Von „Nacht der Schande“ bis zum „schönsten Tag unseres Lebens“: Die Reaktionen auf die Rückkehr des 1. FC Köln in den Europapokal fallen zwiespältig aus. Das ist passiert – und das sagen Fans & Medien!

Text: Thomas Reinscheid / David Schmitz

Wer als nach London gereister Fan des 1. FC Köln nach dem Abpfiff der Partie bei Arsenal das Smartphone bemühte, um die Nachrichten aus der Heimat zu checken, der dürfte sich ziemlich schnell wie einem Paralleluniversum gefühlt haben. Eine „Nacht der Schande“ hätten die effzeh-Fans rund um das Emirates bereitet, Deutschland, Köln und seinen glorreichen Fußball-Club bis auf die Knochen blamiert und für schreckliche Szenen gesorgt.

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Deutschlands größtes Boulevardblatt zog beispielsweise mit verwackelten Handybildern und der vorgefertigten Geschichte in die Schlacht. Blocksturm, Schlägereien, Randale, verzögerter Spielbeginn: Die hässlich-gewaltverzerrte Fratze des Fußballs, die ein Kölner Gewaltmob am Donnerstagabend der Öffentlichkeit präsentierte. Schnell zogen neben der notorisch wahrheitsfernen Yellow Press auch die „fanfreundlichen“ Medien aus der Domstadt nach, wussten bereits vor allen Beteiligten, wer Übeltäter und Sündenbock zugleich war.

Olympiakandidaten im Zurückrudern

Noch bevor der Wettstreit auf dem Rasen überhaupt angepfiffen wurde, war der für so manchen weit wichtigere Wettstreit längst entschieden. Im Kampf um die Deutungshoheit hieß der Schlachtruf: Skandal im Sperrbezirk! Erst in der Nacht und den frühen Freitagsstunden mischte sich Differenzierung in all das tumbe Geschrei, kamen angenehm wohltuend abwägende Stimmen zu Wort, die sich erst informieren und dann Geschichten schreiben. Wäre Zurückrudern eine Olympische Disziplin, einige Goldkandidaten hätten sich nach dem Europapokal-Comeback des 1. FC Köln herauskristallisiert.

Was war eigentlich passiert? 20.000 Kölner feierten ein Fußballfest in der englischen Hauptstadt und machten Nordlondon zu einer Jeckenhochburg. Auf das muntere Treiben zeigte sich der Gastgeber derweil überhaupt nicht vorbereitet. Circa 110 Polizisten waren zunächst eingeteilt, eine etwaig problematische Situation in Schach zu halten. Denn: Nur 2900 Tickets hatten die Engländer dem effzeh zugeteilt, der Andrang war deutlich größer. Als Kölner in den Heimbereich? Nicht gestattet! Dennoch wollten zahllose effzeh-Fans ihr Glück versuchen.

Konfuse Gastgeber, entspannte Polizei

Angekommen am Emirates präsentierten sich die Gastgeber völlig konfus. Eilig aufgestellte Bauzäune sollten den Andrang mindern, dazu sollten Fans ohne Ticket aussortiert werden. Einigen Anhängern wurde das zu bunt – eine Eskalation der Situation drohte. Die Beschreibung der kurz danach folgenden kurzen wie überflüssigen Auseinandersetzung reicht von „versuchtem Blocksturm“ bis hin zu „leichter Schubserei“. Auch im Stadion brannten die Sicherungen durch: Wenige effzeh-Fans versuchten in den Gästebereich zu gelangen, wurden aber nach einem Schlagabtausch mit den Stewards abgewiesen.

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Nicht wirklich schön, definitiver Schwachsinn, aber letztlich bei 20.000 Kölner in der Stadt auch kein all zu großes Ding. Das sahen dann auch Ordner und Polizei so, die außerhalb des Emirates weiter erstaunlich entspannt ihren Dienst taten. Das relaxte Auftreten der Sicherheitskräfte trug viel zur Deeskalation in einer emotional angespannten Situation bei. Kaum vorzustellen, wie das Ganze mit der hochgerüsteten deutschen Bereitschaftspolizei abgelaufen wäre. Oder kann sich jemand Szenen wie diese, als eine Polizistin den hinter einer Absperrung ruhig wartenden effzeh-Fans ihr Smartphone reichte, damit sich diese von der Spielverschiebung überzeugen konnten, bei einem Auswärtsspiel in der Bundesliga vorstellen?

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