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Nachspiel

Ein Kerl wie ein Pax

Ein skandinavischer Kleiderschrank in der Abwehr, ein Giftzwerk auf dem Flügel und mittendrin der selbstlose Käptn. So gaben sich die Spieler in Meppen.

Foto-Credits: Dirk Unschuld

Erstrundenspiele im DFB-Pokal sollten ja nie überbewertet werden, wir bewerten aber trotzdem und zwar die rot-weißen Götter im Spiel gegen den SV Meppen. Die Gotteslästerung untersucht IKEA-Kleiderschränke, Giftzwerge und unbrachiale Nicht-Knipser auf dem Feld.

Timo Horn: ZzzzzzzzzzzZzzzz.

Pawel Olkowski: Ein wenig Licht und Schatten beim Polen. Hatte in der ersten Halbzeit immer mal wieder seine Probleme in der Defensive, was in der völlig unnötigen und übermotivierten Grätsche offensichtlich wurde. Gleichzeitig kurbelte er durch seine Dynamik das Spiel nach vorne aber auch an und holte den Elfmeter raus, der die Entscheidung brachte. Zur Halbzeit musste er angeschlagen runter im Bewusstsein, dass in der Bundesliga etwas mehr kommen muss als gegen Meppen.

Jonas Hector: Hatte auf seiner linken Seite weitaus weniger zu tun als Olkowski und schaltete sich so immer wieder in den Angriff ein. Wirklich gefährlich wurde er nicht. Vielmehr zeigte er durch zwei seichte Schüsschen aus aussichtsreichen Positionen, dass er eher nicht so der Typ „Brachialer Knipser“ ist. Hatte dafür die meisten Ballkontakte aller Spieler (102). Ansonsten gewohnt souverän, auch ohne den Vorbereitungs-Fünftagebart.

Frederik Sörensen: Ein Kerl wie ein Pax (ist dieser Kleiderschrank von IKEA. Ach und: ja Sörensen ist Däne und Ikea schwedisch, aber Oslo oder Helsinki, Hauptsache Skandinavien!). Checkte arme Meppener Stürmer mit fairen Mitteln nur mit seinem Körper fünf Meter weit ins Toraus. Köpfte jeden Ball, der sich nur wagte, durch die Luft gen Strafraum zu fliegen, 30 Meter weit raus und wirkte jederzeit wie der Boss auf dem Rasen. Deswegen spielte er auch den einen oder anderen leichtfertigen Querpass, für den ein F-Jugendlicher vom Trainer 100 Runden um den Platz geschickt würde. Weil er es kann. Sollte das in der Bundesliga dann trotzdem lassen.

Dominique Heintz: Sieht irgendwie nicht einmal ansatzweise so aus, als könne er Fußball spielen und wenn überhaupt dann eher so wie Heiko Westermann. Spielt aber tatsächlich präzise Bälle in die Spitze. Hat er schon für die U 21 im Sommer gemacht, hat er auch gegen Meppen gezeigt. Wer es nicht wahrhaben will, kriegt diese Statistik um die Ohren geworfen: 80 Pässe, 96,3 Prozent davon kamen an. Wirkte in der Defensive ansonsten nicht ganz so präsent wie Kollege Sörensen, sollte mit den Daniel Ginczeks dieser Welt aber auch mehr zu tun bekommen als mit Meppens Born und Alawie.

Foto-Credits: Dirk Unschuld

Foto-Credits: Dirk Unschuld

Matthias Lehmann: Erstmals auch offizieller Kapitän, nachdem Matze das letzte Saison ja sowieso eigentlich schon war, und dann das: Erst werden ihm die Freistöße und Ecken weggenommen (zum Glück), und dann darf er auch noch nicht mal mehr Elfmeter schießen. Als Kapitän sprach er ein Machtwort. Zu sich selbst. Ordnete sich auch abseits des Elfmeters unter und machte ein ganz unauffälliges und souveränes Spiel ans Bindeglied zwischen Innenverteidigung und vorderer Mittelfeldreihe.

Milos Jojic: Schießt gemessen an den Ergebnisses letzter Saison richtig geile Standards. Hat auch ansonsten ein feines Füßchen. Packte das gegen Meppen aber auch nicht so wirklich hochfrequent aus und hielt sich merklich zurück. Jojic war nur selten am Ball und versuchte das Spiel über ein wenig seine feste Position im System zu suchen. Wenn er dann aber etwas tat, dann hatte es Hand und Fuß.

Yuya Osako: Am Japaner scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Osako war doppelt so häufig am Ball wie Jojic und ging gerne auch mal Risiko. Er spielte die häufigsten Pässe in der gegnerischen Hälfte, einige von ihnen waren toll, andere eher semi-optimal. Trotzdem gab Osako die meisten Torschussvorlagen ab und scheint sehr gut mit Anthony Modeste zu kooperieren. Jedenfalls wirkten die beiden weitaus besser aufeinander abgepasst als Ujah und Osako. Der Japaner ist in diesem System ein enorm wichtiger Mann, das hat auch das Spiel in Meppen gezeigt.

Marcel Risse: Es gibt Gegner, die sind wie geschaffen für den schnellen und dynamischen Flügelspieler. Und dann gibt es Gegner wie den SV Meppen. Immer wieder wurde deutlich, dass Risse Probleme im Dribbling auf engem Raum hat, genauso wie es an der Passgenauigkeit haperte. Kein anderer effzeh-Spieler verlor auch nur ansatzweise so häufig den Ball (31 Mal), nur Kevin Vogt und Pawel Olkowski wiesen eine schlechtere Zweikampfbilanz auf. Flankte zudem gefühlte 1948 Mal flach und kopflos auf den ersten Mann. Kopf hoch, Marcel, es werden noch Spiele kommen, in denen deine ganz speziellen Qualitäten vonnöten sind.

Leo Bittencourt: Was ist der 170 Zentimeter kleine Flügelspieler bitte für ein Giftzwerg? Bittencourt wirkte sehr motiviert, schmiss sich in jeden Zweikampf und eroberte sich dank einer sauberen Mischung aus Geschick und Aggressivität etliche Bälle. Offensiv rannte sich der Neuzugang zwar auch in einigen Szenen fest, doch irgendwie bringt Bittencourt ein frisches Element ins Spiel. Wie lange ist es bitte her, dass einer unserer Flügelspieler auch mal einfach so aus dem Stand an der Seitenlinie zwei Gegenspieler ausspielen kann? Wird der Ex-Hannoveraner noch präziser in seinen Offensivaktionen, könnte er mal ein richtig genialer Fußballer werden.

Foto-Credits: Dirk Unschuld

Foto-Credits: Dirk Unschuld

Anthony Modeste: Steht im wundervollen Nachspiel!

Kevin Vogt: Der zentrale Mittelfeldspieler kam nach 45 Minuten, um dem Team Stabilität zu geben und den Sieg mit nach Hause zu schaukeln. Doch der Blondschopf empfahl sich dieses Mal nicht für weitere Aufgaben. Hinten war seine Zweikampfstärke nicht gefordert, vorne konnte er nie Tempo aufnehmen und zeigte sich wenig spielintelligent. Extrem ungenau in seiner Spielweise, zudem überhaupt nicht präsent in den Zweikämpfen. So reicht’s wohl nicht für den Bundesliga-Start.

Simon Zoller: Nächstes Fleißkärtchen für den lieben Simon. War stets bemüht. Genau das steht auch in seinem Meppener Arbeitszeugnis. Zoller rackerte nach seiner Einwechslung wie gewohnt, bekam aber auch nicht viel Zählbares zustande, wie gewohnt. Kurz vor Schluss gelang ihm aber dann doch noch eine Bude. „Hätte meine Omma auch gemacht“, sagt da der gemeine Fan.

Yannick Gerhardt: Sollte Peter Stöger gegen den VfB Stuttgart über ein etwas stabileres 4-2-3-1 nachdenken, sollte er sich wohl eher für das hauseigene Talent entscheiden. Gerhardt bestätigte seine starken Eindrücke aus der Vorbereitung, war frisch und engagiert und sorgte mit seinem geilen Solo für eine der Szenen des Spiels.

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