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FC-Neuzugang João Queirós: Ein Kaiser noch ohne Land

Ein Abwehrtalent ohne Erstliga-Erfahrung? Der 1. FC Köln holt sich mit João Queirós viel Potenzial ins Haus – es ist Chance & Auszeichnung zugleich.

Quelle: facebook.com/galaticaviva

Ein portugiesisches Abwehrtalent ohne Erstliga-Erfahrung? Der 1. FC Köln holt sich mit João Queirós viel Potenzial ins Haus – der Transfer ist Chance und Auszeichnung zugleich. Das effzeh.com-Porträt.

Plötzlich ging es für die Öffentlichkeit ganz schnell: Dienstag früh tauchten in der portugiesischen Presse die ersten Berichte über einen Wechsel auf, wenig später bestätigte der 1. FC Köln den Transfer von João Queirós. Den 19-jährigen Innenverteidiger, der vom SC Braga zum effzeh stößt, lassen sich die „Geißböcke“ dem Vernehmen nach drei Millionen Euro kosten. Eine Stange Geld für einen Youngster, der noch keinen Erstliga-Einsatz auf dem Konto hat. Aber auch eine Investition in die Zukunft, die durch den Fünfjahresvertrag dokumentiert ist.

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Wer die gerade beendete U19-Europameisterschaft verfolgt hat, wird verstehen, weshalb in Köln großes Interesse an dem 1,90 Meter großen Innenverteidiger herrschte. Mit der portugiesische Auswahl stürmte João Ricardo Pereira Queirós, so sein kompletter Name, bis ins Finale – in allen fünf Partien kam der Abwehrspieler über die volle Spielzeit zum Einsatz. Auch wenn sein Fehler zum entscheidenden Treffer im Finale die Bilanz etwas trübt: Der Linksfuß überzeugte bei diesem Turnier auf ganzer Linie.

U19-Kapitän, aber kein Durchbruch in Braga

Nicht das erste Mal, das Queirós auf hohem internationalem Niveau für Aufsehen sorgt: Anfang des Jahres wurde der damals noch 18-Jährige beim renommierten Jugendturnier im spanischen La Manga zum besten Spieler des Turniers gewählt. Zwar unterzeichnete das Abwehrjuwel einen Profi-Vertrag bis 2022, doch zum Zug kam der Junioren-Nationalspieler in seinem Heimatverein nur selten: Als Kapitän des U19-Teams war ihm der Durchbruch beim Sporting Clube de Braga, der in der abgelaufenen Spielzeit gleich zehn (!) Innenverteidiger im Kader stehen hatte, nicht vergönnt. Lediglich in der Reserve des Tabellenfünften der portugiesischen Liga NOS durfte Queirós seine Qualitäten zeigen.

https://twitter.com/transferkritik/status/887409754519330817

Mit seinem starken linken Fuß scheut sich der hoch aufgewachsene Innenverteidiger nicht, den Spielaufbau voran zu treiben. Immer wieder streut er auch lange punktgenaue Diagonalschläge ein, die das Spielfeld für das eigene Team öffnen können. „Meinen linken Fuß würde ich neben meiner Schnelligkeit als meine große Stärke einschätzen“, bekundete Queirós, dessen Vorbild der spanische Weltklasse-Verteidiger Sergio Ramos ist, auf seine Qualitäten angesprochen. Viel mehr als um reine Sprintfähigkeiten besticht das portugiesische Abwehrtalent aber vor allem durch Spielintelligenz und Antizipation. Die körperliche Präsenz, die ihn im Jugendbereich auszeichnet, muss sich allerdings im harten Profifußball noch entwickeln. Dennoch ist es kaum verwunderlich, dass auch seine Ex-Klubs Benfica und Porto Interesse an einer Verpflichtung zeigten.

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Queirós: Spätentwickler mit Heimweh

Queirós, der aufgrund seiner für einen Abwehrspieler eleganten Spielweise in Anlehnung an Franz Beckenbauer auch „Imperador“ oder „Kaiser“ gerufen wird, wuchs im Norden Portugals in Grenznähe zu Spanien auf. Früh machte der talentierte Kicker auf dem Fußballplatz auf sich aufmerksam, bereits mit zwölf Jahren wagte er den Schritt nach Lissabon in die Nachwuchsakademie von Benfica. Wohl einen Tick zu früh für Queirós, dessen Heimweh ihn zurück in die Nähe seiner Heimat trieb. Aber auch beim FC Porto wurde er nicht glücklich, über seinen Heimatklub AD Barroselas ging es dann nach Braga, wo er endgültig den Durchbruch auf Jugendebene und den Sprung in Portugals Auswahlteams schaffte.

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Den endgültigen Durchbruch im Profifußball will der ambitionierte Youngster nun aber fernab der Heimat schaffen: Beim 1. FC Köln ist Queirós zunächst als Ergänzung der Defensive angedacht, Spielpraxis in der U21 erscheint angesichts der Konkurrenz um Dominique Heintz, Dominic Maroh und Frederik Sörensen möglich. „Wir haben die Fantasie, dass der Sprung in die Bundesliga für ihn klappen wird. Für sein Alter spielt er sehr unaufgeregt. Er ist klar in seinen Aktionen und versteht das Spiel“, sagt effzeh-Coach Peter Stöger über den Neuzugang. „João ist ein großes Talent, das unseren Kader im Defensivbereich ergänzt. Wir sind zuversichtlich, dass er mit der Begleitung unseres Trainerteams den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen und den Sprung in die Bundesliga schaffen wird“, ergänzt Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke.

Chance und Auszeichnung zugleich für den 1. FC Köln

Das Potenzial, es auch in Deutschland schaffen zu können, ist bei João Queirós vorhanden. Dass beim effzeh Abwehrspieler unter Peter Stöger in Ruhe reifen können, zeigen nicht zuletzt die Entwicklungen von Kevin Wimmer oder Dominique Heintz. Für die „Geißböcke“ ist es Chance und Auszeichnung zugleich, dass sich ein solch umworbenes Talent für einen Wechsel nach Köln entscheidet. Eine Sofortverstärkung dürfte Queirós allerdings nicht darstellen – aktuell ist der Portugiese noch ein Kaiser ohne Land. Die getätigte Investition zeigt jedoch, dass der effzeh daran glaubt, dem „Imperador“ bald das Herrschen beibringen zu können.

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