Wie im letzten Jahr bereitet sich der effzeh am Geißbockheim auf die zweite Halbserie vor. Die positiven Argumente überwiegen: Finanzen, Gesundheit und Trainingssteuerung sprechen dafür.

Derzeit läuft bekanntlich der in effzeh-Fankreisen allseits beliebte Florida-Cup in Orlando, den der glorreiche 1. FC Köln im Jahr 2015 in überragender Manier gewinnen konnte. Nach zwei Siegen gegen die brasilianischen Teams von Corinthians und Fluminense krönte sich der effzeh zum bis dato einzigen deutschen Gewinner des Vorbereitungsturniers. Völlig zurecht nutzte Peter Stöger die 17 Bundesliga-Spiele in der Hinrunde der Saison 2014/2015 dazu, sich auf den Florida Cup vorzubereiten – der Erfolg sollte ihm am Ende Recht geben.

Kein Trainingslager, keine Party?

Da sich der effzeh dieses Jahr nicht auf die Reise begibt, in einem fernen Land einen ähnlich bedeutungsschwangeren Pokal auszuspielen (Betsafe-Cup!), stampft man als geneigter effzeh-Fan ja schon ziemlich wutentbrannt auf den Boden. Anstatt sich im Wettkampf mit renommierten Teams von internationalem Niveau Selbstvertrauen und vielleicht sogar eine Ergänzung für den Briefkopf zu holen, verbleibt der effzeh-Tross in der Wintervorbereitung 2017 gänzlich im tristen und kalten Köln. Unendliche Traurigkeit!

Doch nicht nur in Köln verzichtet man auf die ansonsten fast obligatorische Reise in wärmere Gefilde, um die Fußballerbeine dort bei lauen Temperaturen auf die Rückrunde vorzubereiten. Auch die beiden Mitbewerber aus Hoffenheim und Ingolstadt trainieren lieber in der Heimat. Ansonsten zieht es die Bundesliga in erster Linie auf die iberische Halbinsel, wo sich in diesem Januar insgesamt zehn Mannschaften vorbereiten. Im südspanischen Marbella könnte man locker einen Cup ausspielen, schließlich sind mit Mainz, dem BVB, Gladbach und Augsburg ausreichend Teams für eine schöne Gruppenphase vorhanden. Da dürfte sich doch bestimmt ein windiger Vermarkter finden lassen.

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Orlando, Abu Dhabi – the places to be?!

Bayer Leverkusen zieht es nach Orlando, wo die Werkself immerhin am bereits angesprochenen Florida-Cup teilnehmen darf – ansonsten fährt man dort gänzlich die Internationalisierungsschiene und erhofft sich durch die Präsenz vor Ort ein paar mehr Likes auf Facebook. Mit dem HSV und Eintracht Frankfurt reisen zwei Schlachtschiffe der Bundesliga in die Vereinigten Arabischen Emirate, ein Land, in dem die Bürgerinnen und Bürger zwar vom enormen Wohlstand profitieren, aber oppositionelle Aktivitäten nicht geduldet werden. 2014 wurden durch die Vereinten Nationen „gravierende Mängel mit Blick auf die Unabhängigkeit der Justiz und der Einhaltung fairer Verfahren“ festgestellt. Dies ist jedoch kein Hinderungsgrund für ein Trainingslager in Abu Dhabi.

Foto: Johannes Simon/Bongarts/Getty Images

Die Dampflokomotive der Bundesliga, der FC Bayern München, bereit sich in bester Tradition in Doha (Katar) vor, da die Zusammenarbeit mit der „Aspire Academy“ seit Jahren bestens funktioniert. Nicht zuletzt aus Aberglauben, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kürzlich in einem Interview mit der Bild kundtat. Weiterhin gebe es „die beste Trainingsanlage im Weltfußball“, ein „ideales Klima“ und „quasi keinen Zeitunterschied“. Dass die Bayern für ihre fortwährende Kooperation mit dem Wüstenstaat Katar kritisiert werden, scheint Rummenigge dabei nicht sonderlich zu stören. Was interessiert das einen schon, wenn Gastarbeiter im Zuge unmenschlicher Arbeitsbedingungen zu Tode kommen?

Verzicht auf Trainingslager in der Türkei

Immerhin war Rummenigge im Jahr 2015 so offen, dass er zugab, dass ein Trainingslager „keine politische Äußerung“ sei und man doch bitte darauf verzichten solle, Fußball und Politik miteinander zu vermischen. Dies geht sicherlich leichter, wenn man einen millionenschweren Kooperationsvertrag mit einem lokalen Unternehmen hat. Seit Jahren streicht der FC Bayern dabei satte Zahlungen des Unternehmens ein, welches den Hamad International Airport betreibt.

Dieser Text soll nicht darauf abzielen, den desaströsen Zustand des außenpolitischen Engagements deutscher Fußball-Unternehmen zu beleuchten. Der FC Bayern ist als internationale Marke qua Selbstverständnis dazu verpflichtet, mit solventen Partnern zusammenzuarbeiten. Welche das dann genau sind, können die Bosse frei entscheiden. Dass eine Fußballmannschaft in gewissem Sinne auch Botschafter eines Landes sein kann, wird dabei durch die vielen Geldscheine allerdings verdeckt. Was schert mich die politische Verantwortung, wenn ich mich unter besten Bedingungen vorbereiten und dabei noch Geld verdienen kann? Immerhin stellten die Bundesliga-Vereine in diesem Jahr allerdings durchaus eine gewisse Weitsicht unter Beweis, da sie aufgrund der Sicherheitslage in der Türkei darauf verzichteten, dort ein Trainingslager durchzuführen.

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