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Volker Struth: Der Kölner König einer undurchsichtigen Branche

Der bekannteste deutsche Spielerberater Volker Struth ist einer der Großen im Geschäft –
beim effzeh berät er ganze acht Spieler. Etwas viel, oder nicht?

Struth und Hebel
Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Der bekannteste deutsche Spielerberater Volker Struth ist einer der Großen im Geschäft – beim effzeh berät er mittlerweile ganze acht Spieler. Etwas viel, oder nicht?

Wenn man sich fragt, an welchen Orten über die sportliche Zukunft des 1. FC Köln entschieden wird, kommt man neben dem Müngersdorfer Stadion natürlich auf das Geißbockheim im Grüngürtel zu sprechen. Während in Müngersdorf alle zwei Wochen (in der Europa League ja Gott sei Dank auch etwas häufiger) um Punkte gekämpft wird, legt der effzeh in der täglichen Arbeit am Geißbockheim die Grundlage für die sportliche Wettbewerbsfähigkeit. Dies geschieht natürlich zuerst auf dem grünen Rasen, doch auch die Arbeit in der Geschäftsstelle und in den Büros der Geschäftsführung und des Trainerstabs hat hier einen nicht unwesentlichen Stellenwert. Doch wenn man sich die Kadersituation des 1. FC Köln genauer anschaut, fällt auf, dass auch an einem anderen Ort in Köln jede Menge Einfluss auf die sportliche Situation genommen wird – nämlich am nördlichen Rande der Kölner Altstadt.

„SportsTotal“: Der Beratungs-König sitzt in Köln am Rheinufer

Dort lädt das Konrad-Adenauer-Ufer an schönen Tagen zum Flanieren entlang des Rheins ein. Doch die Idylle des ewig fließenden Flusses trügt: In unmittelbarer Nähe wird in den schmucklosen Hochhäusern entlang der vierspurigen Straße dickes Business gemacht. In einem der tatsächlich optisch etwas ansprechenderen Bürogebäude mit einer großen Glasfront hat man einen tollen Blick auf das Rhein-Ufer. Hier residiert ein Steuerberater, gegenüber (oh, the irony!) findet sich die Bank für Sozialwirtschaft. Doch das wohl einträglichste Geschäft macht in dieser Gegend die Agentur „SportsTotal“ mit den beiden Geschäftsführern Volker Struth und Dirk Hebel. Zu deren Kunden zählen der am besten bezahlte deutsche Fußballer der Geschichte, Weltmeister Toni Kroos, dazu die Dortmunder Identifikationsfigur Marco Reus. Benedikt Höwedes, Ömer Toprak, Gonzalo Castro und Ron-Robert Zieler gehören zu den weiteren Klienten. „SportsTotal“ gilt als der Branchen-Primus in der deutschen Spielerberatung, Volker Struth als ihr Messias.

Ich verstehe mich als ehrbaren Kaufmann, wir arbeiten sauber, ich lasse keine Skandale zu, das ist mein oberstes Gebot hier.

Selbst in Europa gehört die Kölner Agentur „SportsTotal“ zu den Big Playern. Innerhalb von nicht einmal zehn Jahren hat es Struth zusammen mit seinem Geschäftspartner Hebel geschafft, zu sehr einflussreichen Menschen im Fußballbusiness zu werden. Dabei entstammt Struth gar nicht der klassischen Fußball-Blase: Er ist gelernter Zimmermann und schulte dann bei den Ford-Werken in Niehl zum Industriekaufmann um. Im Alter von 25 Jahren gründete Struth sein erstes Unternehmen, mit dem er Büromaterial aus einer Garage verkaufte. Nach der Gründung einer Event- und Marketingagentur zeichnet sich Struth auch für den Verkauf der Autofähnchen während der WM 2006 verantwortlich – wer erinnert sich nicht?

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Struth, auf die Schnelle zum Millionär geworden, hatte Blut geleckt und wollte mehr. 2007 gründete er mit Dirk Hebel zusammen die Agentur „SportsTotal“, der in den 1990er-Jahren bei der Zweiten des effzeh spielte und danach durch Europas Ligen tingelte. Ergänzt wird das Konstrukt durch ehemalige Profis wie Uwe Fuchs oder mittlerweile Jan Schlaudraff.

Marcel Risse war 2008 Struths erster Kunde

Einer der ersten Kunden von Struth und Hebel war übrigens ein Spieler, der für den momentanen Aufschwung des 1. FC Köln mitverantwortlich ist. 2008 gewann Marcel Risse mit der deutschen U19 die Europameisterschaft, der gebürtige Kölner wurde spätestens dadurch zu einer interessanten Aktie. Struth und Hebel konnten ihn überzeugen, sich von „SportsTotal“ beraten zu lassen – knapp zehn Jahre später besteht diese Beziehung immer noch. In der Folge starten Struth und Hebel durch und schreiben sich dabei, ungewöhnlich für Spielerberater, lautere Methoden auf die Fahnen. Struth im „Manager Magazin“: „Ich verstehe mich als ehrbaren Kaufmann, wir arbeiten sauber, ich lasse keine Skandale zu, das ist mein oberstes Gebot hier. Wir Berater dürfen uns glücklich schätzen, im Profifußball zu arbeiten und damit gutes Geld zu verdienen – wer dann so hohl ist und krumme Dinger macht, der sollte sich einliefern lassen.“

Auf der nächsten Seite: Wie Volker Struth die Wahrnehmung der Branche ändern will

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