Am Samstag geht es los für den effzeh: Der Traditionsverein steht aus sportlicher und nicht-sportlicher Sicht vor einem wichtigen Spieljahr.

Am Samstag geht es endlich los für den 1. FC Köln – mit dem Pokalspiel gegen die Leher TS eröffnet der effzeh die Saison 2017/2018, die nicht nur aufgrund der Teilnahme am internationalen Wettbewerb eine ganz besondere werden dürfte. Die Erinnerungen an den magischen Tag des 20. Mai sind immer noch sehr präsent, zwischenzeitlich macht sich in der Fanszene sogar immer noch ein wenig Ungläubigkeit breit über das, was der einstige Chaos-Verein aus Köln mittlerweile zu leisten imstande ist. Die fast endlose Posse um Anthony Modeste, der mit seinem Wechselvorhaben nach China die Stadt und den Verein über Wochen in Atem hielt, ist mittlerweile vergessen. Die Neuzugänge sind mittlerweile vollzählig im Training und auch die Saisoneröffnung ist bereits passé. Dementsprechend: Es kann endlich losgehen!

Doch was sind eigentlich realistische Ziele, die sich Mannschaft und Verein für das kommende Spieljahr setzen dürfen? Welche Ziele verfolgen die Fanszene, der Mitgliederrat, der Vorstand? Ab wann kann man von einem positiven Jahr für den effzeh sprechen?

Veränderte Belastung aufgrund der garantierten 41 Spiele

Beginnen wir mit dem Sportlichen: Fest steht für den 1. FC Köln, dass die 41 garantierten Pflichtspiele in dieser Saison eine neue Form der Belastung darstellen, die nur ganz wenige der Spieler im Kader bereits kennenlernen durften. Dass in der Hinrunde sechs zusätzliche schwere Spiele auf der Agenda stehen, verändert im Bereich der Belastungssteuerung einiges: Athletik-Trainer Yann-Benjamin Kugel durfte demzufolge in der Vorbereitung intensivere körperliche Reize setzen, weil dafür im normalen Trainingsbetrieb keine Zeit bleiben dürfte. In einer englischen Woche mit Europa-League-Spielen kann zwischen Donnerstagabend und Sonntag eigentlich nur regeneratives Training stattfinden, sodass taktisches und technisches Training in anderer Form stattfinden müssen als noch im letzten Jahr.

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Aufgrund dieser neuen Belastung ist es wahrscheinlich, dass der 1. FC Köln in einigen Bundesliga-Spielen Federn lassen wird – ausgeruhte Gegner können sich besser auf die Partien vorbereiten und mögliche Schwachstellen des effzeh ausloten. Von daher ist es eine realistische Zielsetzung, bis zur Winterpause in der Liga 20 Punkte zu holen, um einen hektischen Start in die Rückrunde zu vermeiden. Für diese 20 bräuchte es ungefähr fünf Siege und fünf Unentschieden, der effzeh könnte sich mit dieser Rechnung also sieben Niederlagen leisten. Geht man davon aus, dass sich die Truppe von Peter Stöger nicht für die Zwischenrunde der Europa League qualifiziert, kann man sich getrost auf die Rückrunde in der Bundesliga vorbereiten. Man merkt es, dieser Text beschäftigt sich bewusst mit minimalen Zielen. Denn auch mehr als drei Jahre nach dem Wiederaufstieg geht es für den 1. FC Köln immer noch ums sportliche Überleben, um die Dinge mal klar anzusprechen.

Rang neun und 45 Punkte als Minimalziel

Die Konkurrenz aus Mönchengladbach, Leverkusen oder Gelsenkirchen schläft nicht und man darf auch davon ausgehen, dass beim 1. FC Köln mal nicht alles läuft. Warum also auf einmal durchdrehen und unrealistische Ziele aufstellen? Natürlich wäre es überragend, wenn der 1. FC Köln mit 20 plus x Punkten in der Winterpause auch noch in der Europa League vertreten wäre – doch die Sicherung der erarbeiteten Basis muss vor allem anderen stehen. Gerade deshalb, weil niemand weiß, wer die 25 Saisontore von Anthony Modeste erzielt. Eine erneute Platzierung in der oberen Tabellenhälfte, also im schlechtesten Fall Rang neun, wäre daher schon eine gute Sache.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Und was soll dann die Teilnahme an der Europa League bringen? Abseits der finanziellen Vorteile und des internationalen Imagegewinns sind diese Spiele aus Fansicht einzig und allein zum Genießen da. Realistisch betrachtet muss man sagen, dass bereits ein Weiterkommen in der Gruppenphase ein überdurchschnittlich großer Erfolg wäre. Die drei garantierten Auswärtsspiele im europäischen Ausland werden Scharen von effzeh-Fans in Bewegung setzen – egal, wohin es geht. Dass dabei das Sportliche nicht unbedingt im Vordergrund steht, dürfte klar sein, schließlich musste man seit 25 Jahren auf diese Momente warten. Ein Ausscheiden wäre dementsprechend keine Enttäuschung.

DFB-Pokal als nicht kalkulierbares Zubrot

Und was machen wir mit dem DFB-Pokal? Nachdem der 1. FC Köln in den letzten Jahren in diesem traditionsreichen Wettbewerb nicht wirklich brillieren konnte, ist nicht davon auszugehen, dass die Geschäftsführung mit Mehreinnahmen aus dem Pokal plant. Nun gut, die ersten beiden Runden zu überstehen wäre schon ein erstrebenswertes Ziel, aber in der Kalkulation dürfte nicht damit gerechnet werden, im Mai 2018 in Berlin unterwegs zu sein. In Anbetracht der Zusatzaufgaben in der Europa League wäre ein Pochen auf Pokalerfolge auch vermessen – schließlich ist die Dreifachbelastung ja sowieso Neuland.

Und was soll dann die Teilnahme an der Europa League bringen? Abseits der finanziellen Vorteile und des internationalen Imagegewinns sind diese Spiele aus Fansicht einzig und allein zum Genießen dar.

Doch auch im nicht-sportlichen Bereich steht der effzeh vor vielen wichtigen Entscheidungen. Fixer Termin ist hier natürlich die Mitgliederversammlung im September, bei der über die Initiative zu einer Satzungsänderung abgestimmt wird – und damit auch über die Zukunft des Vereins. Ein möglicher Verkauf von Anteilen an einen externen Investor erregt derzeit sowieso schon die Massen und es bleibt abzuwarten. wie sich der Verein im Vorfeld der Abstimmung dazu positioniert. Hinzu kommt natürlich die schwelende Frage um einen möglichen Stadion-Neu- oder Umbau und den Traditionsstandort Müngersdorf, bei der in der kommenden Saison ebenfalls richtungsweisende Entscheidungen anstehen dürften.

Der Verein steht vor einem richtungsweisenden Jahr

Es bleibt dementsprechend abzuwarten, ob das 2012 von Werner Spinner formulierte Ziel, den Verein zu vereinen, nicht fünf Jahre später schon wieder obsolet wird, weil sich Teile der Fanszene nicht mehr mit dem identifizieren können, was sie selbst intensiv begleitet und mit aufgebaut haben. Ohne die aktive Fanszene wäre der Verein in den schwierigen Zweitliga-Jahren, als der effzeh kurz vor der Insolvenz stand, nicht so ruhig durch schwierige Fahrwasser gekommen – jetzt, in Zeiten des sportlichen Erfolgs, scheint ein Zerwürfnis aus Vereinssicht momentan ein geringeres Übel zu sein. Finanzielle Interessen und der Wille, sich als einer der fünf wichtigsten Fußball-Standorte in Deutschland zu etablieren, scheinen momentan am Geißbockheim eine größere Rolle zu spielen – trotz der sportlich interessanten Saison, die auf uns alle wartet.

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