Europapokal oder doch nur Mittelmaß? Unabhängig vom Tagesgeschehen ist es spannend zu schauen, wohin der Weg für den 1. FC Köln führen wird. Teil eins unserer „Quo vadis, effzeh?“-Analyse.

Wir schreiben das Jahr 2017 – der effzeh konnte sich nach einer anfangs guten, am Ende dann eher normalen Saison erneut den vorzeitigen Klassenerhalt sichern und auch nächstes Jahr in der Bundesliga spielen. Vielleicht schafft man es auf den letzten Drücker sogar noch, auf den Zug Richtung Europa League aufzuspringen. Doch wie dem auch sei, die Zukunft für den effzeh bleibt interessant: Dem nächsten, dann vierten Jahr nach Wiederaufstieg kommt für die weitere Entwicklung eine entscheidende Bedeutung zu.

Dieser zweiteilige Text soll untersuchen, ob und vor allem wie es der effzeh schaffen kann, sich wieder endgültig als Bundesligist zu etablieren. Welche Dinge müssen aus Fansicht passieren, damit man auch noch im Jahr 2020 mit dem Verein zufrieden sein kann, ohne seine Identität zu verkaufen? Wie kann ein realistischer Plan aussehen, um den 1. FC Köln bis dahin wieder als Big Player in der Bundesliga zu etablieren? Welche sportlichen und finanziellen Entscheidungen müssen getroffen werden, um dieses Ziel zu erreichen?

Stand heute: Der effzeh als Ausbildungsverein

Momentan dominiert in der Diskussion rund um den dreifachen Deutschen Meister der mögliche Verkauf von Anteilen an externe Investoren, um damit das nötige Kapital zu beschaffen. Dieses Kapital wird dafür benötigt, um nach den katastrophalen Jahren zu Anfang dieses Jahrtausends wieder einen Big Player aus dem 1. FC Köln zu machen, der in der Bundesliga konkurrenzfähig ist und regelmäßig an europäischen Wettbewerben teilnehmen kann. Nachdem der Traditionsverein aus der Domstadt vor wenigen Jahren noch vor dem Kollaps stand, hat es die Geschäftsführung zusammen mit dem Präsidium geschafft, den effzeh sowohl sportlich als auch wirtschaftlich auf gesunde Beine zu stellen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Das vielzitierte Tafelsilber des Klubs, Spieler wie Jonas Hector, Timo Horn und Anthony Modeste, sind langfristig an den Verein gebunden und können ihn nur gegen eine Zahlung von zweistelligen Millionenbeträgen verlassen. Abgesehen von den Verkäufen von Lukas Podolski in den Jahren 2006 und 2012 schaffte es der 1. FC Köln fast nie, auf diese Weise Transfererlöse zu erzielen. Der Verkauf von Yannick Gerhardt im Sommer 2016 ist der erste Meilenstein in dieser Entwicklung.

Die ganz große Abstiegsgefahr scheint vorerst gebannt

Gelingen konnte diese Entwicklung nur mit dem inkrementellen Verbesserungsprozess auf sportlicher Ebene, den insbesondere Trainer Peter Stöger und Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke angestoßen hatten. Stöger ist seit Sommer 2013 im Amt, nachdem Holger Stanislawski den Verein nach einer durchwachsenen Zweitliga-Saison verließ. Der Österreicher, zuerst argwöhnisch betrachtet von Medien und Fans, schaffte es mit seiner ruhigen Art, die sportlichen Leistungen des Vereins zu stabilisieren – und im ersten Jahr wieder in die Bundesliga aufzusteigen. Seit August 2014 ist der 1. FC Köln somit zurück in der Beletage des deutschen Fußballs.

Unabhängig davon, ob der 1. FC Köln den Traum von Europa tatsächlich realisieren kann, muss festgehalten werden, dass der effzeh wieder die sportliche und wirtschaftliche Berechtigung mitbringt, in der Bundesliga zu spielen. Man muss sich, vorbehaltlich eines totalen Leistungseinbruchs in der kommenden Saison, nicht mehr jährlich Sorgen darum machen, dass die „Geißböcke“ aus der Liga absteigen könnten.

Am Ende der aktuellen Saison soll dem Wunsch vieler Fans nach das erste Mal seit mehr als zwanzig Jahren wieder eine Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb erreicht werden. Unabhängig davon, ob der 1. FC Köln dieses nie offen kommunizierte Ziel tatsächlich realisieren kann, muss festgehalten werden, dass der effzeh wieder die sportliche und wirtschaftliche Berechtigung mitbringt, in der Bundesliga zu spielen. Man muss sich, vorbehaltlich eines totalen Leistungseinbruchs in der kommenden Saison, nicht mehr jährlich Sorgen darum machen, dass die „Geißböcke“ aus der Liga absteigen könnten.

Finanziell ist der 1. FC Köln endlich mal wieder solide

Das Fußballgeschäft jedoch besteht aus Zyklen und so ist es nicht verwunderlich, dass im Hintergrund bereits die nächsten Jahre geplant werden: Dazu gehört natürlich die Auseinandersetzung mit der Frage, ob der 1. FC Köln aus wirtschaftlich vertretbarer Perspektive über 2024 in Müngersdorf bleiben sollte. Auch Fragen nach personellen Verstärkungen des Kaders können mittlerweile gestellt werden, ohne auf die finanziellen Zwänge hinzuweisen. Gewiss, der effzeh wird es nicht schaffen, für absurde Ablösesummen talentierte Spieler von anderen Vereinen loszueisen. Aber immerhin konnte der Schuldenstand verringert werden, der Umsatz steigt jährlich und mit zukünftigen Transfererlösen besitzt der Klub etwas, was in den letzten Jahren nie vorhanden war: Finanzieller Spielraum.

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