An die Szenen während der Partie wird sich nach dem 0:0 zwischen Dortmund und Köln wohl schnell niemand mehr erinnern, an Neven Subotic aber schon. Das effzeh.com-Nachspiel zum angenehm friedlichen Kick in Dortmund. 

Als Neven Subotic am Samstagnachmittag sowohl von tausenden Dortmunder als auch von den mitgereisten Kölner Fans ausgiebig gefeiert wurde, erlebte der geneigte Betrachter wohl die eingeprägsamsten Szenen der Partie zwischen dem BVB und dem 1. FC Köln am 31. Spieltag der Bundesliga-Saison. Denn in den 90 Spielminuten zuvor hatten die Zuschauer zwar ein unterhaltsames, aber eben am Ende doch torloses 0:0-Remis, das wenig Anlass für die Kategorisierung ins Langzeitgedächtnis bot, gesehen. Ein schlechtes Spiel war das Aufeinandertreffen der beiden Traditionsclubs dennoch nicht.

→ SPIELBERICHT: Stögers obligatorischer Punkt in Dortmund

Der 1. FC Köln lieferte nach dem ohnehin schon verbesserten Auftritt am letzten Spieltag gegen Hoffenheim erneute eine insgesamt solide Leistung ab und blieb ohne Gegentor. Das lag zwar vorrangig an der Dortmunder Chancenverwertung, aber eben auch an der Kölner Defensivarbeit. Und an Timo Horns Reflex kurz vor Schluss der Partie. Der Kölner Schlussmann fischte einen Kopfball von Raphael Guerreiro mit einem starken Reflex von der Linie. Auch angesichts dieser Umstände erklärte Peter Stöger nach dem Spiel dann auch: „Wir sind mit dem Unentschieden sehr zufrieden. Es ist keine Selbstverständlichkeit hier einen Punkt zu holen.“

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Chancenlos waren die Kölner allerdings nur gefühlt. In der ersten Halbzeit vergaben mit Milos Jojic und kurz darauf Leonardo Bittencourt zwei Ex-Dortmunder recht gute Gelegenheiten zum überraschenden Führungstreffer. Vielleicht war das aber irgendwie auch ganz gut so. Wer weiß, was der ohnehin bereits klar überlegene BVB als Reaktion in der Offensive für ein Feuerwerk abgebrannt hätte, wären die Kölner plötzlich in Führung gegangen.

Friedlicher Nachmittag in Dortmund

Wie dem auch sei, am Ende konnten sowohl die Gäste als auch die Gastgeber recht gut mit der Punkteteilung leben. Sie passte auch irgendwie zu diesem überaus friedlichen Fußballnachmittag in Dortmund. Denn auch wenn sich der 1. FC Köln, seit Stöger am Ruder ist standhaft weigert, gegen den BVB zu verlieren, umweht das Duell der beiden westdeutschen Großclubs nun schon länger ein Hauch von Freundschaft, der sich auch im Stadion mittlerweile regelmäßig niederschlägt. So skandierten BVB-Fans nach Siegen gegen Gladbach auch schon mal „Erster Fußballclub Köln“ und an diesem Samstag fand man in beiden Fanblöcken erneut auch die Farben des Gegners.

→ FOTOGALERIE: Die besten Bilder von #BVBKOE

Mit den Kölner „Boyz“ und den Dortmunder „Desperados“ sind übrigens zwei Ultra-Gruppen der Ausgangspunkt für die in der Fußballwelt recht unübliche und offen in den Fanblöcken gezeigte gegenseitige Zuneigung. Das hinderte beide Vereine natürlich aber nicht daran, im Vorfeld extra für diese Partie einen Freundschaftsschal in die Fanshops zu bringen. Auch wenn man in Köln zuletzt „ein Problem mit der Ultra-Szene“ formulierte, hindert das die Geißböcke wohl noch lange nicht daran, die Ultra-Freundschaft zwischen der Domstadt und den Dortmundern zu monetarisieren. Isn’t it ironic?

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Immerhin dürfte das schon der bitterste Beigeschmack gewesen sein, der das überaus friedliche Aufeinandertreffen der beiden Traditionsclubs begleiten sollte. „Die Präzision im Torabschluss hat uns um den Sieg gebracht“, erklärte Thomas Tuchel richtigerweise, schob aber – gemessen am Ergebnis – untypisch gut gelaunt hinter her: „Dennoch kein Grund, nach so einer Leistung enttäuscht zu sein.“ Mit dem Ergebnis konnten also sogar die Dortmunder – die im Kampf um Platz drei einen Sieg durchaus hätten gebrauchen können, unter der Woche aber ins DFB-Pokalfinale eingezogen waren – ganz gut leben.

Der Samstag des Neven Subotic

In die Geschichtsbücher wird die Partie vermutlich ja sowieso nicht als das Spiel, in dem der BVB die direkte CL-Quali verspielt oder der 1. FC Köln die Chance auf Europa gewahrt hat, eingehen. Vermutlich wird diese Ausgabe der Spielpaarung eher als der Samstag, an dem der Fußballer und Mensch Neven Subotic gefeiert wurde, in den Büchern stehen.

Der vom BVB nach Köln ausgeliehene Innenverteidiger zeigte vor den emotionalen Szenen vor der Gelben Wand allerdings auch eine gute Leistung. Dennoch wird er sich vermutlich bald schon nicht mehr an diesen oder jenen Zweikampf, sondern an all das Drumherum erinnern können. „Das zähle ich zu den schönsten Momenten in meinem Leben“, sagte der gerührte Protagonist nach der Partie. „Ich glaube, so etwas erlebt man im Leben fast nie – und schon gar nicht als Fußballer.“ Doch auch bei all der Gefühlsduselei lenkte Subotic den Blick schon wieder auf das Wesentliche. „Es war wichtig, mit dem Unentschieden in Dortmund nochmal Selbstbewusstsein zu tanken, damit wir beim nächsten Spiel gegen Werder dann mit breiter Brust auflaufen können“, erklärte der 28-Jährige.

Foto: SASCHA SCHUERMANN/AFP/Getty Images

Bereits am kommenden Freitag empfängt der 1. FC Köln die Bremer. Und die haben sich mit einem mächtigen Lauf aus der Abstiegszone in eine Favoritenrolle für die Europa-League-Teilnahme geschoben. Genau drei Punkte und damit einen Sieg liegen die Norddeutschen mittlerweile vor den Rheinländern. Da der effzeh mit Gladbach und Schalke zwei starke Verfolger mit nur einem Punkt Rückstand im Nacken hat, scheint ein Heimsieg gegen Werder fast schon Pflicht, wenn man den Einzug ins internationale Geschäft an den letzten beiden Spieltagen noch selbst in der Hand haben will. Das sieht auch Kapitän Matthias Lehmann so und gibt die Marschrichtung für die letzten Spiele des Jahres vor: „Wenn wir jetzt noch mal an die Mannschaften wie Bremen oder Hertha heranrücken wollen, dann müssen wir gewinnen.“

Teilen:

1 Kommentar

  1. maxlamenace am

    Stört sich keiner daran, dass eine Desperados-Fahne im Block geschwungen wird? Leuchtet mir nicht ein, wie man einerseits den AfD-Parteitag ablehnt, sich als bunte und weltoffene Stadt und ebensolchen Verein versteht, andererseits aber Nazis ein Forum im Block bietet und das dann auch noch als „Hauch von Freundschaft“ zwischen den Clubs zu stilisieren. Arsch huh!