Vor vier Jahren verpflichtete der 1. FC Köln als neuen Cheftrainer einen gewissen Peter Stöger. Ein exzellenter Griff, wie sich herausstellte. Eine Würdigung.

Kurz mussten die Nutzer der Smartphone-App des 1. FC Köln heute Mittag stutzen, erschien doch als Push-Nachricht „Stöger wird FC-Trainer“ auf den Bildschirmen. Was zunächst wie eine Panne wirkte, könnte allerdings eine subtile Erinnerung gewesen sein: Genau vor vier Jahren brachte der effzeh nach zähen Verhandlungen mit Austria Wien die Verpflichtung von Peter Stöger unter Dach und Fach.

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Dass dies der Beginn einer höchst erfolgreichen Ära werden sollte, hätten die effzeh-Fans in ihren sehnlichsten Träumen nicht gedacht. Der neue Übungsleiter aus Österreich wurde kritisch beäugt, auch wenn er gerade mit der Austria zum Titel geflogen war und dabei die hochkarätig besetzte Konkurrenz aus Salzburg hinter sich lassen konnte. „Wirklich gekannt hat mich ja keiner. Die Hoffnung war damals größer als der Glaube daran, dass es funktionieren kann. Ich bin sicher nicht als Heilsbringer angesehen worden“, erinnerte sich Stöger im österreichischen „Kurier“.

Wirklich gekannt hat mich ja keiner. Die Hoffnung war damals größer als der Glaube daran, dass es funktionieren kann. Ich bin sicher nicht als Heilsbringer angesehen worden.

Schlechte Erfahrungen, große Hoffnungen

Die Skepsis war verständlich, hatten die „Geißböcke“ mit Trainern aus dem Ausland in der jüngeren Vergangenheit keine allzu guten Erfahrungen gemacht. Stale Solbakkens Ausflug in die Domstadt endete im Abstieg, auch die Engagements von Hanspeter Latour und Marcel Koller waren nicht gerade von Erfolg gekrönt. Doch die Verantwortlichen beim effzeh, allen voran Sportdirektor Jörg Jakobs, sahen etwas in dem ehemaligen Nationalspieler. Etwas, das zunächst den Weg zurück in die Bundesliga ebnen sollte.

TROISDORF, GERMANY - JUNE 21: Head coach Peter Stoeger of Koeln during the friendly match between 1. FC Koeln and Sportfreunde Troisdorf at Aggerstadion on June 21, 2013 in Troisdorf, Germany.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

„Peter Stöger ist ein moderner Trainer mit großen Fähigkeiten bei der Führung und Entwicklung der Spieler. Zugleich verfügt er über Erfahrung und hat bereits einige Titel gewonnen“, betonte Jakobs bei der Verpflichtung: „Mit der Austria hat er in vergangenen Saison trotz eingeschränkter finanzieller Mittel und der Konkurrenz von Red Bull Salzburg eine Rekordsaison in Österreich erreicht. Dabei hat Peter Stöger gezeigt, dass er eine Mannschaft formen und aus ihr mehr herausholen kann als nur die Summe der Einzelspieler.“

Unter Stöger konstant nach oben

Im Rückblick nahezu prophetische Worte, die schnell in eine sichtbare Entwicklung mündeten: Mit ruhigem und entschlossenem Auftreten führte Stöger den effzeh zum souveränen Aufstieg – und etablierte den einstigen Fahrstuhlklub in Windeseile in der Beletage des deutschen Fußballs. Auf Platz zwölf mit vorzeitigem Klassenerhalt folgte zunächst eine starke Bestätigung im schwierigen zweiten Jahr: Erstmals seit 1992 lief der effzeh auf einem einstelligen Tabellenplatz ein, die Mannschaft brillierte als defensivstarkes Kollektiv mit großem Teamgeist.

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Wer dachte, das Ende der Fahnenstange sei erreicht, wurde in dieser Spielzeit eines Besseren belehrt. Dass am Ende die Rückkehr in den Europapokal nach einem Vierteljahrhundert steht, ist für das Gros aller effzeh-Fans noch nicht komplett verarbeitet. Vier Jahre nach seiner Verpflichtung, fünf Jahre nach dem Abstieg steht der 1. FC Köln wieder auf der internationalen Bühne. San Siro statt Sandhausen: Das ist zu großen Teilen das Verdienst von Peter Stöger.

BREMEN, GERMANY - DECEMBER 17: (L-R) Jonas Hector and Head coach Peter Stoeger of Koeln speaks during the Bundesliga match between Werder Bremen and 1. FC Koeln at Weserstadion on December 17, 2016 in Bremen, Germany.

Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

Mit nüchtern-sachlicher Arbeit, mit der ihm eigenen Bescheidenheit und großem Einfühlungsvermögen formte er eine schlagkräftige Truppe, die taktisch flexibel den Bundesliga-Konkurrenten schlaflose Nächte bereitet, nicht nur in den 90 Minuten am Wochenende als Einheit auftritt und sich darüber hinaus kaum sportliche Krisenphasen leistet. Überall gelobt werden vor allem die menschlichen Qualitäten, die der Österreicher repräsentiert.

Wenn man Erfolg hat, dann bleibt das nicht aus. Es wird offenbar wahrgenommen, dass wir einen ordentlichen Job machen. Mehr ist es aber nicht.

Interesse aus Dortmund lässt Stöger kalt

Kaum verwunderlich, dass der Baumeister dieses Kollektivs umworben ist: Ein angebliches Interesse von Borussia Dortmund sorgte nach Abschluss der Saison für erhöhten Blutdruck bei den Anhängern. Stöger allerdings blieb – wie nahezu in jeder Phase seines Kölner Wirkens – vollkommen tiefenentspannt: „Wenn man Erfolg hat, dann bleibt das nicht aus. Es wird offenbar wahrgenommen, dass wir einen ordentlichen Job machen. Mehr ist es aber nicht“, sagte der 51-Jährige angesprochen auf die Gerüchte dem „Express“.

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Für den effzeh ist der Verbleib des Erfolgstrainers ein Segen, Kontinuität war auf diesem Posten in der Vergangenheit seltenst angesagt. So ist Stöger auf dem besten Wege, alle Kölner Rekorde auf dieser Position zu brechen: Länger als er war in der ruhmreichen Bundesliga-Historie niemand beim effzeh im Amt, er ist quasi schon jetzt der Hennes Weisweiler der jüngeren Vereinsgeschichte.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Dass ihm das gelingen würde, hatten nicht nur die effzeh-Fans bezweifelt. Auch Peter Stöger war anfangs reserviert, ob er so lange auf dem heißen Trainerstuhl in Köln bleiben würde. Schon zu Beginn witzelte er, die Umbauten an seinem Wohnhaus in der Domstadt würden wohl eher seinem Nachfolger zu Gute kommen. Daraus wurde bekanntermaßen nichts, doch noch heute begegnet er der überraschenden Konstanz an der Seitenlinie mit Humor. „Als FC-Trainer stehst du zwangsläufig in der Öffentlichkeit. Wenn ich ausgehe, dann weiß ich, dass ich nicht privat bin und mich die Leute anreden. Ich sage dann manchmal: ,Hey, das hättet ihr euch aber auch nicht gedacht, dass da ein Ösi drei Jahre Trainer ist‘“, erzählt er mit einem Lächeln.

Als FC-Trainer stehst du zwangsläufig in der Öffentlichkeit. Wenn ich ausgehe, dann weiß ich, dass ich nicht privat bin und mich die Leute anreden. Ich sage dann manchmal: ,Hey, das hättet ihr euch aber auch nicht gedacht, dass da ein Ösi drei Jahre Trainer ist‘.

„St.Öger“ mit Vertrag bis 2020

Beschwerden über seinen Verbleib in Köln sind im Hinblick auf seine Bilanz nicht zu erwarten. Bis 2020 steht „St. Öger“, wie ihn die Fans tauften, noch unter Vertrag, effzeh-Vizepräsident Toni Schumacher würde aus dem Österreicher gerne den „Arsène Wenger des 1. FC Köln“ machen. Vielleicht gibt es in vier Jahren dann wieder Mitte Juni eine kurzen Moment des Stutzens, wenn auf den Smartphone-Displays die Nachricht „Stöger wird FC-Trainer“ erscheint. Es würde dafür sprechen, dass der 1. FC Köln vier weitere Jahre in ruhigem Fahrwasser verbracht hat.

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