemen geäußert hat, kassiert haben. Was die Angelegenheit erst richtig amüsant werden lässt, ist aber dass Wendt die Vorwürfe gegenüber der ARD-Redaktion zunächst explizit bestritten hat – nur um dann später einzuräumen, dass er doch als Hauptkommissar bezahlt wurde. Wendt ist also ein Arbeitnehmervetreter, der sich auch von seinem Arbeitgeber bezahlen lässt. Eine merkwürdige Konstellation.

Was folgte, war eine ganze Wagenladung voll Häme, Kritik und Entrüstung, die sich über dem langjährigen CDU-Mitglied ergoss. Bodo Ramelow, Regierungschef in Thüringen, zog prompt den Vergleich mit der „Raupe Nimmersatt“ und SPD-Chef Ralf Stegner erklärte auf Twitter: „Große Töne spucken aber mit der Wahrheit auf Kriegsfuß“.

Ramelow, Stegner, Böhmermann – Kritik von allen Seiten

Jan Böhmermann – spontan in der Rolle des Vorsitzenden der Deutschen Polizistensohn Gewerkschaft – fragte: „Was muss noch passieren, dass Justiz und Politik konsequent gegen Sozialschmarotzer vorgehen?“ Und weiter: „Das alles hätte verhindert werden können, hätte der Rechtsstaat Rainer Wendt konsequent und frühzeitig in ein sicheres Herkunftsland abgeschoben“, spielte der Satiriker auf die meist populistisch-plumpen Forderungen des Gewerkschaftsvorsitzenden an. Mögliche Zieldestinationen lieferte er natürlich auch gleich noch mit: „Phantasialand, Legoland“.

Wendt, der sich in der Vergangenheit lautstark und häufig über eine „kaputtgesparte Polizei“ beklagt hatte, und vor nicht allzu langer Zeit viel Lob von Frauke Petry für seinen „Klartext“ in seinem Bestseller „Deutschland in Gefahr“ eingeheimst hat, bestätigte den Vorgang mittlerweile auch gegenüber dem „Spiegel“. „Ich gehe davon aus, dass das rechtmäßig war“, erklärte der Gewerkschaftsboss. Natürlich. Es sei lediglich eine Verwaltungspraxis weitergeführt worden. Natürlich. Und auch als Bundesvorsitzender will er – natürlich – weitermachen.

So stellt sich allerdings wirklich die Frage, wer die Verantwortung in dieser Sache eigentlich trägt. Wendt, der zwar nach seinem misslungenen Interview flott einen Antrag auf vorzeitigen Ruhestand gestellt hat und daher sein Gehalt bald schon nicht mehr beziehen wird, oder etwa das Land Nordrhein-Westfalen, in dieser Angelegenheit vertreten durch SPD-Innenminister Ralf Jäger. Das sollen aber ruhig Juristen klären.

Denn dringlicher ist doch eigentlich die Frage, ob jemand, der auf mehrfache Nachfrage gegenüber Journalisten lügt, als das Gesicht der deutschen Polizei auftreten sollte, oder eher nicht. Wendt selbst macht jedenfalls bisher keine Anstalten, Konsequenzen aus diesen dokumentierten Falschaussagen zu ziehen. Gemessen an den knallharten Law-and-Order-Standpunkten, die er öffentlich vertritt, ist das eine reichlich inkonsequente Haltung.

Hartes Durchgreifen – von aber nicht gegen Wendt?

Dabei neigt Wendt sonst doch so zum harten Durchgreifen! Und nun soll eine offensichtliche, dreiste Lüge nicht Grund genug sein, um seinen Rücktritt einzureichen? Vielleicht sollten die Mitglieder der Deutschen Polizeigewerkschaft ihren Boss also mal an seinen eigenen Worten messen. Denn neben rechtspopulistischen Schreckensszenarios und Gefasel von „Lebensgefahr“ in deutschen Fußballstadien hat ihr Chef auch immer „Klartext“ (Frauke Petry gefällt das) auf Lager – also zumindest, wenn es nicht um ihn selbst geht. „Thierse ist eine Schande für das deutsche Parlament, er muss zurücktreten“, forderte Wendt einst, als Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse es wagte, einen Polizeieinsatz bei einer Demonstration zu bemängeln. Dass mittlerweile er selbst – nicht nur wegen der Lüge um sein Gehalt – die Schande für die deutsche Polizei ist, merkt ein Rainer Wendt (das ist nicht überraschend) aber offenbar genauso wenig wie seine Gewerkschaft (das ist überraschend). Dabei ist die Lösung allen Übels doch kinderleicht. Auf Englisch gibt’s da eine tolle Redewendung: „Practice what you preach“, sagt man da. Und wenn das noch zu poetisch ist, dann hilft das gute, alte Deutsch: „Er muss zurücktreten.“

Du brauchst noch mehr Gründe, um für einen Rücktritt zu sein? Dann haben wir hier die Zitatsammlung des Grauens für Dich. Wir haben die „Highlights“ von Rainer Wendt dokumentiert. Denn niemand könnte besser verdeutlichen, wie Wendt tickt, als er selbst. Hier geht’s zum Best of… Rainer Wendt!

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