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Auswärtsspiel

Das #KOEFCI-Auswärtsspiel: „Der Erfolg wurde nicht am Reißbrett entworfen“

Lediglich ein Punkt aus sechs Spielen: Im KOEFCI-Auswärtsspiel sprechen wir mit Ingolstadt-Fan Maximilian über den Fehlstart, den effzeh als Vorbild und das Image als Werksklub.

Marvin Matip, FC Ingolstadt
Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

Zu den Spielen unseres geliebten und glorifizierten ersten Fußballclubs Köln werden wir auch in dieser Saison einem Fan der gegnerischen Mannschaft ein paar Fragen stellen. Und weil Gegner ja immer irgendwie “auswärts” sind, egal ob der effzeh zu Hause oder auf fremdem Platz antritt, und weil die Sichtweise von “auswärts” kommt, heißt die Kategorie folgerichtig “Auswärtsspiel”. Wir sind nicht nur gespannt, wieviel effzeh in den Anhängern der anderen Bundesligisten steckt, sondern erwarten auch eine Einschätzung zur Situation der eigenen Mannschaft.

Zwölf Punkte nach sechs Spielen – der glorreiche effzeh ist grandios aus den Startlöchern gekommen. Ganz anders sieht das beim kommenden Gast aus Ingolstadt aus: Nur ein einzelner Zähler steht zu Buche, fünf Partien wurden in Serie verloren. Im effzeh.com-Auswärtsspiel sprechen wir mit FCI-Fan Maximilian Randelshofer, der seit 2009 im Schwarz-Rot-Blog über seinen FC Ingolstadt und im Herbst 2015 sein Buch „111 Gründe den FC Ingolstadt 04 zu lieben“ veröffentlichte, über die Startschwierigkeiten im zweiten Bundesliga-Jahr. Darüber hinaus erzählt er uns, wie er zu den „Schanzern“ kam, warum der effzeh für ihn ein Vorbild ist und wieso die Oberbayern kein Werksklub sind.

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Erst ein Punkt auf dem Konto, nur drei Tore erzielt – schlägt in Ingolstadt etwa jetzt das verflixte zweite Jahr zu?

Seit 1963 geht da ein Virus in der Bundesliga herum. Leider ist er nicht an uns vorbeigegangen. Dass die zweite Saison in der Bundesliga für uns schwer wird, ist allen klar. Der sportlichen Leitung, der Mannschaft, dem Umfeld und den Fans. Von daher ist diese Lage nicht ungewöhnlich. Das wichtigste ist, dass wir am Ende über beiden Strichen stehen. Dann hätten wir das zweite verflixte Jahr überstanden. Köln, Augsburg und andere haben es ja auch geschafft.

Den Architekten des Erfolgs, Ralph Hasenhüttl, habt ihr an die zahlungskräftige Konkurrenz aus Leipzig verloren, ihn ersetzt an der Seitenlinie der Ex-Karlsruher Markus Kauczinski. Ist das auch der Hauptgrund für den Fehlstart der „Schanzer“?

Frederik Sörensen (1. FC Köln) gegen Matthew Leckie (FC Ingolstadt)

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Ein neuer Trainer bringt immer neue Ideen mit. Mit Hasenhüttl hat das Team bereits länger zusammengearbeitet, deswegen musste sich die Mannschaft auf nichts Neues einstellen. Dieses Jahr ist es anders. Ich würde dem Trainer hier keine Hauptverantwortung einräumen. In der aktuellen Lage kommen viele Sachen zusammen. Keine Erfolgslebnisse, fehlendes Glück, fehlende Durchschlagskraft in der Offensive, die defensive Ordnung funktioniert nicht so gut als im Vorjahr, die Gegner haben sich auf unser Spiel eingestellt und auch der eine oder andere Spieler spielt (noch) nicht in der guten Form der Vorsaison. Da Kauczinski aus der zweiten Liga schwere Zeiten mit dem Karlsruher SC kennt, denke ich, wird er Lösungen finden aus der aktuellen Misere herauszukommen.

Unter Hasenhüttl war der FCI stets sehr schwer zu bespielen, mitunter beschwerten sich die Gegner auch über die ruppigen Gangart. Ist dies auch unter Kauczinski noch der Fall?

[perfectpullquote align="right" cite="" link="" color="" class="" size=""] Ich bin ein Freund des erfolgreichen Spiels. Ob der Erfolg mit dreckigen Fußball oder Offensiv-Feuerwerk herbeigeführt wird, ist mir egal. Das Ergebnis zählt.[/perfectpullquote]

D[/perfectpullquote]rd diese Spielweise nicht sein. Der Trainer arbeitet aktuell an neuer Flexibilität im Spiel. Allerdings wird aufgrund der aktuellen Punkteausbeute erstmal das „dreckige“ Spiel wieder in den Fokus rücken, um eine defensive Grundordnung zu haben. Dass sich die Gegner über unsere Spielweise beschwert haben, fand ich eher amüsant. Wenn Mannschaften gegen aggressives Gegenpressing keine Mittel finden, ist das eher ein Problem des eigenen Spiels. Da auf den Gegner zu zeigen und zu sagen: „die spielen dreckig“ ist eine schlechte Ausrede. Ich bin ein Freund des erfolgreichen Spiels. Ob der Erfolg mit dreckigen Fußball oder Offensiv-Feuerwerk herbeigeführt wird, ist mir egal. Das Ergebnis zählt. Die waren in der vergangenen Saison gut.

Was hat sich über den Sommer noch bei Euch verändert? Werden wir ein anderes Ingolstadt erleben als noch in der letzten Saison?

Wir haben Leistungsträger abgeben müssen mit Özcan und Hübner. Und haben neue, junge Spieler verpflichtet. Manche müssen allerdings erst noch ihre Erstligafähigkeit unter Beweis setzen. Kadermäßig war es trotzdem insgesamt kein großer Umbruch, da das Grundgerüst gehalten wurde. Die Mannschaft hat im Sommer ruhig und unaufgeregt sich vorbereitet. Das Ziel ist ohnehin klar, über beiden Strichen stehen, egal wie.

Marvin Matip und Moritz Hartmann, zwei ehemalige effzeh-Profis, zählen bei Euch nicht nur zu den Führungsspielern, sondern stehen auch ein wenig sinnbildlich für den Entwicklung des Vereins. Wie siehst du deine Ingolstädter im Vergleich zu den Konkurrenten? Weiterhin der Außenseiter der Liga?

FC Ingolstadt Fans

Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images

Beide sind gestandene Größen in Ingolstadt, die hier auch schwere Zeiten, vor allem Abstiegskämpfe miterlebt haben. Marvin ist ein toller Spielführer und auch ein großartiger Innenverteidiger. Moritz war in der dritten Liga damals ein Garant für Tore und hat sich in den Jahren danach auch mal ungeordnet, wenn er nicht gespielt hat. Er hat keinen großen Lärm um seine Person gemacht und war dann trotzdem immer voll da. Beide sind Säulen der Mannschaft, wenn auch keine großen Lautsprecher. Mit der Außenreiter-Rolle können wir uns hier sehr gut anfreunden. Die Bundesliga ist sehr ausgeglichen, das zeigt sich in den letzten Jahren immer wieder. Augsburg war zu Beginn seiner Bundesliga-Zeit auch der Außenseiter, das Kellerkind, das sich jedes Mal die Punkte mühevoll erarbeiten musste. Jetzt ist der FCA meiner Meinung nach eine gestandene Größe in der Bundesliga. Vom Außenseiter zum etablierten Mitglied der Liga zu werden – das braucht Zeit. Und vor allem auch finanzielle Mittel, die man mittelfristig erst durch gute Platzierungen bekommt.

Die Favoritenrolle am Samstag dürfte angesichts der Tabellensituation klar vergeben sein, in der vergangenen Saison tat sich der effzeh allerdings schwer gegen Ingolstadt. Droht uns wieder eine Abnutzungsschlacht wie in den beiden Partien 2015/16?

Ich gehe stark davon aus. Ich denke, dass die „Schanzer“ darauf abzielen, defensiv gut zu stehen und irgendwie Punkte mitzunehmen. Wie bereits oben erwähnt: Ob Abnutzungsschlacht oder Offensivfeuerwerk – Hauptsache Punkte. Die können wir aktuell mehr als gebrauchen. Ich denke, es wird eine Abnutzungsschlacht, das will doch die Liga sehen.

Was verbindest du sonst mit dem effzeh? Wie nimmst du das Geschehen rund um unseren Klub wahr?

[perfectpullquote align=[perfectpullquote align="right" cite="" link="" color="" class="" size=""]rspitzt gesagt von einem verträumten Chaosklub in einen gut geführten, sportlich soliden Verein verwandelt, der mittelfristig durchaus die Perspektive Richtung Europa hat. Und da gehört Köln auch hin. [/perfectpullquote]

Erstmal Deutscher Meister[/perfectpullquote]ister sozusagen. Nach vielen Chaosjahren und nicht erfüllten Sehnsüchten ist der effzeh für mich aktuell eines der großen Vorbilder in der Bundesliga. Gutes sportliches Management, ruhiger und toller Trainer, kluge Entscheidungen, solide Finanzen und verhältnismäßige kölsche Ruhe im Umfeld. Es wurden kluge Transfers getätigt. Und der effzeh kann es sich mal leisten, auch Spieler abzugeben, ohne dass das Mannschaftsgefüge auseinanderbricht. Der effzeh hat sich überspitzt gesagt von einem verträumten Chaosklub in einen gut geführten, sportlich soliden Verein verwandelt, der mittelfristig durchaus die Perspektive Richtung Europa hat. Und da gehört Köln auch hin. Ich persönlich bin von Schmadtke und Stöger sehr angetan. Andere Traditionsvereine wie Hamburg oder Bremen könnten sich da mal eine Scheibe abschneiden, bevor man immer mit dem Argument kommt „wir sind ein armer Traditionsverein“. Tradition schützt nicht vor sportlichen Misserfolg. Schon gar nicht, wenn er hausgemacht ist. Das einzige, was mir nicht gefällt ist, diese Gründung des „Team Marktwerts“ dem der 1. FC Köln angehört. Fernsehgelder aufgrund Reichweiten in den sozialen Medien und der Zahl der Fans oder ähnlichen zusätzlich zu verteilen, finde ich nicht richtig. Zwar garantieren Traditionsvereine Einschaltquoten. Aber der 1. FC Köln sollte eigentlich wissen, wie es funktioniert, gute Traditionsvereine zu führen. Diese Abgrenzung der Traditionsvereine finde ich einfach nicht richtig. Alle müssen ihren Job gut machen. Egal, ob der Klub Ingolstadt, Hoffenheim oder HSV heißt.

Den FCI begleitest du in deinem Blog bereits seit 2009 – also mehr als die Hälfte der Klubgeschichte. Ist angesichts dessen für dich die rasante Entwicklung der „Schanzer“ in den letzten Jahren besser in Worte zu fassen?

Tatsächlich begleite ich den Verein schon seit Bayernliga-Zeiten, also seit 2005. Betrachtet man die letzten Jahre mal aus Sicht eines „alten“ Vereins ist die Entwicklung gar nicht so rasant. Sechs Jahre 2. Bundesliga, dann Aufstieg in die Bundesliga. Aber in Tat, dafür dass der Verein 2004 gegründet worden ist, ist unsere Entwicklung rasant. Der Erfolg wurde aber nicht am Reißbrett entworfen, sondern Stück für Stück. Alles ist mitgewachsen: Infrastruktur, Fans und so weiter. Ich muss sagen, in der Bundesliga zu spielen, ist einfach unfassbar gigantisch. Der zweiten Liga kommt ja auch sehr viel Aufmerksamkeit zuteil. Aber in der Bundesliga ist alles nochmal um einiges größer. Wir genießen das und wollen noch sehr lange Teil der Bundesliga bleiben.

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Wie bist überhaupt zum Verein gekommen? Was waren für dich prägende Erlebnisse rund um die „Schanzer“?

Mein Großvater begleitet den Verein seit seiner Gründung als Freier Mitarbeiter einer Lokalzeitung. Ich bin damals immer mitgefahren. Ich war, das muss ich ehrlich gestehen, anfangs Bayern-Fan. Ist halt mal im Freistaat Bayern so, wenn man aus dem südlichen Teil kommt. Doch nach und nach habe ich großes Interesse für den Verein entwickelt. Man kannte halt jeden. Die Spieler, die Funktionäre. Es war ein Verein zum Anfassen. Seitdem bin ich vom schwarz-roten Virus infiziert. Erkrankt auf Lebenszeit.

Für viele Fans der etablierten Vereine ist der FCI nur ein weiterer, durch Konzerngelder hochgespülter Emporkömmling, der wenig Glanz versprüht. Wird das dem Klub gerecht?

Yuya Osako (1. FC Köln) gegen Tobias Levels (FC Ingolstadt)

Foto: Mika Volkmann/Bongarts/Getty Images

Wenn unser teuerster Transfer in der Vereinsgeschichte maximal drei bis vier Millionen gekostet hat, dann kann wohl kaum davon gesprochen werden, dass wir mit Konzerngeldern hier irgendwelche teuren Transfers tätigen. Ich glaube, wenn ein großer Sponsor des Vereins gewollt hätte, dass wir ernsthaft innerhalb von zwei-drei Jahren in der Bundesliga spielen, wären wir kaum drei Jahre in Folge im Abstiegskampf der zweiten Liga versumpft. Wir sind, wie gesagt, gesund gewachsen, ohne dass wir sehr große Zuwendungen von irgendwelchen Großsponsoren bekommen haben. In der Regionalliga wurde der Vereinsbus mal vom Sponsor bezahlt, das war´s dann aber auch schon. Ich habe jetzt auch nicht den Eindruck, dass wir in der Bundesliga in die Werksklub-Schiene geschoben werden. Der Verein hat sich hier von diesem Image größtenteils befreit. Wir sind jung, sympathisch, dynamisch und mit Sicherheit kein Werksklub. Wer das glaubt, soll mal zu anderen Vereinen in der Liga schauen.

Zum Schluss: Rheinland gegen Oberbayern. Wer hat nach 90 Minuten die Nase vorn?

Abnutzungskampf Teil drei: 1:1 am Ende. Der Effzeh braucht mal ein „kleines“ Negativerlebnis.

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