Beim Spiel gegen Hoffenheim wurde TSG-Mäzen Dietmar Hopp mit beleidigenden Gesängen und Bannern bedacht. Was danach folgte, ist ziemlich irritierend: Hopp will die Sportgerichtsbarkeit beeinflussen, Nagelsmann zieht gar einen Vergleich zum Anschlag auf die BVB-Spieler.

Es gibt ein bekanntes Karnevalslied in Köln, das mit den Zeilen „Jedes Johr im Winter, wenn et widder schneit, kütt dr Fastelovend un mir sind all bereit“ beginnt. Dass sich im Jahresablauf gewisse Dinge wiederholen, trifft nicht nur in Vorbereitung auf den Karneval zu: Am Freitag war die TSG Hoffenheim in Köln zu Gast und was darauf folgte, war eigentlich im Vorhinein schon zu erwarten. Kölner Fans stimmten Gesänge gegen den Hoffenheimer Potentaten Dietmar Hopp an, der effzeh buckelte und versuchte die eigenen Fans maßzuregeln, es folgte die obligatorische Entschuldigung beim „Mr. Kraichgau“ und anschließend verteidigten dessen Schergen das Image des SAP-Moguls vor jedem erdenklichen Aufnahmegerät und jeglicher negativen Publicity.

Eines vorweg: Der durchaus unflätige Inhalt der an Dietmar Hopp gerichteten Botschaft soll in diesem Text nicht diskutiert werden. Vielmehr soll im Zentrum stehen, wie Hoffenheim selbst, andere Vereine und die Gerichtsbarkeit des DFB mit diesem Sachverhalt umgehen – einige Abläufe sind nämlich mehr als verstörend.

Die „beleidigenden Gesänge“ sind mittlerweile strafbar

Gehen wir ein paar Wochen zurück: Im März wurden mit dem effzeh und dem BVB erstmals zwei Vereine dafür bestraft, dass ihre Anhänger „Schmähgesänge“ bei den Spielen gegen die TSG vorgetragen hatten. Der DFB griff also das erste Mal gegen die Gesänge über Dietmar Hopp, den Hauptanteilseigner der TSG, durch – und schaffte damit so etwas wie eine „Lex Hopp“, da beleidigende Gesänge in deutschen Fußballstadien eigentlich an der Tagesordnung sind. Sportdirektor Schmadtke erklärte damals gegenüber dem Geißblog, dass er auch jahrelang beleidigt wurde, er aber „nie darüber nachgedacht habe, jemanden dafür anzuzeigen“.

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Grund genug für Anzeigen gab es am Freitagabend jedenfalls – immer wieder bedachte die Südkurve den Hoffenheimer Hauptanteilseigner Dietmar Hopp mit beleidigenden Worten. Während des Spiels wurde ebenfalls ein Banner präsentiert, das sich zudem gegen Hopp richtete. Nach dem Spiel griffen dann die üblichen Mechanismen im Umgang damit: Hopps Vorkämpfer Alexander Rosen (Sportdirektor) und Julian Nagelsmann (Trainer) kritisierten einige Fans des 1. FC Köln für deren Gesänge. „Das war eine unsägliche Frechheit, es ist nicht zu fassen, was für Schwachköpfe da Hass säen. Das ist nicht zu akzeptieren“, äußerte Rosen gegenüber dem Kicker. „Diese Form der Abneigung gegen unseren Hauptgesellschafter hat aus meiner Sicht eine neue Dimension erreicht, das hatte ich in der Form noch nicht erlebt“.

Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Nagelsmann und Rosen verbreiten Peinlichkeiten

Der Sportdirektor wurde nicht müde, dieses Mantra in alle anderen Mikrophone zu wiederholen, die ihm unter die Nase gehalten wurden. Sein Trainer stand ihm dabei in nichts nach. Die Rheinische Post zitiert ihn wie folgt: „Das war unterste Schublade. Es ist einfach schlimm, wie Menschen teilweise miteinander umgehen. Mir fehlt da langsam das Verständnis. Es ist richtig peinlich und dumm, offensichtlich haben diese Leute einen Texthänger. Ihnen fällt nichts mehr ein, dann müssen sie irgendwelchen Mist singen“. Die Grundstimmung einiger Fans sei dabei gerade aufgrund der aktuellen Ereignisse in Dortmund „noch unverständlicher“. „Jeder ist bestürzt, wenn jemand versucht, einen Bus in die Luft zu sprengen. Ein paar Tage später fährst du ins Stadion, und dir schlägt Hass entgegen. Diese Leute müssen mal nachdenken, ob ihnen der Helm brennt“.

Es ist wenig überraschend, dass Hopps Bedienstete in der Öffentlichkeit ihren Mäzen in Schutz nehmen – das an sich ist nicht verwerflich, auch wenn man es natürlich hinterfragen sollte. Die Vorkommnisse in Dortmund aber auch nur ansatzweise mit den Gesängen gegen Hopp in Verbindung zu bringen, ist eine Frechheit. Der Vorgang, die Diskreditierung einer Einzelperson auf dieselbe Ebene wie einen Mordversuch zu stellen, ist mehr als fragwürdig.

Gesänge gegen Hopp hat es dabei, so geschmacklos sie auch gewesen sein mögen, schon immer gegeben. Dem Fußball ist es nun mal immanent, dass man dort in einem bestimmten Kontext das „Wir gegen Die“ ausleben darf – ansonsten, und das ist auch gut so, ist das gesellschaftlich ja eher weniger anerkannt. Auf jedem Dorfsportplatz gibt es Sonntag für Sonntag Beleidigungen gegen den Schiedsrichter oder den Gegner, ohne dass eine „neue Dimension der Ablehnung“ erreicht wird, was Rosen gerne gesehen haben mochte.

Hopps Inszenierung als Märtyrer

Dass alle effzeh-Fans schon hunderte Male „Cologne, Cologne, die Scheiße vom Dom“ gehört haben, war für niemanden die Grundlage für eine Anzeige. Auch Spieler wie Oliver Kahn, Ulf Kirsten oder Michael Ballack wurden eigentlich landauf, landab beleidigt. Anzeigen gab es deswegen keine. Und auch das Rumheulen darüber hielt sich in Grenzen. Und wie kann es sein, dass bei einem Revierderby zwischen Schalke und Dortmund die gesamte Heimkurve „BVB H*rensöhne“ singt und das Spiel dann im Nachgang als „sehr stimmungsvoll“ bezeichnet wird?

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Dass Dietmar Hopp aber genau weiß, dass er in seiner Funktion als Mäzen eines Bundesligisten viele Menschen sofort alarmiert, die sich gegen eine zunehmende Kommerzialisierung aussprechen, führt dazu, dass er sich selbst als Märtyrer inszeniert. Seine Mitstreiter helfen ihm dabei, sich als Ehrenmann, Großspender und Wohltat für den Kraichgau darzustellen – es muss allerdings die Frage erlaubt sein, ob man ständig sagen muss, wie viel Gutes man tut, oder ob man seine Taten nicht auch einfach mal für sich sprechen lassen kann.

Wie kommt Hopps Vorgehen in den anderen Bundesliga-Vereinen an?

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Es ist ebenso fraglich, was genau im Hintergrund zwischen DFB und Dietmar Hopp abgelaufen ist. Dass der DFB auf einmal so vehement gegen Schmähgesänge vorgeht, muss ja irgendeinen Grund haben – es ist zu vermuten, dass Hopp den DFB unter Druck gesetzt haben könnte. Strategisch gesehen könnte dieses Vorgehen zu dem passen, was dem geneigten Fußball-Fan bereits aus Leipzig bekannt ist. Auch dort werden keine Kosten und Mühen gescheut, um die eigene Inszenierung als Märtyrer weiter zu bedienen (siehe die Ereignisse beim Spiel in Dortmund). Auf diese Weise würde es konsequenterweise einfacher werden, inhaltliche Diskussionen regelmäßig zu verhindern, weil sie wie aktuell von anderen Dingen überlagert werden.

Rauball: „DFL kann keine Vorgaben zu einer Strafe machen“

Wie die Bild berichtet, habe sich Hopp nach den Vorfällen am Freitag bereits in einer E-Mail an DFB-Präsident Grindel gewandt. DFL-Chef Rauball sagte der BamS dazu: „Im Sinne der Integrität des Wettbewerbs gibt es aber aus gutem Grunde beim DFB eine unabhängige Sportgerichtsbarkeit, die losgelöst von einer möglichen Einflussnahme der Vereine oder der Liga Ermittlungen führen und Strafen verhängen kann. Vor dem Hintergrund dieser Gewaltenteilung ist die DFL gar nicht berechtigt, dem DFB-Kontrollausschuss irgendwelche Vorgaben zu machen. Der DFB täte im Sinne des Sports gut daran. die Angelegenheit nicht noch weiter zu politisieren, sondern den Kontrollausschuss seine Arbeit machen zu lassen.“

Die anderen Vereine der Bundesliga sind deshalb in einer misslichen Lage. Um weitere Strafen zu vermeiden, muss zumindest der Anschein erweckt werden, in irgendeiner Form deeskalierend auf die eigenen Fans einzuwirken. Am Freitag rief effzeh-Stadionsprecher Michael Trippel mehrfach dazu auf, das Absingen der Schmähgesänge gegenüber Hopp doch bitte zu unterlassen. Auch Teile der Tribünen griffen ein und pfiffen die Fans in der Südkurve aus, wenn diese wieder einmal ein Lied gegen Hopp angestimmt hatten. Das Resultat: Die Gesänge wurden ein paar Dezibel lauter.

effzeh-Präsident Werner Spinner entschuldigte sich noch während des Spiels bei Hopp für die Gesänge der Fans. Später sagte er: „Diese Beleidigungen sind inakzeptabel und spiegeln nicht die Werte wider, für die der 1. FC Köln steht.“ Doch es könnte davon ausgegangen werden, dass das Hoppsche Vorgehen gegen den DFB in den anderen Bundesliga-Vereinen intensiv diskutiert wird. Die Geschichte ist deshalb natürlich noch nicht zu Ende, ganz im Gegenteil. In zwei Wochen tritt die TSG Hoffenheim in Dortmund an.

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3 Kommentare

  1. Ich bin der Auffassung jemehr man über die sprechköhre spricht hopp du hurensohn um so mehr springen die Fans an . .würde man umdieses Thema nicht so viel Wirbel machen wäre es schon längst mit den Gesängen im stadion vorbei.die Presse pusht das Thema mit hopp ja immer wieder auf. Sonst hätten sie ja nichts zu schreiben . Das gleiche gilt auch mit Leipzig.

  2. Ich bin da anderer Meinung. Was da teilweise abgelassen wurde war unwürdig. Es hat mit meiner
    Meinung und Auffassung nichts zu tun.
    Spinner hat vollkommen recht. Mit Idioten die sowas von sich geben will ich nicht
    in einen Topf geworfen werden.

    • A-wirst Du das ja nicht, oder hat jemand gesagt „ALLE Effzeh-Fans haben das gerufen“
      B-warum regst Du und viele weitere sich plötzlich über sowas auf wenn es sich gegen einen Milliardär richtet…??? Marko Reus hört sich das Wort auch seit Jahren in Köln an, alle BVBler überall in ganz Deutschland, jeder Torwart beim Torabschlag – Land auf Land ab…

      Wenn eine Kurve rufen würde „Max Mustermann Du Sohn einer…“ würde sich jeder kurz fragen – Ja wer ist denn das? Aber niemand würde in die Kamera jammern oder de DfB einschalten – warum also nun bei diesem Milliardär??? Der muss sich doch klar gewesen sein, das er sich in deutschen Fankurven mit seinem „Ich heb meinen Dorfverein in die Bundesliga“-Projekt keine Freunde macht…

      Ich find den Gesang auch nicht geistreich, aber in meinen Augen muss ein Mensch in seiner Position, mit seinem Handeln damit rechnen und leben und nicht rumjammern – als ob der sich dadurch tatsächlich beleidigt fühlen würde, das machen die doch nur um ihr Plastik-Projekt schön zu reden – „Seht her die bösen Traditionsvereine, mit Ihren Assi-Fans, sowas gibts bei uns nicht, bei uns gibts keine Pyros, unser Projekt ist der richtige Weg, da können Mama und Papa mit Klein-Dietmar noch beruhig ins Stadion gehen…“ – DAS KÖNNEN SIE SONST ÜBERALL AUCH!!!