Wieder kein Tor, wieder kein Sieg: Dennoch war der Auftritt bei Hannover 96 für den 1. FC Köln ein Hoffnungsschimmer in dunklen Tagen.

Mit Negativrekorden kennt sich der 1. FC Köln aus: Nahezu legendär sind die 1.033 Minuten ohne eigenen Treffer in der Saison 2001/02, ehe Thomas Cichon das Kölner Leiden beendete und nach seinem Tor jubelte, als hätte er die „Geißböcke“ gerade im Alleingang zum Champions-League-Sieg geschossen. Einen weiteren Tiefstwert für die Bundesliga-Geschichtsbücher, die sechste Startpleite in Serie, wollte der effzeh in Hannover allerdings mit aller Macht verhindern – was ihm auch gelang.

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Das hatte vor allem einen Grund, der bereits am Mittwoch gegen Frankfurt zu erkennen war: Diese Mannschaft lebt. Trotz erkennbarer spielerischer Defizite. Trotz eklatanten Problemen in der Offensive. Trotz weiterhin katastrophaler Standards. Die Rückbesinnung auf alte Abwehrtugenden scheint dem effzeh gut getan zu haben. Zwar ließen die „Geißböcke“ besonders in der ersten Hälfte aufgrund fehlender Entlastung viel zu, doch gerade in der zweiten Halbzeit zeigte eine enorme Leistungssteigerung, dass nach fünf Niederlagen in Folge zwar nicht alles piccobello in Colonia ist, es aber durchaus Hoffnung auf Besserung gibt.

Özcan mit gutem Saisondebüt im effzeh-Dress

Mit der Rückkehr auf eine Fünferkette setzte effzeh-Coach Peter Stöger das Zeichen: Stabilität ist Trumpf in einer solchen Situation. Maroh, Heintz und Sörensen sollten der wackligen Kölner Defensive Halt verleihen, davor feierte neben Kapitän Matthias Lehmann überraschend Salih Özcan sein Saisondebüt. Eine Marschroute, die sich zunächst nicht auszahlen sollte: Hannover gab in der ersten Halbzeit den Ton an, hatte Pech bei einem Lattenkopfball und stand defensiv gegen besonders im Passspiel nicht bundesligataugliche Gäste solide. Dass es nicht zur Pause einen erneuten Rückstand zu vermelden gab, hatte der effzeh eher der Unfähigkeit der Niedersachsen als den eigenen Qualitäten zu verdanken.

HANOVER, GERMANY - SEPTEMBER 24: Marvin Bakalorz (R) of Hannover and Salih Oezcan of Koeln battle for the ball during the Bundesliga match between Hannover 96 and 1. FC Koeln at HDI-Arena on September 24, 2017 in Hanover, Germany. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Als hätte es die fußballerisch wenig erbauliche erste Hälfte nicht gegeben, bissen sich die „Geißböcke“ in den zweiten 45 Minuten in die Partie. Und das durchaus nicht nur in kämpferischer Hinsicht, sondern auch spielerisch gab es einige Hingucker: Özcan, der einen durchweg überzeugenden Auftritt hinlegte, bediente Lukas Klünter mustergültig, jedoch verpasste der Außenverteidiger die durchaus in der Luft liegende effzeh-Führung. Kurz darauf vergab der an diesem Tag glücklose Yuya Osako das nicht unverdiente 1:0. Auch der umtriebige Bittencourt verzog aus der Distanz nur knapp.

Klünter-Chance mit Signalwirkung

Insgesamt schafften es die Stöger-Schützlinge nach dem Seitenwechsel öfters, das Spiel in die Hannoveraner Hälfte zu verlagern und auch dort zu halten. War das Passspiel vor dem Pausenpfiff noch desaströs, fassten die effzeh-Spieler deutlich mehr Mut in ihre eigenen Fähigkeiten. Spätestens bei der Klünter-Großchance machte es „Klick“ in den Kölner Köpfen. Einzig ein Wermutstropfen blieb an diesem regnerischen Sonntagnachmittag bestehen: Der effzeh belohnt sich nicht für seinen Aufwand. Die Torabschlüsse sind zu oft nicht zwingend genug, die offensiven Standardsituationen bleiben ein absoluter Schwachpunkt der Mannschaft.

HANOVER, GERMANY - SEPTEMBER 24: Ihlas Bebou (C) of Hannover and Lukas Kluenter #24 and Salih Oezcan #20 of Koeln battle for the ball during the Bundesliga match between Hannover 96 and 1. FC Koeln at HDI-Arena on September 24, 2017 in Hanover, Germany. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Das schmälerte die Unterstützung auf den Rängen um keinen Dezibel: Die effzeh-Fans zeigten sich einmal mehr gut aufgelegt und peitschten ihr Team nach vorne. Ganz anders die Situation außerhalb des Gästeblocks: Wer den Spruch mit Chicagos Zentralfriedhof kennt, dürfte ungefähr wissen, wie die Atmosphäre im Niedersachsenstadion anmutete. Die aktive Fanszene, derzeit im Clinch mit Vereinspatron Martin Kind, beschränkte sich auf Spruchbänder, das restliche Publikum kam über zarten Applaus und einigen kleinen Schlachtgesängen nicht hinaus. Nicht nur das Pfeifkonzert bei den kurvenüblichen Beleidigungen gegen Martin Kind erinnerten an ein Gastspiel in Hoffenheim.

Die Suche nach verfeindeten Fanlagern

Auch deshalb bleibt es völlig unverständlich, weshalb die Begegnung zwischen apathischen Hannoveranern und bibbernden Kölnern von der Polizei und den örtlichen Medien zum Risikospiel hochgejazzt wurde. Vor dem Stadion begegneten sich alle angeblich tief verfeindeten Parteien mit der nötigen Gleichgültigkeit. Am Ende eines relativ ereignislosen Nachmittags, der immerhin den ersten Punkt der Saison gebracht hatte, blieb dann vielen Kölner auf der Rückreise nur noch die Frage, von welchen Ereignissen sie schlechter träumen werden: Dem schier endlosen Hass, mit denen sich beide Fanlager begegneten, dem alkoholfreien Bier im Gästeblock oder doch eher den Eckbällen von Konstantin Rausch.

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